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Konzert in der Karlskirche am 23. September
„Ich möchte die Grenzen verwischen“

Stimmlich habe er sich neu gefunden, sagt Tenor Björn Casapietra vor seinem Auftritt in der Karlskirche.
Stimmlich habe er sich neu gefunden, sagt Tenor Björn Casapietra vor seinem Auftritt in der Karlskirche. FOTO: Casapietra
Mit seinem neuen Programm „Lieder der Sehnsucht“ tritt der Tenor Björn Casapietra am Sonntag, 23. September, um 18 Uhr in der Karlskirche in Zweibrücken auf. Dem Merkur gab er vorher ein Interview.

Herr Casapietra, in Ihrem Tourplan tauchen viele ehemalige ostdeutschen Städte auf. Ist es für Sie, als jemanden, der in der DDR aufgewachsen ist, schwierig in den Alten Bundesländern Fuß zu fassen?

Björn Casapietra: Ja, das gebe ich zu. Da meine Eltern Stars in der DDR waren, ist es natürlich leichter, dort Publikum zu finden. Aber das geht nicht nur mir so, sondern vielen Künstlern. Bei mir kommt noch dazu, dass ich auch als Schauspieler tätig war. Viele Leute kennen mich aus dem Fernsehen, wissen aber gar nicht, dass ich eigentlich Sänger bin.



Ihre aktuelle Tour heißt „Lieder der Sehnsucht“. Welche Art der Sehnsucht können Ihre Zuhörer erwarten?

Casapietra: Wir leben im Moment in seltsamen, düsteren Zeiten, und die Musik hat die Aufgabe, die Pflicht, Menschen Kraft, Zuversicht, Hoffnung und Glück zu geben. Es ist die Aufgabe der Musik, den Menschen zu sagen, hey uns geht es gut, es ist alles nicht so schlimm, wie es uns diese Demagogen von Rechts oder auch von Links glauben machen wollen. Hier komme ich ins Spiel. Ich will den Menschen mit meinen Liedern Glück und Hoffnung schenken.

Sind Ihre Auftritte politisch?

Casapietra: Ich werde aus einem romantischen Liebeslied-Konzert keine politische Veranstaltung machen. Aber ich positioniere mich immer wieder klar gegen Rechts. Und für mich ist eine Partei wie die AfD eine rechtsextreme, rechtsnationalistische Partei, die nicht infrage kommt. Mein Programm heißt Lieder der Sehnsucht, und wer sich nach Frieden oder Heimat sehnt, darf nicht die Hetzer von der AfD wählen. Ich werde mich auch in Zweibrücken klar positionieren.

Bei vergangenen Touren hat Sie ihr Halbruder Uwe Hassbecker unterstützt. Wird er dieses Mal wieder dabei sein?

Casapietra: Nein, bei dieser Tour ist er nicht dabei. Er hat zu viel zu tun. Das ist schade, aber er hat mit mir meine letzten drei Alben eingespielt und wird daher auch im Geiste dabei sein. Eventuell werde ich meine Tochter mitbringen, wenn es die Schule zulässt. Es ist immer etwas Besonderes, wenn eine neunjährige mit ihrem Vater auftritt, aber ich kann es nicht versprechen.

Sie treten hauptsächlich in Kirchen auf. Gibt es dafür einen speziellen Grund?

Casapietra: Da gibt es drei Gründe. Punkt eins: Die Akustik. Ich bin Tenor und in einer Kirche gibt es einen wunderbaren Hall, der Gänsehaut erzeugt. Das passt super zusammen. Punkt zwei: Kirchen sind Orte, wo die Leute hingehen, um Trost und Zuversicht zu empfangen. Das deckt sich mit meiner Musik. Ich will Gänsehaut erzeugen, ich will in die Seele hinein, ich will dass mein Publikum weint und Emotionen wecken. Eine Kirche ist dafür der ideale Ort. Punkt drei: Die Menschen fühlen sich meiner Meinung nach in einer Kirche wohler als in einem Theater oder einer Oper.

Vor einigen Jahren haben Sie einmal gesagt, dass Sie die Klassik entstauben wollen. Hatte Sie damit Erfolg?

Casapietra: Ich singe vieles von „Ave Maria“ von Schubert bis hin zu „Hallelujah“ von Cohen, obwohl ich ein klassischer Tenor bin. Ich will Klassik nicht mehr entstauben, ich möchte die Grenzen verwischen. Ich finde Cohen hat mit „Hallelujah“ ein Meisterweg geschrieben, jede Klassik-Stimme sollte dieses Stück singen. Genauso singe ich aber auch die heimliche Nationalhymne von Irland „Oh Danny Boy“. Ich will die Grenze zwischen ernster und unterhaltsamer Musik verwischen, das mache ich schon mein ganzes Leben, und es funktioniert.

Sollen wir den Zweibrückern von Ihnen etwas ausrichten?

Casapietra: Trinken Sie vor dem Konzert ein Glas Wein, damit Sie locker werden. Ich will, dass Sie am Ende des Abends mit mir als Chor zwei, drei Lieder singen. Die, die schon früher bei meinen Konzerten waren, werden einen komplett anderen Tenor erleben. Ich habe mich in den letzten Jahren stimmlich neu gefunden. Ich bin um so vieles gereift. Ich bin ein vollkommen anderer Sänger geworden und ich will das den Zweibrückern zeigen.

Die Fragen stellte Jan Neuheisel