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Tödlicher Unfall auf A8
„Ich könnte damit nicht leben“

Noch immer sucht die Polizei nach dem Fahrer, der den tödlichen Unfall auf der A8 verursacht hat. Foto: dpa
Noch immer sucht die Polizei nach dem Fahrer, der den tödlichen Unfall auf der A8 verursacht hat. Foto: dpa FOTO: dpa / Friso Gentsch
Zweibrücken. Walter Nickola war nach dem tödlichen Unfall auf der A 8 am 1. Juli als einer der Ersthelfer vor Ort. Von Mirko Reuther

Walter Nickola kann es noch immer nicht vollständig verstehen, was sich am Sonntag, dem 1. Juli auf der A 8 bei Zweibrücken-Ernstweiler in Fahrtrichtung Homburg ereignet hat. „Ich könnte damit nicht leben. Wie kann jemand in so einer Situation einfach abhauen?“, fragt er konsterniert. Der 70-Jährige meint den Fahrer eines weißen Mercedes, vermutlich ein E-Klasse-Modell, der den schrecklichen Unfall verursacht hat, welcher einen 13-jährigen Jungen das Leben kostete und seinen 37 Jahre alten Stiefvater so schwer verletzte, dass er bis heute nicht das Krankenhaus verlassen kann. Nickola war als einer der ersten am Unfallort, versuchte zu helfen. Verblasst sind seine Erinnerungen an den Tag nicht – wie könnten sie auch?

„Der Verkehr war gar nicht so schlimm“, erzählt Nickola, der sich gegen 14.50 Uhr auf dem Weg nach Homburg befand. Als er den Vater auf seiner Harley Davidson – der Sohn befand sich auf dem Sozius – an sich vorbeifahren sah und im Rückspiegel bemerkte, wie sich der weiße Mercedes mit „hoher Geschwindigkeit“ näherte, sei er sofort langsamer gefahren. „Was macht der?“, habe sich Nickola gefragt – Sekunden bevor das Unglück geschah. Der Mercedes fuhr der Harley auf, die Maschine geriet ins Schleudern und prallte gegen die Mittelleitplanke. Drei oder vier Überschläge habe das Motorrad gemacht, bevor es zum Liegen kam. Nickola fuhr in eine Haltebucht, sah noch, dass der Vater den Kopf heben konnte und das Motorrad in Flammen stand. Der 70-Jährige war rasch bei dem Vater, als eine andere Ersthelferin bezeugte, dass der Sohn kein Lebenszeichen von sich gebe. Nickola lief zu dem Jungen – helfen konnte er nicht mehr. „Ein schreckliches Bild“, sagt Nickola mit leiser Stimme.

Und es ist ein Bild, das ihn verfolgt hat. Mit der Polizei war er als Zeuge noch einmal am Unfallort. „Da hatte ich alles wieder vor Augen“, sagt er. In den ersten Tagen nach dem Unfall konnte er das Geschehene kaum verarbeiten, hatte Probleme zu schlafen.



Nickola hat keinen eigenen Nachwuchs, aber seine Frau hat vier Kinder in die Ehe mitgebracht. Mittlerweile ist er Großvater. Das macht den Gedanken an eine Familie, die ihr Kind verloren hat, noch unerträglicher. Mittlerweile geht es Nickola besser, auch wenn er noch oft auf das Geschehene angesprochen wird und die Erinnerungen dann zurückkehren.

Was den Rieschweiler ebenfalls beschäftigt, ist, dass er das Nummernschild des Flüchtigen nicht erkennen konnte. Zum einen, weil „einfach alles so schnell ging“. Zum anderen, weil der Wagen des Todesfahrers zunächst anzuhalten schien – bevor er Richtung Saarland flüchtete. Er habe kurz überlegt, ob er hinterherfahren solle – entschied sich aber, bei dem verletzten Vater zu bleiben.

Nickola setzt seine Hoffnung nun in die Fernsehberichterstattung. 20 neue Hinweise sind bei der Polizei eingegangen, nachdem der Fall im SWR in der Sendung „Kriminalreport Südwest“ behandelt worden war. Am morgigen Mittwoch wird der Leiter der Zweibrücker Polizeiinspektion, Matthias Mahl, um 20.15 Uhr live in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ um Hilfe und Hinweise bitten.

Nickola erzählt, ihm sei sogar Geld angeboten worden, wenn er sich an mehr Details des Unfalls erinnern könne. „Aber ich will doch kein Geld!“, sagt der 70-Jährige fassungslos. Er will nur nachvollziehen, was am 1. Juli auf der A 8 bei Zweibrücken-Ernstweiler geschehen ist.