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Rap made in Zweibrücken
„Ich gehe mit dem Beat“

Hiphop ohne aufgeblasene Angeberei: Das geht gut zusammen bei Rapper Dan-L. Bedauerlich findet er die mangelnden Auftrittsmöglichkeiten für Hiphopper in Zweibrücken.
Hiphop ohne aufgeblasene Angeberei: Das geht gut zusammen bei Rapper Dan-L. Bedauerlich findet er die mangelnden Auftrittsmöglichkeiten für Hiphopper in Zweibrücken. FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. Der Zweibrücker Daniel Staub alias Dan-L hat bei Streetfighter Records sein erstes Album herausgebracht. Von Sebastian Dingler

Er steht nicht auf dicke Autos, Goldketten und mehrere Frauen gleichzeitig: Man meint fast, Daniel Staub könne gar kein Rapper sein. Doch das sind natürlich nur Klischees – es müssen nicht immer die mit Waffen fuchtelnden Angeber sein, die Hiphop machen. So angenehme Menschen wie Staub können das auch – und zwar sehr gut.

Unter seinem Künstlernamen Dan-L (der sich schlicht von seinem Vornamen ableitet) hat er nun beim Zweibrücker Label Streetfighter Records sein erstes ganzes Album herausgebracht. „Alte Schule“ heißt es, und das bezieht sich stark auf die neunziger Jahre, in denen der 29-Jährige seine Kindheit erlebte. „Ich wäre lieber in den Neunzigern geblieben“, diese Worte legt Dan-L Sängerin Canan im Titelsong in den Mund. Etwas verklärend wünscht sich der Rapper „zurück in eine Zeit, in der die Leute noch Wert auf Lyrik legten, und die Leute sich mit Hiphop gegen das System erheben“.

Andere Themen des Albums sind Menschen, die keine rechte Freude mehr am Leben haben. Mit „Verlorene Seelen“ widmet Dan-L diesen „eine Hymne für alle, die an der Klippe stehen: Lasst uns alle noch zwei Schritte zurückgehen.“ In „Durch die Nacht“, einem der stärksten Songs auf dem Album, heißt es: „Betrachte das Leben wie ein Kartenhaus – es braucht Geduld, es wieder von vorne aufzubauen.“ Und im Duett „Zwiespalt“ mit Rap-Kollege SRAL sieht dieser Welt schwarz, während Dan-L ihn wieder aufzubauen versucht.



Kein Wunder bei dieser sozialen Einstellung, dass Staubs Berufswunsch Altenpfleger ist. Klar würde er sich auch eine Hiphop-Karriere wünschen, die ihm ein Auskommen sichert. Doch der Weg dahin ist steinig, denn Staub weiß auch: „Der Markt ist total überfüllt.“ Es sei alleine schon schwierig, in unserer Gegend aufzutreten mangels geeigneter Clubs: „In Zweibrücken und Umgebung ist so gut wie nichts. Man muss schon weiter weg, Frankfurt, Köln. Aber da gibt es eben viel Konkurrenz.“

Er habe auch die Erfahrung gemacht, dass behauptet wurde, Zweibrücken sei eine „Rock-Stadt“, wenn er ein Hiphop-Event organisieren wollte. Dennoch möchte Staub, der mit seiner Freundin in Blieskastel wohnt und ursprünglich aus Saarbrücken stammt, der Rosenstadt verbunden bleiben. Hergelockt hatte ihn das Angebot der Musikschule Kern, konkret: die Ausbildung zum Instrumentalsolisten. „Ich habe Saxofon angefangen zu lernen. Es hat sich aber schnell herausgestellt, dass es bei mir Richtung Tontechnik geht, da haben wir ein Studio im Keller der Musikschule gebaut, wo ich jetzt tätig bin.“

Das Album wurde allerdings mithilfe von Klaus und Kai Krumbach aufgenommen. Während Vater Klaus Staubs Stimme aufnahm, steuerte Sohn Kai die komplette Musik bei. Selber kann oder will Dan-L das nicht: „Um die Musik selber zu machen, fehlt mir die Geduld. Ich bin da auch nicht so gut drin, mir fehlt viel technisches Wissen. Das muss ich mir einfach eingestehen.“ Da er aber schon länger mit Kai Krumbach zusammenarbeitet, wisse dieser mittlerweile schon genau, was Staub als Grundlage für seinen Sprechgesang braucht.

Viele Klänge alter Tasteninstrumente wie Fender Rhodes-Piano oder Hammondorgel sind auf dem Album zu hören, Dan-L rappt mit rauer Stimme über die eingängigen Grooves. Auch dabei verhält er sich ganz „old school“, wie der Albumtitel auf Englisch heißen würde: „Aktuell ist ja eher dieser ‚Trap‘ angesagt, aber das ist nicht so meine Welt. Ich gehe mit dem Beat anstatt gegen den Beat.“ Seine Vorbilder im US-Hiphop sind auch alte Helden wie Cypress Hill (Gründung 1988) und Bone Thugs-N-Harmony (1992). Und auf Deutsch? Da will ihm gar kein Rapper einfallen – überraschend nennt er da Helge Schneider und Reinhard Mey. „Meine Einflüsse kommen auch aus ganz anderen Bereiche als Hiphop“, sagt Staub, der auch schon an Poetry Slams teilgenommen hat. Fehlt sonst noch etwas Wichtiges für diesen Bericht? Da überlegt der Rapper lange. „Das Album kaufen!“, sagt er schließlich.