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Großflächiger Einzelhandel
„Ich bin sauer, dass das so lange dauert!“

Erich Huwer, 
Geschäftsführer der Globus-
Baumärkte.
Erich Huwer, Geschäftsführer der Globus- Baumärkte. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Globus Baumarkt kritisiert bürokratische Hürden für Ausbaupläne in Zweibrücken und fordert getrennte Betrachtung von Möbel Martin. Von Lutz Fröhlich

Etwa sechs Millionen Euro will Globus in die Erweiterung seines Baumarkts in Zweibrücken investieren. Nach zehnjährigem Ringen mit der Stadtverwaltung wähnte das Unternehmen sich jetzt endlich am Ziel, freute sich über die einstimmige Zustimmung des Stadtrats Ende März zur Fortführung des Bebauungsplans. Doch statt 2019 mit dem Umbau beginnen zu können, fürchtet Globus jetzt eine erneute mehrjährige Verzögerung – weil die SGD Süd (Struktur- und Genehmigungsdirektion in Neustadt) ein Raumordnungsverfahren verlangt und eine gemeinsame Betrachtung mit den Erweiterungsplänen von Möbel Martin nebenan (wir berichteten).

Das komme völlig überraschend, sagt Anja Dusemond. Als Standortplanungsleiterin der Globus-Baumärkte habe sie schon viele Erweiterungen begleitet: „Raumordnungsverfahren sind da sehr ungewöhnlich, selbst in Baden-Württemberg, das am strengsten ist.“ Zudem gehe es Globus in Zweibrücken vor allem um eine Modernisierung, erläutert Erich Huwer, Geschäftsführer der Globus-Baumarkt-Gruppe. Die strittige Verkaufsfläche für innenstadtrelevante Sortimente solle bloß um 180 Quadratmeter wachsen (davon 150 Getränkemarkt), „das ist doch nichts“, bezweifelt Dusemond die Notwendigkeit eines Raumordnungsverfahrens. Zumal auch die Gesamtverkaufsfläche nur maßvoll stiege, von 17 700 auf 19 500 Quadratmeter – und das von der Stadt beauftragte Gutachten schädliche Auswirkungen auf Zweibrücken oder Nachbarstädte ausschließe. Bei dem Umbau gehe es vor allem darum, mehr Platz für eine übersichtlichere und modernere Waren-Präsentation zu schaffen – und nicht das Angebot zu vergrößern, erläutert Huwer. Das sei auch mit Blick auf neue Konkurrenz wie den Obi St. Ingbert erforderlich, um die Attraktivität des Zweibrücker Marktes (umsatzstärkster der 89 deutschen Globus-Baumärkte) und die 210 Arbeitsplätze dort zu sichern.

Am 8. Mai hat Globus ein Gespräch bei der SGD Süd. Man hoffe, die Landesbehörde zu überzeugen, dass rechtlich kein Raumordnungserfahren erforderlich sei, so Dusemond. Kein Verständnis habe sie auch dafür, dass die SGD Baumarkt und Möbel Martin gemeinsam betrachten wolle: „Das ist doch eine völlig getrennte Sache!“ Nicht nur, weil Globus Baumarkt ein eigenes Unternehmen sei – sondern auch, weil das Möbelhaus wesentlich größere Ausbau-Pläne habe (Gesamtverkaufsfläche von 24 000 auf 35 000 Quadratmeter, davon 3500 qm innenstadtrelevante Randsortimente). Bei dieser Dimension sei auch der Ausgang deutlich ungewisser: „Sollen wir fünf Jahre warten müssen, wenn das Möbelhaus-Verfahren vielleicht so lange dauert?!“



Anderthalb bis zwei Jahre Verzögerung befürchtet Dusemond allein schon durch das Raumordnungsverfahren. Das dauert zwar laut SGD nur etwa sechs Monate (wir berichteten) – doch vorher müsse die Stadt erst noch das immer wieder verzögerte neue Einzelhandelskonzept beauftragen und beschließen (siehe Bericht unten), fordere die SGD. Und auf der Basis dieses Konzepts müsse die erst im November 2017 fertiggestellte Auswirkungsanalyse für die Baumarkt-Erweiterung wiederholt werden.

„Zehn Jahre sind wir jetzt an dem Thema dran, und wir sind keinen Schritt weiter“, ärgert sich Huwer. Er sei auch „sauer, dass man nicht berücksichtigt, was sonst in der Welt los ist“. Online-Handel habe nämlich heute auf die Innenstadt „viel, viel größere Auswirkungen als 180 Quadratmeter mehr Getränkemarkt“. Seine Kritik richte sich aber nicht nur an Stadt und SGD, sondern an die Bundespolitiker: Auch das Baurecht müsse ans Online-Zeitalter angepasst werden. Huwer kritisiert zudem, die Stadt tue nichts, „um von unseren jährlich 1,4 Millionen zahlenden Kunden zu profitieren“. Er wundere sich etwa, warum Zweibrücken „nicht samstags mal bei uns die Innenstadt präsentiert“.