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Interview mit Peter Orloff
"Ich bin dem Schlager weiter sehr verbunden"

Nach Hornbach kommt Peter Orloff nicht als Schlagerstar, sondern 
als Chorleiter.
Nach Hornbach kommt Peter Orloff nicht als Schlagerstar, sondern als Chorleiter. FOTO: Manfred Esser
Das Festival Euroclassic, das im September und Oktober stattfinden wird, wirft schon seine Schatten voraus: Mit dem früheren Schlagerstar Peter Orloff wird am 5. September in der Hornbacher Klosterkirche sozusagen ein alter Bekannter der Region auftreten. Bekannt wurde Orloff auch als Komponist, etwa des ersten Peter Maffay-Hits „Du“. Von Sebastian Dingler

Herr Orloff, warum haben Sie „Du“ nicht selbst gesungen?

Peter Orloff: Gute Frage (lacht). Das hatte ich für mich selbst geschrieben, aber mein damaliger Produzent fand das Lied nicht so gut, wohl, weil es nicht von ihm war – und dann hat es Peter Maffay gesungen und es zeigte sich, dass das Lied doch nicht so schlecht war.

Das konnten Sie also gar nicht selbst bestimmen?



Orloff: Nein, aber ich konnte bestimmen, wie es der Peter Maffay singt, ich habe ihn ja produziert bei dem Song. Meine eigene Firma hatte es für mich ja vorher abgelehnt und dann ist es ja zum Glück bei ihm gelandet. Er hat fairerweise schon oft gesagt, dass es mit mir als Sänger ein genau so großer Hit geworden wäre. Aber so war es ein toller Einstieg für ihn…

Stimmt denn die Anekdote, dass Maffay den gesprochenen Teil des Liedes nicht selber sprechen konnte?

Orloff: Ja, Peter hatte aufgrund seiner rumänischen Herkunft und seiner inzwischen bayrischen Heimat einen Akzent, der ihn für den sehr emotionalen Sprechteil etwas gewöhnungsbedürftig machte. Das war nicht das, was wir uns an der Stelle vorgestellt hatten. Ich durfte es nicht sprechen, weil ich bei einer anderen Firma unter Vertrag war, das hätte Probleme gegeben. Also hat es Michael Kunze, der Textdichter und Mitproduzent, eingesprochen und mit seiner unschuldig hellen Sprechstimme seine Sache sehr ordentlich gemacht. Das Lied hat ja ganze Armeen von Liebenden beflügelt.

Aber Sie sind nicht traurig, dass Maffay den großen Erfolg damit hatte?

Orloff: Wie könnte ich, ich war ja Komponist und Produzent eines Millionenhits. Die Nummer ist echt super gelaufen und bis heute Maffays größter Hit. Ich hab ja selbst auch wunderbare eigene Hits gehabt wie „Ein Mädchen für immer“, das in fünf Ländern auf Nummer eins war. Also ich fühle mich sehr reich beschenkt vom Schlager-Schicksal.

Haben Sie noch Kontakte mit der Schlagerszene?

Orloff: Ja, ich bin gerade in der Dominikanischen Republik aufgetreten bei einer großen Gala zugunsten von Fly & Help, das ist die Hilfsorganisation, bei der ich auch im Kuratorium bin, die bauen überall Schulen, wo die Not am größten ist. Wir haben da ein Benefizkonzert gemacht mit Olaf Henning, Mickie Krause und ein paar anderen Kollegen. Das war echt super. Da habe ich aus vollem Herzen Schlager gesungen. Und vor Kurzem bin ich bei der Premiere des Musicals von Chris Andrews spontan auf die Bühne gegangen und habe meinen Hit “Ein Mädchen für immer“, der Bestandteil des Musicals ist, mitgesungen. Ich bin dem Schlager nach wie vor sehr verbunden, es ist nur eine Frage der Zeit. Ich habe nicht die Zeit, um alles zu machen, was ich machen könnte, aber ich mache immer noch genug!

Ihre Frau Linda stammt aus Battweiler – wie haben Sie sie kennengelernt?

Orloff: Wir haben uns in Zweibrücken in der Pizzeria Roma kennengelernt – das ist jetzt auch schon ein Weilchen her.

Was haben Sie in Zweibrücken gemacht?

Orloff: Da wohnte ein damaliger Manager von mir, deshalb war ich öfter mal da.

Ich hörte auch, dass Schlagerkollege Graham Bonney in Battweiler gewohnt haben soll…

Orloff: Ja, der Graham Bonney lebte auch zeitweilig in Battweiler. Den habe ich gerade gesehen bei der Musical-Premiere. Eine Woche vorher waren wir noch mit Chris und Alexandra Andrews auf seinem 75. Geburtstag. Meine britische Connection, Chris Andrews und Graham Bonney, ist nach wie vor eine innige und herzliche.

Was hat denn Graham Bonney nur in Battweiler gemacht?

Orloff: Der war bei dem selben Management. Aber warum er da gewohnt hat? (Fragt seine Frau) Ah, der hat da gar nicht gewohnt, war aber häufig zu Besuch da. Wenn er in Deutschland war, hat er bei der Mutter des Managers gewohnt.

Was haben Sie jetzt bei Ihrem Konzert mit dem Kosakenchor vor?

Orloff: Mit dem Kosakenchor mache ich im Jahr etwa 200 Konzerte und bin also voll im Einsatz. Da führen wir russische Volkslieder wie „Die Abendglocken“, „Das einsame Glöckchen“ oder „Kalinka“ auf. Aber auch Opernklassiker wie „Nessun dorma“ oder den Gefangenenchor aus „Nabucco“. Für unser Publikum ist uns nichts gut genug.

Und das machen Sie seit den Neunzigerjahren, habe ich gelesen.

Orloff: Nein, schon seit den 60er Jahren. Zwischendurch war eben meine Schlagerkarriere, aber seit den 90ern leite ich den Chor.

Seither gibt es ja auch viele Russlanddeutsche hier.

Orloff: Ja, die kommen sehr häufig zu unseren Konzerten.

Sie selbst sind Kind eines Russen und einer Deutschen und 1944 mitten im Krieg geboren. Hatte ihr Vater keine Probleme mit Nazi-Deutschland?

Orloff: Ja gut, er war zaristischer Offizier und ist nach der russischen Revolution emigriert. Er ist dann in Deutschland Pastor geworden und erfreute sich einigen Ansehens. Er hatte allerdings auch Probleme mit den damaligen Machthabern und war unbeugsam. Er wurde dann mal in Beugehaft genommen und musste dabei Schrauben zählen. Einen Tag lang hat er das gemacht und sie dann gezählt und gewogen, dann hat er sie auf Verdacht nach Gewicht geschätzt und in der Zeit ein Buch geschrieben. Meine Heimatstadt Lemgo hat er vor den anrückenden englischen Soldaten einmal unter Einsatz seines Lebens geschützt. Die hatten nichts Gutes vor, da hat mein Vater einiges Unheil verhindern können. Er war jedenfalls ein hoch geachteter Mann und ist mit 90 gestorben. 

Auf Wikipedia steht doch tatsächlich, Sie würden heute „zurückgezogen“ bei Köln wohnen…

Orloff: Nein, zurückgezogen bin ich nur, wenn ich zuhause bin und die Tür zumache! Ansonsten bin ich 200 Tage im Jahr auf der Bühne und lebe das Leben eines 40 bis 50-jährigen.

Was dürfen die Zuschauer in Hornbach erwarten?

Orloff: Das Konzert in Hornbach wird sicher etwas ganz Besonderes, ich habe ein super Programm mitgebracht mit tollen Kollegen. Für uns ist jedes Konzert extrem wichtig. Überwiegend singen wir russisch, aber wie gesagt auch italienisch und deutsch. Was auch noch erwähnenswert ist: Bei uns singen Russen und Ukrainer in einem Chor zusammen. Das ist fast so wie bei Daniel Barenboim, dessen Orchester aus israelischen und arabischen Musikern besteht.

Die Fragen stellte Sebastian Dingler