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Patentantrag gestellt
Er will Patienten zum Gehen bringen

Johann Seidl mit seiner Erfindung, der „Balance-Fee“: In das Hemd sind vier Sensoren integriert, die halbseitig gelähmten Schlaganfall-Patienten helfen sollen, das Gleichgewicht zu halten.
Johann Seidl mit seiner Erfindung, der „Balance-Fee“: In das Hemd sind vier Sensoren integriert, die halbseitig gelähmten Schlaganfall-Patienten helfen sollen, das Gleichgewicht zu halten. FOTO: David Betz
Zweibrücken/Pirmasens. Der aus Zweibrücken stammende Rentner Johann Seidl gewinnt mit seiner Idee einer „Balance-Fee“ für Schlaganfallkranke in der RTL-Show „Hol dir die Kohle“ als Tagessieger 5000 Euro.

Der Rentner Johann Seidl will die Welt der Schlaganfall-Reha revolutionieren. Der gebürtige Zweibrücker sagt: „Ich habe ein Gerät erfunden, mit dem die Patienten schneller wieder laufen lernen.“ Damit war er am Donnerstag bereits bei RTL auf Sendung – und hat in der Show „Hol dir die Kohle“ die Jury mit Abstand am meisten beeindruckt und 5000 Euro für den Tagessieg gewonnen. In der RTL-Show wetteifern Erfinder, Tüftler und Menschen mit Geschäftsideen um die Gunst des Publikums.

„Das ist natürlich eine großartige Plattform, um Unterstützer für die Balance-Fee zu finden“, hofft Seidl. Die Siegprämie will er es in sein Projekt stecken.

Eigentlich war Seidl sein Leben lang Handwerker. Als er noch in Zweibrücken lebte, spielte er beim TSC Fußball. Gearbeitet hat er zuletzt in der Schweiz gearbeitet. Als Rentner ist er wieder nach Pirmasens gezogen. Mit dem Gesundheitsbereich hatte er nicht mehr Berührungspunkte als Otto Normalverbraucher. Doch wie kommt man auf die Idee, im Bereich Schlaganfall-Reha seine Gedanken schweifen zu lassen und ein Gerät zu entwickeln? „Ich habe in meinem Umfeld da keine Betroffenen. Aber jeden kann es treffen“, antwortete Seidl in einem Vorab-Gespräch mit unserer Zeitung . Er habe einen Fernsehbericht gesehen über eine junge Frau, die seit Kindestagen im Rollstuhl saß. Deren Mutter habe dann ein Gerät gebastelt und damit könne die Tochter inzwischen wieder laufen, „20 Kilometer am Tag“, laut Seidl. „Genau das hat mich dann total fasziniert.“ Und dann sei es ihm nicht mehr aus dem Kopf gegangen und er habe die Idee zu seiner Erfindung, der Balance-Fee, gehabt. Nun ist er damit an die Öffentlichkeit getreten.



Nach einem Schlaganfall haben viele Patienten eine Blockade zwischen Gehirn und Bewegungsapparat und müssen wieder laufen und greifen lernen – je nachdem, welches Hirnareal geschädigt wurde. Sehr oft tritt diese Blockade halbseitig auf. Wird der Schlaganfall durch Physio- und Ergotherapie behandelt, dann können diese Einschränkungen verbessert, zum Teil sogar vollständig rückgängig gemacht werden.

Hier setzt Seidls Idee an. „Die Patienten sind mit der Balance-Fee in der Lage, zwischen den Anwendungen weiter an ihrer Lauffähigkeit zu arbeiten und damit enorme Fortschritte zu machen“, verspricht er. Und das gehe so: Im Schulterbereich werden vorne und hinten jeweils auf der rechten und linken Seite vier Vibrationssensoren in ein Kleidungsstück eingearbeitet. Diese liegen direkt auf der Haut. Ein Steuergerät misst, ob der Patient gerade steht. Bewegt er sich aus der aufrechten Achse heraus, dann vibrieren die Sensoren, so dass der Patient selbstständig seine Haltung korrigieren kann, bevor er wegen des schweren Oberkörpers ins Stürzen gerät. „Damit kann man durch viel Einsatz wieder laufen lernen und das deutlich schneller und besser, als wenn man nur innerhalb der Therapiezeit übt“, behauptet der Erfinder. Per App ließen sich die Fortschritte dokumentieren und mit Therapeuten besprechen.

„Es ist kein Wundergerät, mit dem man sofort aufsteht und wegläuft, als sei nichts gewesen. Aber mit persönlichem Einsatz verbessert sich die Lauffähigkeit damit immer weiter“, erklärt Seidl weiter. Schlaganfall-Betroffene seien in der Regel sehr engagiert. „Es geht um Selbstständigkeit und Menschenwürde. Es geht darum, beispielsweise wieder selbst auf die Toilette gehen zu können, mobil zu sein.“ Jedes Jahr erleiden in Deutschland laut Seidl rund 250 000 Menschen einen Schlaganfall. „Und für die ist die Balance-Fee eine echte Hilfe.“

Konstruiert haben die Geräte zwei Studenten, die Seidl unterstützen. Die Patentschriften seien eingereicht. Nun wolle er Investoren finden, damit sein Gerät auf den Markt kommen kann. „Mir geht es dabei nicht um Geld, sondern ich bin überzeugt, dass das eine gute Sache ist, die vielen Menschen helfen kann. Es soll auch keine Konkurrenz zur klassischen Therapie sein. Ich glaube, dass das als Unterstützung viel bewegen kann.“