| 20:31 Uhr

Unfall mit getötetem Kind
Hoffnungen ruhen auf „Aktenzeichen XY“

FOTO: dpa / Matthias Balk
Zweibrücken. Nach dem tödlichen Unfall auf der A8 von Anfang Juli geht die Zweibrücker Polizei 100 Hinweisen nach, auch einem vielversprechenden aus Norddeutschland. Die erhofften Dashcam-Aufnahmen des Unfalls hat leider noch kein Zeuge geliefert. Nach einer SWR-Sendung ist der Fall am 22. August auch im ZDF Thema. Von Eric Kolling

Die Ausstrahlung im SWR Fernsehen hat zwar rund 20 neue Hinweise aus dem ganzen Bundesgebiet erbracht, eine heiße Spur zu dem tödlichen Unfall auf der A8 vom 1. Juli fehlt der Zweibrücker Polizei aber nach wie vor. Im „Kriminalreport Südwest“ war am Montagabend ein mehrminütiger Beitrag zu dem schrecklichen Zwischenfall gelaufen (wir berichteten). Kurz nach Paletten Gölz in Fahrtrichtung Einöd war damals gegen 14.50 Uhr ein weißer Wagen auf eine Harley Davidson aufgefahren und dann geflüchtet. Das Motorrad war gegen die Mittelleitplanke geprallt und zurück auf die Überholspur geschlittert, bevor es Feuer fing. Der 37-jährige Motorradfahrer wurde schwer verletzt, sein 13-jähriger Adoptivsohn starb noch an der Unfallstelle.

Bis jetzt habe sich leider noch kein Zeuge gefunden, der mittels einer Dashcam den Unfall gefilmt hat, erklärt Matthias Mahl, der Chef der Zweibrücker Polizei, auf Merkur-Anfrage. Die Polizei hatte gehofft, dass jemand zwischen 14.30 und 15.10 Uhr auf der A8 – Richtung Einöd oder auch Pirmasens  - die Kamera hatte laufen lassen. Mit den (aus Datenschutzgründen umstrittenen) Dashcams filmen manche Autofahrer den kompletten Fahrtverlauf, auch um bei einem Unfall abgesichert zu sein.

 Auch wenn sich niemand das genaue Kennzeichen des Fluchtautos merken konnte, geht die Polizei  nun insgesamt 100 Hinweisen nach. Mahl: „Das Hinweisaufkommen ist in der Tat hoch.“ Wie viele Beamte in der Sache ermitteln, richte sich „immer nach der Anzahl der gerade erforderlichen Ermittlungshandlungen“. Es habe im Laufe der mehrwöchigen Ermittlungen auch Phasen gegeben, in denen keine neuen Ermittlungsansätze bekannt wurden und die „alten“ bereits abgearbeitet oder als Ermittlungsaufträge an andere Polizeidienststellen versandt worden waren. Doch seit der SWR-Sendung „stieg das Hinweisaufkommen deutlich an. Dieser Trend hält bis heute an und scheint sich aufgrund der breiten Berichterstattung in zahlreichen Medien auch fortzusetzen.“ Dem zuständigen Sachbearbeiter Friedrich Pusse würden weitere Beamte zur Seite gestellt.



Einer der neuen Hinweise – insgesamt geht die Polizei jetzt rund 100 nach – stammt aus Norddeutschland. Eine Frau hat lauf Mahl angegeben, vor kurzem einen weißen Mercedes E-Klasse mit einem Frontschaden gekauft zu haben. Der Verkäufer soll es recht eilig gehabt und den Wagen schnell loszuwerden versucht haben. Die norddeutschen Kollegen sollen nun den Vorbesitzer vernehmen, mittels Gutachten ermittelt werden, ob sich der Frontschaden an dem Mercedes mit mit Unfallhergang deckt. Zu weiteren Details der Ermittlungen will Mahl „keine detaillierten Angaben machen“. Weitere Hinweise soll ein erneuter medialer Auftritt bringen: Am kommenden Mittwoch, 22. August,  20.15 Uhr, tritt Mahl live in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ auf. Der Sender sei auf die Zweibrücker Polizei zunächst per E-Mail dann telefonisch zugekommen. Sechs Stunden vorher finde im Münchner Studio die Probe statt. Dauern soll Mahls Auftritt einige Minuten. Anders als im SWR soll es aber keinen Filmbeitrag mit einer Nachstellung des Unfalls geben. Mahl: „Es werden Fotos von der Unfallstelle gezeigt, ebenso ein Passfoto oder ein Freizeitfoto des verstorbenen Jungen – das alles unterlegt mit Aussagen eines Sprechers. Dazwischen wird mir der Moderator einige Fragen stellen.“ Durch die Aufnahme in der Sendung verspreche man sich weitere Zeugenaussagen, im besten Falle sogar, dass sich der Unfallverursacher zu erkennen gebe, so Mahl weiter.

Ob der Adoptivvater bei der Aufklärung des tödlichen Unfalls mithelfen könnte? Der SWR berichtet, er liege noch immer schwer verletzt im Krankenhaus. Auch sechs Wochen nach dem Unfall könne er noch nicht vernommen werden. Auf merkur-Anfrage erklärt Matthias Mahl: „Ich bitte um Verständnis, dass die Polizei  zum Gesundheitszustand des Mannes keine Aussagen machen darf.“

Die Polizei nimmt jederzeit gerne weitere Hinweise entgegen, die zur Auflösung des Falles führen: Polizei Zweibrücken, Tel. (06332) 9760, Kripo Pirmasens, Tel. (06331) 5200.