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Studie zum Konsumverhalten
So leben die Zweibrücker Studenten

Online-Shopping ist bei den Zweibrücker Studenten beliebt.
Online-Shopping ist bei den Zweibrücker Studenten beliebt. FOTO: dpa / Arno Burgi
Zweibrücken. Monatlich geben die Hochschüler durchschnittlich 725 Euro aus, zeigt eine von Zweibrücker Mittelstandsökonomie-Studenten durchgeführte Befragung. Für Konsumgüter fließt jeder fünfte Euro an Online-Händler. Häufiger als im Bundesschnitt wohnen Studis in der Rosenstadt bei den Eltern – das senkt die Lebenshaltungskosten massiv. Von Lutz Fröhlich

Wie leben die Studenten der Hochschule Kaiserslautern? Und wofür geben sie ihr Geld aus? Mit diesen Fragen hat sich ein Team aus fünf Zweibrücker Mittelstandsökonomie-Studierenden beschäftigt, betreut von Professor Marc Piazolo. 195 Fragebögen konnten für die Studie ausgewertet werden, unter den Befragten studieren gut die Hälfte an der Hochschule Zweibrücken (die mit Pirmasens organisatorisch zur Hochschule Kaiserslautern gehört), 33 Prozent in Kaiserslautern und 15 Prozent in Pirmasens.

Besonders interessant für Zweibrücken und seine Geschäfte dürften die Ergebnisse zum Kaufverhalten sein. „Aufgrund ihres begrenzten Budgets gaben mehr als zwei Drittel der Studierenden an, dass sie beim Einkaufen intensive Preisvergleiche anstelle oder gleich von vornherein auf Schnäppchenjagd gehen“, schreibt Professor Piazolo. „Es überraschte uns daher wenig, dass fast 80 Prozent regelmäßig beim Discounter shoppen – während Wochenmärkte ,out’ sind“, ergänzt Forschungsteam-Mitglied Selina Jung. „Nur knapp zehn Prozent gehen auch mal auf den Markt oder kaufen direkt beim Erzeuger ein.“ Die Hälfte der Befragten bevorzugt das Einkaufen in Supermärkten. (Mehrfachnennungen waren möglich.)

„Werden Markenprodukte im Allgemeinen von Ihnen bevorzugt?“ Auf diese Frage antworteten 58 Prozent der Studierenden mit Nein, 42 Prozent mit Ja.



Aus den Umfrageergebnisse lässt sich zwar ein Trend zum Online-Shopping herauslesen – allerdings kauft eine deutliche Mehrheit weiterhin in klassischen Geschäften ein. Rechnet man die (ja online gar nicht verfügbaren) Ausgaben für Benzin und Wohnung heraus, beträgt der Online-Anteil an den Gesamtausgaben bei den Befragten durchschnittlich 20 bis 28 Prozent (je nach statistischer Berechnungsmethode). Wobei immer noch 65 Studierende – und damit ein Drittel – maximal nur 10 Prozent ihrer Konsumgüter im Internet erwerben, hebt Piazolo als Auffälligkeit hervor.

In Deutschland noch wenig verbreitet ist der Kauf frischer Lebensmittel über das Internet. Die Bereitschaft dazu bei den befragten Studenten ist aber sehr groß: Mehr als 70 Prozent sagten auf diese Frage Ja. „Die hohe Zustimmungsrate dürfte zum einen an der hohen Internetaffinität der jungen Studierendengeneration liegen, zum anderen scheint dieses Verbrauchersegment ihre positiven Erfahrungen mit Online-Käufen nicht-verderblicher Produkte auf Lebensmittel zu übertragen und vertraut Dienstleistern wie zum Beispiel Amazon“, vermutete Professor Piazolo. „Vielleicht wollen sie auch einfach nur weniger Zeit für als lästig empfundene Aufgaben im Haushalt opfern und mehr Raum für Freizeitaktivitäten gewinnen,“ ergänzt Forschungsteam-Mitglied Jasmin Strasser.

Bei dem aus Bundesmitteln geförderten „Forschendes Lernen“-Projekt führten die fünf Teammitglieder (alle Bachelor-Studenten) auch zwei Monate lang akribisch Buch über alle ihre Ausgaben. Diese wurden für die Auswertung in Produktgruppen zusammengefasst. Außerdem schätzten die Umfrage-Teilnehme ihre monatlichen Ausgaben.

Durchschnittlich gaben die fünf Studenten (vier Frauen und ein Mann) monatlich 876 Euro aus, bei den Umfrage-Teilnehmern waren es 725 Euro. Letztere Summe liegt – obwohl die Lebenshaltungskosten in der Westpfalz niedriger als in vielen klassischen Studentenstädten sind – nur zehn Euro unter dem aktuellen Bafög-Höchstsatz.

Mit Abstand größter Ausgabe-Posten des Fünfer-Teams waren mit 28 Prozent die Wohnungskosten, gefolgt von 15 Prozent für Verkehr (wie Auto, Benzin, Bus- und Bahn-Tickets), 13 Prozent für Nahrungsmittel, 13 Prozent für Sonstiges (wie Reisen, Versicherungen), jeweils 11 Prozent Bekleidung/Schuhe und Freizeit/Kultur, 7 Prozent Gesundheit/Pflege und zwei Prozent Lernmittel. Bei den Umfrage-Teilnehmern lagen die Wohnungskosten 33 Prozent) vor den Nahrungsmitteln (20 Prozent). Die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen liegen zum einen daran, dass geschätzte Ausgaben oft weniger realistisch als gemessene sind, zum anderen beeinflusst die individuelle Lebenssituation das Durchschnittsergebnis von fünf Personen (Team) natürlich stärker als von 195 Personen (Umfrage).

Bei den Umfrage-Teilnehmern wurde das Konsumverhalten auch getrennt nach den Lebensverhältnissen ausgewertet. Das „Hotel Mama“ ist bei den hiesigen Studenten besonders beliebt: Der Anteil beträgt 27 Prozent, bundesweit sind es nur 20. 24 Prozent der in der Zweibrücker Studie Befragten lebt allein, 23 Prozent mit Partner, 18 Prozent in einer Wohngemeinschaft, acht Prozenten leben als Fernstudenten in ihrer Heimat.

Die Höhe der monatlichen Konsumausgaben wird durch die Lebens- und Studienverhältnisse bestimmt: Wenig überraschend lebt es sich am günstigsten mit 433 Euro pro Monat im „Hotel Mama“, schreibt Piazolo. Sobald Mietkosten für die eigene Unterkunft hinzukommen, erhöhen sich die Ausgaben um mindestens 250 Euro. Allein in einer Wohngemeinschaft zu leben ist wiederum günstiger als im Wohnheim oder in einer privaten Unterkunft unterzukommen. „Ein Tipp für Ersteinschreiber: Sucht Euch ein WG-Zimmer. Damit kommt ihr etwas günstiger weg,“ empfiehlt Forschungsteam-Mitglied Cendrim Berisha den Zweibrücker Studenten.

Vor Ort Studierende, die mit einem Partner zusammen wohnen, geben mit 985 Euro massiv mehr aus. „Wir gehen davon aus, dass die Berufstätigkeit eines Partners die Konsummöglichkeiten des studierenden Partners deutlich erweitert,“ erklären die Team-Mitglieder Vivien Waldhof und Kathrin Kern.

Da über 80 Prozent der Fernstudenten berufsbegleitend studieren und meist schon älter sind, haben sie auch deutlich mehr Geld – allein lebende Fernstudenten 1428 Euro.

Im Fazit der Studie schreibt Piazolo: „Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt lebt es sich in der ländlicheren Westpfalz und im Saarland etwas günstiger – aber vielleicht sind unsere Studierenden auch nur internet-affiner und bessere Schnäppchenjäger.“ Dazu setzt der Professor allerdings eine Fußnote: „Eine alternative, weniger erfreuliche Erklärung könnte in einem regional niedrigeren Haushaltseinkommen liegen.“

Monatsbudget von Studenten
Monatsbudget von Studenten FOTO: SZ / Müller, Astrid