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Hochschule (HS) Kaiserslautern
Studenten erforschen Zweibrücker Wahltrends

 Am 26. Mai findet die Europa- und Kommunalwahl statt.
Am 26. Mai findet die Europa- und Kommunalwahl statt. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Zweibrücken. 300 Zweibrücker Wahlberechtigte wurden von vier Studenten der Hochschule (HS) Kaiserslautern am Standort Zweibrücken zu ihren Wahlpräferenzen bei der bevorstehenden Europa- beziehungsweise Kommunalwahl befragt. Die Ergebnisse sind zum Teil überraschend. Von red

(red) „Junge Forscher werden nicht geboren, sondern an die Wissenschaft herangeführt. Am besten gelingt dies, wenn sie wissenschaftliche Methoden in der Praxis anwenden. In unbeliebten Pflichtfächer – wie Statistik – gilt dies ganz besonders“, so Professor Marc Piazolo. Vier Studierende des Studiengangs Mittelstandsökonomie der Zweibrücker Hochschule führten zwischen dem 15. und 20. April eine (nicht repräsentative) Straßenumfragefrage zur Frage: „Welche Partei würden Sie wählen, wenn jetzt schon die Europa- beziehungsweise Kommunalwahl 2019 wäre?“ unter Bürgern Zweibrückens durch.

In einem ersten Schritt wurden die Ergebnisse der letzten Europawahl sowie die Struktur der Wähler von Zweibrücken analysiert. „Wichtig waren uns vor allem drei Gesichtspunkte: die Alters- und Geschlechtsverteilung der Wähler sowie die Verteilung auf die unterschiedlichen Ortsteile Zweibrückens. Dies sollte sich in der eigenen Umfrage möglichst gut widerspiegeln,“ so Ferat Berisha. In Folge dessen lag der Wähleranteil zum Beispiel der über 65-Jährigen bei rund 17 Prozent – während die Anzahl der Jungwähler unter 30 Jahren etwa 18 Prozent betrug.

Grundlage der Umfrage bildete eine Stichprobe von 300 Zweibrücker Wahlberechtigten – davon knapp die Hälfte Frauen. Die Stichprobe beruhte auf einer Straßenumfrage mit Hilfe von Fragebögen und Interviews, die vor Ostern hauptsächlich im Stadtzentrum von Zweibrücken durchgeführt wurden. Etwas mehr als 40 der Befragten waren sich noch nicht sicher an den Wahlen am 26. Mai 2019 teilzunehmen oder wollten ihre Parteipräferenz nicht offenlegen.



Zeitgleich führte die Forschungsgruppe Wahlen eine Befragung zur Europawahl als sogenannte Sonntagsfrage durch. Zwar ist die bundesweite Stichprobe mit 1282 Befragten deutlich größer als die Zweibrücker Stichprobe, doch die Anzahl der Wahlberechtigten liegt bei zund 45 Millionen gegenüber rund 30 000. „Daher sind unsere Befragungsergebnisse durchaus sinnvoll zu interpretieren,“ davon ist Caner D. überzeugt.

Die Unterschiede in den Wählerpräferenzen zwischen Zweibrücken und der Bundesrepublik insgesamt sind recht erheblich. Wie im Bundestrend liegt die CDU in der Wählergunst vorne – in Zweibrücken jedoch deutlich stärker mit 49 Prozent. SPD und Grüne liefern sich auf niedrigerem Niveau ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den zweiten Platz – mit leichtem Vorteil für die SPD (19 Prozent gegen 17 Prozent). Überraschend schwach schneiden die drei übrigen im Bundestag vertretenen Parteien ab: zwischen 3 Prozent für die FDP, Linke (4 Prozent) und etwas mehr als 5 Prozent für die AfD. „Alle Mitglieder des Interviewteams weisen einen Migrationshintergrund auf. Das könnte durchaus eine Erklärung für das schwächere Abschneiden der AfD bei gleichzeitig hohem Niveau der CDU sein“, so Ferat Berisha.

Ein weiterer Grund könnte im Umfang der Wählerbefragung liegen. „Bei einer Stichprobe von 300 Zweibrückern liegt zum Beispiel für SPD und Grüne eine Prognoseunsicherheit von +/- 4 Prozentpunkten vor. Bei Parteien mit einen Wähleranteil von 5 Prozent liegt die übliche Intervallbreite bei 3 bis 7 Prozent“, erläutert Professor Marc Piazolo.

Zur Europawahl wurde den Teilnehmern noch einige Zusatzfragen gestellt, die zum Teil sehr klar beantwortet wurden. So fordert die AfD langfristig den Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union. Dies wird aber nur von 6 Prozent befürwortet, 85 Prozent wollen in der EU bleiben. Ein klares Bekenntnis der Zweibrücker zur europäischen Einigung, obwohl nur eine knappe Mehrheit ihre Interessen auf europäischer Ebene befriedigend bis sehr gut vertreten sieht.

Vergleichbar hohe Zustimmungswerte findet eine europaweite Reduktion des Plastikmülls (85 Prozent), die Verminderung des CO2-Ausstoßes (71 Prozent) sowie die Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung (66 Prozent). Die Flüchtlingskrise hat die nationale wie internationale Politik seit 2015 stark dominiert. Während 85 Prozent der Zweibrücker eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge innerhalb der EU befürworten, votiert nur eine knappe Mehrheit für die Begrenzung der Zuwanderung – 37 Prozent halten dies nicht für nötig.

Gleichzeitig wurden die Teilnehmer um ihre Partei-Präferenzen bei der anstehenden Kommunalwahl in Zweibrücken gebeten. Während der Anteil der Unentschlossenen leicht sank, haben sich die Anteile für die einzelnen Parteien im Vergleich zur Europawahl nur geringfügig verschoben. Die drei größeren Parteien – CDU, SPD und Grüne – legen jeweils um einen Prozentpunkt zu. Ansonsten kommt es zu keinen Veränderungen.

Die Meinung der Zweibrücker zu kommunalpolitischen Themen ist zum Teil ebenfalls sehr eindeutig: Wie schon in der Vergangenheit wünschen sich über 80 Prozent der Bürger die Reaktivierung der S-Bahnstrecke zwischen Homburg und Zweibrücken. Inzwischen findet dies ja auch die Unterstützung der beiden Landesregierungen. Eine klare Mehrheit (54 Prozent) begrüßt die Errichtung von Windparks auf der Gemarkung Zweibrückens; nur 15 Prozent stemmen sich dagegen. Mit den Integrationsanstrengungen der letzten Jahre auf kommunaler Ebene ist jedoch nur eine knappe Mehrheit wirklich zufrieden. „Aufgrund des Migrationshintergrundes der Interviewer fällt dieser Eindruck vielleicht zu positiv aus“, geben Malaz A. und Gianluca L. zu bedenken.

Fast zwei Drittel der Befragten waren weniger zufrieden mit den Freizeitmöglichkeiten in Zweibrücken. Insbesondere Jüngere klagten häufiger über die etwas verschlafene Stadt.

Gleichzeitig fällt die Bewertung für den erst seit Dezember 2018 amtierenden Oberbürgermeisters Marold Wosnitza (SPD) schwach aus: ein Drittel ist mit seiner Amtsführung (überhaupt) nicht zufrieden, während gerade mal 6 Prozent wirklich von seiner Arbeit überzeugt sind. „Dies liegt natürlich mit an dem fehlenden Bekanntheitsgrad. Will Herr Wosnitza etwas für seine Umfragewerte tun, dann wären neue, interessante Freizeitaktivitäten speziell für jüngere Mitbürger ein lohnendes Betätigungsfeld“, empfiehlt Professor Piazolo.