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Historischer Verein
Auf den Spuren der regionalen Geschichte

Auch mit Mitarbeitern des „Reichsstatthalter der Westmark“, Josef Bürckel, einem Pfälzer aus Lingenfeld, beschäftigen sich die „Geschichtsblätter“.
Auch mit Mitarbeitern des „Reichsstatthalter der Westmark“, Josef Bürckel, einem Pfälzer aus Lingenfeld, beschäftigen sich die „Geschichtsblätter“. FOTO: landesarchivsaarland
Zweibrücken. Die neueste Ausgabe der „Westricher Geschichtsblätter“ des HV Zweibrücken ist erschienen.

(hv) Kaum zu glauben, was da vor fast 500 Jahren in Homburg geschah: Ein Pfarrhaus wurde zum Bordell! Diese Geschichte über skandalöse Verhältnisse im 16. Jahrhundert lässt sich in der neuesten Ausgabe der „Westricher Geschichtsblätter“ entdecken, die dieser Tage erschienen ist. Es ist bereits die Folge 37/38, aktuell die Jahre 2017/2018 umfassend. Herausgegeben vom Historischen Verein (HV) Zweibrücken als Zweijahresgabe für seine Mitglieder, präsentiert diese sich traditionell grüngewandet im Din-A4-Format mit ihren 90 Seiten als ein Kaleidoskop heimatlicher Geschichte – nicht nur wegen des sehr guten Drucks.

Was sich in den vergangenen beiden Jahren an historischen Themen aus unserer engeren und weiteren Heimat in Zeitungsspalten niedergeschlagen hat, liegt hier gesammelt vor und straft das geflügelte Wort Lügen, wonach nichts älter sei als die Zeitung von gestern. Hier wird an geschichtlichem Wissen bewahrt, was im Alltag vielleicht verloren gegangen wäre, und was Bernhard H. Bonkhoff kundig und akribisch zusammengetragen hat.

Vor 35 Jahren von dem emeritierten Großbundenbacher Pfarrer und promovierten Kirchenhistoriker Bonkhoff begründet, legt dieser, der auch dem Vorstand des Historischen Vereins angehört, alle zwei Jahre die „Westricher Geschichtsblätter“ vor. Deren Fülle an Beiträgen – diesmal von mehr als 30 Autoren – ist auch deshalb erfreulich, weil sie belegt, dass die Lokal-Presse der Heimatgeschichte viel Aufmerksamkeit schenkt.



Da wird, um Beispiele zu nennen, nach den beiden wichtigsten Männern geforscht, die hinter dem ehemaligen Gauleiter Josef Bürckel standen. Thematisiert wird auch ein Leiter einer Zweibrücker Bibliothek, der 1933 in Dortmund die „Brandrede“ bei der Bücherverbrennung gehalten hat.

Da finden sich fünf Beiträge über „die Folgen der Reformation“ im Herzogtum Zweibrücken, und in der Reifenberger Kirche wurde nach 70 Jahren wieder ein Gemälde freigelegt – noch vieles andere könnte an dieser Stelle genannt werden.

Natürlich geht es auch um Zweibrücker Porzellan, dann um den jüdischen Friedhof in Homburg, um die bedrohte Friedenskirche in Froeschwiller und um das im vergangenen Jahr herausgekommene „große Künstlerlexikon der Saar-Region“. Von der Alten Schmelz in St. Ingbert ist die Rede, von der Neurenaissance-Villa Hessert in Zweibrücken, von der Bahnlinie Zweibrücken-Homburg und auch von der Pirmasenser Bombenaffäre.

An die Brüder Lapp aus Ixheim wird erinnert, die den Arlbergtunnel gebaut haben, an die Zweibrücker Molitors, an den elsässischen Arzt und Schriftsteller Paul Bertololy, an den Bildhauer Konrad Knoll oder an die vergessene Romanautorin Elisabeth von Lothringen.

Kurzum die neuen „Westricher Geschichtsblätter“ zeichnet eine erstaunliche Themenvielfalt aus, die zu anregender Lektüre einlädt.

„Westricher Geschichtsblätter“, Folge 37/38 aus den Jahren 2017/2018, broschiert, 92 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Für 9 Euro bei Bibliotheca Bipontina, für Mitglieder des Historischen Vereins kostenlos. Für Sammelbände vergangener Jahre Preisnachlass. Anfragen an Vorstandsmitglied Kurt Blug, Tel. (0 63 32) 4 04 62.