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Landsenioren
„Herr Doktor, am Essen kann es nicht liegen“

Dr. Peter Schiedermaiers Vortrag stieß bei den Landsenioren auf großes Interesse.
Dr. Peter Schiedermaiers Vortrag stieß bei den Landsenioren auf großes Interesse. FOTO: Cordula von Waldow
Niederhausen. Dr. Peter Schiedermaier rüttelt Senioren mit erschreckenden Zahlen über Zucker und Diabetes auf. Von Cordula von Waldow

() „Ist Zucker das neue Gift?“ Dieser Frage ging auf Einladung der Landsenioren kürzlich in dem Gasthof „Zum Hannes“ in Niederhausen Privatdozent Peter Schiedermaier, Chefarzt Innere Medizin 2 am Nardini-Klinikum Zweibrücken, nach. In einem interessanten, heiter aufbereiteten und gut verständlichen Vortrag informierte der Internist und Gastroenterologe über die Ursachen für die zunehmende Verfettung der Bevölkerung und räumte mit zahlreichen Mythen rund um Essen und Trinken auf.

„Herr Doktor, am Essen kann es nicht liegen“, sei eine der häufigsten Reaktionen seiner Patienten, wenn Übergewicht oder eine daraus resultierende metabolische Krankheit wie etwa Fettleber oder Diabetes festgestellt würden. „Das liegt daran, dass fast die Hälfte, nämlich rund 40 Prozent der Kalorien, unbewusst außerhalb der Hauptmahlzeiten durch Snacks oder Getränke konsumiert werden“, klärte der Privatdozent auf. Ideal sei ein Zeitraum von sechs Stunden zwischen zwei Mahlzeiten. „Dazu gehören auch Getränke“, erstaunte der Arzt seine Zuörer. „Trinken bedeutet Wasser. Alles andere ist Essen!“, erinnerte er an den Kaloriengehalt von Fruchtsäften, Softdrinks wie Limonaden, Wein, Bier oder Spirituosen.

Eine Gewichtszunahme erfolgt, weil deutlich mehr Kalorien aufgenommen als verbrannt werden. Schiedermaier erklärte: „In der Urzeit liefen die Menschen pro Tag 30 bis 40 Kilometer zu Fuß, um ihr Mammut zu jagen oder Wurzeln zu sammeln.“ Die heutigen Schreibtischmenschen und vor allem die Jugend, sitzen vor dem Computer, im Auto oder vor dem Fernseher. „Fernsehen macht dick. Nehmen Sie diesen Satz mit für Ihre Kinder und Enkel“, machte Peter Schiedermaier seinen fast 100 Zuhörer aus der gesamten Südwestpfalz ihre Vorbildfunktion bewusst. Sich nicht bewegen und dabei „schnääken“ sei eine fatale Kombination.



Viele der Senioren erschraken, als sie sahen, dass die Menschen in Deutschland weltweit zu den dicksten gehören, angeführt von den Menschen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Anhand vor Statistiken verdeutlichte Peter Schiedermaier den offensichtlichen Zusammenhang zwischen Übergewicht mit einem Bodymass-Index über 30, Stoffwechselkrankheiten wie Diabetis sowie der Lebenserwartung eines Menschen. „Fett tötet!“, weckte der Mediziner seine Zuhörer auf.

Das Problem sei, dass heute in fast allen zubereiteten Lebensmitteln hohe Mengen an Zucker enthalten seien. „In Lightprodukten wird das Fett durch Zucker ersetzt“, warnte Schiedermaier vor dem Trugschluss, diese seien gesünder. Er bat: „Verzichten Sie auf Lightprodukte, Produkte mit künstlichen Süßstoffen oder Zeroprodukte. Sie sind alle gesundheitsschädlich.“

Anders als der oft zu Unrecht verschrieene Kaffee, der in Maßen sogar die Gesundheit fördere. Auch über den Zusammenhang zwischen Diabetes und Übergewicht klärte der Diabetologe auf. Übergewicht verhindere, dass das körpereigene Insulin seine Funktion als Schlüssel wahrnehmen könne, um Blutzucker in die Speicher der Fett- und Muskelzellen einzulassen. Daher seien die Zuckerwerte im Blut zu hoch. Stelle man sich Übergewicht wie einen Kaugummi vor, der das Schlüsselloch verschließe, sei verständlich dass dieser die Wirkung des Schlüssels Insulin verhindere.

„Man muss das Schlüsselloch freilegen und das geht nur durch Abnehmen, nicht durch mehr Insulin“, verdeutlichte der Experte. Er ermunterte zum täglichen Kontroll-Gang auf die Waage, um das Gewicht im Blick zu behalten. Erhöhte Leberwerte seien immer ein Warnsignal, auch ohne Alkohlgenuss. „Fragen Sie Ihren Arzt danach“, riet er dazu, die Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen.

„Das war sehr lehrreich!“ lobt Mechtild Burgard aus Bechhofen. Sie hat als Wichtigstes erkannt: „Wir müssen wieder normal leben und frisch gekochte Mahlzeiten essen. In Ruhe und nicht so viel zwischendurch.“ Ihre Nachbarin ergänzte: „Was er gesagt hat, ist die Realität. Da hat jeder etwas für sich mitnehmen können.“