| 23:51 Uhr

Öffentliches Friedensgebet
Heftige Kritik vorm Rathaus an Angriffen der Türkei in Syrien

Zweibrücken. Schon zehn Zweibrücker Familien mit kurdischem Migrationshintergrund trauern um tote Angehörige. Pervin Taze kritisiert Einsatz deutscher Waffen.

Mit scharfen Worten geißelte am Mittwochabend Pervin Taze, Vorsitzende des Zweibrücker Migrations- und Integrationsbeirates, die Angriffe der Türkei auf die Kurden in Syrien. Im Rahmen eines Friedensgebetes vor dem Rathaus, das von einem spontanen Netzwerk organisiert wurde. erinnerte die SPD-Stadträtin an die vielen Flüchtlinge, die vor zwei Jahren aus diesem Gebiet nach Deutschland kamen. Damals sei gefordert worden, deren Fluchtursachen zu bekämpfen. Doch stattdessen habe die Europäische Union mit der Türkei einen Deal geschlossen und lasse nun deren Präsidenten Recip Tayyip Erdogan gewähren. „Und das auch noch mit deutschen Waffen“, kritisierte Taze. Der evangelische Pfarrer Günter Sifft, der gemeinsam mit seinem katholischen Kollegen Wolfgang Emanuel vorbetete, sieht in dem aktuellen Krieg die Absicht, die Kurden völlig aus der Region zu vertreiben. Viele in Zweibrücken lebende Menschen dieser Völkergruppe hätten dort Verwandte und Bekannte und erlebten jetzt eine Zeit der Angst und Trauer. Das Friedensgebet solle zum einen ein Zeichen setzen, dass die Zweibrücker ihnen beistehen. Zum anderen komme es darauf an die Bundesregierung zu bewegen, dort einzuschreiten und ihr Gewicht geltet zu machen.

Pfarrer i. R. Eckart Emrich berichtete, in Zweibrücken hätten schon zehn Familien über Opfer zu klagen. Diese hätten Hemmungen gehabt, dass die Namen ihrer Angehörigen vorgelesen werden. Deshalb wurde durch eine Zeit des Schweigens und Weitergabe der Friedenslichter an die Getöteten gedacht. Für Emrich stelle sich die Frage des „Warum“. Er sehe als Motiv nur Hass: Durch Propaganda werde ein Keil zwischen die Menschen getragen. Die Situation erinnere ihn an die Nazis. Damals seien die Juden an allem Schuld gewesen. „Nach dem Krieg schämten sich die Leute und die meisten nannten sich Christen“, mahnte Emrich.

Während der Veranstaltung vor dem Rathaus wurden Friedenslieder gesungen und kurdische Tänze aufgeführt.