| 20:27 Uhr

Dritte Liga Süd
Erster Punkt ist eine gefühlte Niederlage

Tom Paetow (rechts) wurde zum tragischen Helden für die VTZ gegen den TSV Neuhausen/Filder. Nach seinem Fehlwurf kamen die Gäste noch einmal in Ballbesitz und erzielten mit der Schlusssirene den Ausgleich.
Tom Paetow (rechts) wurde zum tragischen Helden für die VTZ gegen den TSV Neuhausen/Filder. Nach seinem Fehlwurf kamen die Gäste noch einmal in Ballbesitz und erzielten mit der Schlusssirene den Ausgleich. FOTO: Norbert Schwarz
Zweibrücken. Die Handballer der VTZ Saarpfalz haben sich am Samstagabend beim 36:36 (18:20) gegen den TSV Neuhausen/Filder den ersten Punkt in der noch jungen Drittliga-Runde gesichert. So richtig freuen konnte man sich unmittelbar dennoch nicht – denn wenige Sekunden vor Ende der Partie war die VTZ in Führung und hatte Ballbesitz. Von Jadran Pesic

Das Drittliga-Heimspiel der VTZ Saarpfalz am Samstagabend in der Westpfalzhalle wird wohl keiner der Anwesenden so schnell vergessen. Vor und während der Partie überschlugen sich die Ereignisse und rissen die Zuschauer von den Plätzen. Vor dem Spiel sorgte schon das Aufwärmen der VTZ für ungläubige Blicke. Kapitän Philip Wiese machte sich mit seiner Mannschaft warm, obwohl er sich vor nur zwei Wochen am Handgelenk verletzt hatte. So stellte sich Wiese dick bandagiert in den Dienst der Mannschaft.

Nicht wenige hatten im Vorfeld der Partie viel Kampf und Krampf erwartet, da es in der noch jungen Saison bereits früh für beide Mannschaften um viel ging. Hinterher war man sich von allen Seiten einig, dass es eine hochklassige Partie zweier guter Mannschaften gewesen war. „Am Ende ist es so, wie es auch sein sollte“, sagte VTZ-Coach Danijel Grgic.

Das Tempo der Partie war von der ersten Sekunde an sehr hoch. Nach sechs gespielten Minuten ging die VTZ nach einem Treffer vom wiedergenesenen Tom Paetow mit 4:3 in Führung. Anders als zuletzt, versuchten es die Gäste mit einer defensiveren Einstellung. Die VTZ hielt zunächst an ihrer 3:2:1-Abwehr fest, die aber einige Probleme mit dem variablen und schnellen Spiel der Gäste des TSV Neuhausen/Filder hatte. Immer wieder löste die Mannschaft von TSV-Trainer Eckard Nothdurft auf zwei Kreisläufer auf und brachte die Gastgeber so ordentlich ins Schwimmen.



Grgic versuchte in der ersten Halbzeit alles, um mehr Struktur in die Abwehr zu kriegen. Aber auch die Einwechslung von Wiese, kurzzeitige Manndeckungen oder der Wechsel zur 6:0-Abwehrformation waren nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Im Angriff versuchten sich die Saarpfälzer ab Mitte der ersten Halbzeit mit dem siebten Feldspieler, was zunächst auch ganz gut funktionierte. Bis zum 15:15 (26.) konnte sich keine der beiden Mannschaften absetzen. Dann aber erspielten sich die Gäste einen ersten Vorsprung und nutzten einfache Fehler der Rosenstädter aus. Der eingewechselte Rückraumspieler Patrik Letzgus nutzte die Zweibrücker Passivität in der Abwehr aus und brachte mit einem Doppelschlag seine Mannschaft mit 19:16 in Führung. Zur Halbzeit führten die Gäste mit 20:18.

Die zweite Hälfte begann aus Zweibrücker Sicht katastrophal. Rückraumspieler Tom Paetow, der an diesem Tag zwischen Genie und Wahnsinn auf einem schmalen Grat wandelte, erlaubte sich innerhalb kürzester Zeit gleich drei einfache Abspielfehler. Diese Einladungen ließen sich die Gäste nicht nehmen und bauten innerhalb von knapp zweieinhalb Minuten den Vorsprung auf 24:18 (33.) aus. Ein Debakel schien sich für den Aufsteiger anzubahnen. „Das ist vollkommen klar, dass in dieser Phase bei meiner Mannschaft erstmal der Kopf runter geht“, sagte Grgic. Bis zum 28:23 (41.) machte der Spielverlauf der VTZ wenig Hoffnung, noch Zählbares mitnehmen zu können. Dann aber steigerte sich VTZ-Torhüter Yannic Klöckner, der in der Mitte der ersten Halbzeit für den glücklosen Sven Mevissen eingewechselt wurde, von Minute zu Minute und brachte mit seinen Paraden seine Mannschaft zurück in die Partie. Nach einem Doppelschlag von Kapitän Philip Wiese schmolz der Rückstand auf 26:28 (45.). Nothdurft versuchte mit einer Auszeit den Lauf der Zweibrücker früh zu unterbrechen – ohne Erfolg. Nach Treffern von Kraucevicius und Paetow glich die VTZ in der 47. Spielminute aus (28:28).

 Auch wenn die Gäste noch drei Mal vorlegen konnten, hatte man jetzt dennoch das Gefühl, dass die Partie langsam aber sicher in Richtung der Zweibrücker kippen würde. Und so war es dann auch. Der in der zweiten Halbzeit eingewechselte Alexey Wetz brachte seiner Mannschaft mit seinem ersten und einzigen Treffer die Drei-Tore-Führung (34:31, 54.). „Wir waren auf einmal in Panik und hatten am Ende noch Glück, den einen Punkt ergattert zu haben“, erklärte Nothdurft. Nach einem sehenswerten Dreher von VTZ-Rechtsaußen Dusan Maric (35:33), brachte TSV-Rechtsaußen Philipp Keppeler mit seinem Treffer zum 35:34 (57.) die Gäste wieder auf ein Tor heran.

Wenig später bekamen sie per Siebenmeter die Chance zum Ausgleich. Grgic brachte Mevissen zurück ins Tor, der den Siebenmeter direkt entschärfen konnte. Nur eine Minute später war es dann aber doch geschehen und Philipp Keppeler erzielte den Ausgleich zum 35:35 (59.). Der überragende Tomas Kraucevicius brachte seine Mannschaft erneut in Front. Da war noch etwas mehr als eine Minute auf der Uhr. Die Gäste spielten einen langen Angriff und suchten geduldig ihre Chance. 30 Sekunden vor dem Ende bekamen sie einen Siebenmeter zugesprochen. Und wieder blieb der 2,17 Meter große Hüne Mevissen im Zweibrücker Tor Sieger. 17 Sekunden vor dem Ende nahm Grgic seine letzte verbliebene Auszeit um seine Mannschaft einzustellen.

Dann überschlugen sich die Ereignisse. Paetow zog Richtung Tor. Ein TSV-Spieler entschied sich gegen ein Foul, verkürzte nur den Winkel. Doch Paetows Wurf wurde durch eine fantastische Parade von TSV-Torwart Sebastian Arnold entschärft. Ein Pass über das ganze Feld fand Lucca Holder, der drei Sekunden vor Schluss den umjubelten Ausgleich zum 36:36 für die Gäste erzielte. „Tom hat heute Lehrgeld gezahlt. Insgesamt ist das Unentschieden nach dem Spielverlauf okay, auch wenn das letzte Gefühl so ein Negatives ist“, sagte Grgic.