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Streit um Märkte auf Grüner Wiese
Händler warnen Stadt vor Globus-Plänen

Der Globus-Baumarkt soll erweitert werden. Dabei sind auch neue Verkaufsflächen für innenstadtrelevante Randsortimente geplant.
Der Globus-Baumarkt soll erweitert werden. Dabei sind auch neue Verkaufsflächen für innenstadtrelevante Randsortimente geplant. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Erlaubnis für Randsortiment-Erweiterung im Baumarkt gefährde Innenstadt und Edeka-Markt im Hilgardcenter. Von Fritz Schäfer

Die Sorge um die Innenstadt treibt die Händlervereinigung „Gemeinsamhandel Zweibrücken“ um: Über 20 Leerstände zählte der Vorsitzende Andreas Michel dieser Tage bei einem Treffen der Händler mit der städtischen Wirtschaftsförderung auf. „Dabei haben wir eine schöne Innenstadt mit vielen Plätzen, wie uns die Besucher bei den Veranstaltungen auch sagen“, berichtete Michel am Samstag in einem Merkur-Gespräch von vielen positiven Rückmeldungen.

Mit der Empfehlung von Stadtverwaltung und Bauausschuss an den Stadtrat, dass sich der Globus-Baumarkt vergrößern darf (wir berichteten), werde sich die Situation noch verschlimmern, befürchten Michel und der Gemeinsamhandel-Beisitzer Dieter Ernst. „Es ist erschreckend, wie locker der Bauausschuss das Vorhaben durch gewunken hat“, meint Ernst. Am Mittwoch berät der Stadtrat über die Fortführung des Bebauungsplanverfahrens. Er wolle als selbstständige Mittelständler keinen „Wettbewerberschutz“, betont Ernst. Allerdings sollten die Stadträte wissen, welche Folgen ihre Entscheidung hat.

Mit Blick auf die auch in einem Gutachten erwarteten Umsatzverlagerungen sagt Ernst: „Da mache ich mir schon Gedanken, ob ich mein Edeka-Geschäft im Hilgardcenter über 2022 hinaus betreiben möchte.“ Dazu denke er über Einsparungen nach. „Aber nicht bei meinen Mitarbeitern.“



Bei dem Vorhaben bei Globus-Baumarkt ist es nicht die Vergrößerung um über 2000 Quadratmeter auf fast 20 000 Quadratmeter. Es geht den beiden Vertretern der Vereinigung, um die Vergrößerung des sogenannten Randsortiments. „Wenn die auf der größeren Fläche mehr Baubedarf verkaufen wollen, geht das in Ordnung. Doch wenn zum Beispiel der Lebensmittel oder Getränkebereich erweitert wird, hat die Innenstadt ein weiteres Problem“, warnt Ernst.

Dabei erwähnt Michel, dass nach den Vorgaben des Landesentwicklungsplans nur zehn Prozent innenstadtrelevantes Sortiment verkauft werden dürfen. Und nur 300 Quadratmeter für eine Produktgruppe. „Der Globus-Getränkemarkt ist mit über 800 Quadratmetern jetzt schon größer. Und der soll auch noch wachsen!“

Wobei Michel bei den Größenangaben skeptisch ist. „Wer kontrolliert das?“ Dieses Problem bestehe auch bei den anderen „auf der Grünen Wiese“ angebotenen Randsortimenten, sagt Ernst. „Wenn das nicht kontrolliert wird, dann brauchen wir kein Einzelhandelskonzept mit einer Zweibrücker Liste“, sagt Ernst empört. Schon bei der jüngsten Gemeinsamhandel-Mitgliederversammlung hat Michel betont, dass die Vereinigung nichts gegen eine Änderung des Konzepts habe. „Aber dabei sollten die Betroffenen auch mitwirken!“ Das fordert Ernst auch bei Beratungen wie bei der Erweiterung von Großmärkten auf der Grünen Wiese.

Auch Möbel Martin beabsichtigt im Zuge einer geplanten Erweiterung, die Verkaufsfläche für Randsortimente auszudehnen, der Stadtrat hat diese Pläne bereits grundsätzlich begrüßt (wir berichteten).

Obwohl das für den Globus-Baumarkt gestartete Bebauungsplanverfahren neben der Beteiligung von Fachbehörden eine der Bürger vorsieht, rechnet Ernst nicht mit einer Änderung. „Im Bauausschuss waren die Stadträte zu euphorisch.“ Dazu ist Ernst skeptisch, ob mögliche Einwände von Bürgern etwas ändern. Michel kann sich vorstellen, Anregungen einzubringen.

Das bereits erwähnte Treffen mit der Wirtschaftsförderung und der Bauverwaltung sieht der Gemeinsamhandel-Vorsitzende als einen ersten Ansatz. „Da müssen wir weiterarbeiten.“ In einem nächsten Schritt sollen die Zweibrücker Immobilienhändler mit ins Boot, um zu erfahren, warum eine Immobilie in der Innenstadt leer steht. „Ist es der Zustand? Ist es die Miete? Oder ist es günstiger für die Hausbesitzer, Läden leer stehen zu lassen?“