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Kirchbergstraße
Gutachten klärt Luftzufuhr-Risiko für Ixheim

 Der Blick von der Kirchbergstraße Richtung Rote Klamm und Ixheim, die eine wichtige Kaltluftschneise zur Versorgung des Stadtteils ist.
Der Blick von der Kirchbergstraße Richtung Rote Klamm und Ixheim, die eine wichtige Kaltluftschneise zur Versorgung des Stadtteils ist. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Oberbürgermeister Wosnitza reagiert damit auf Bedenken des Naturschutzbeirats hinsichtlich des Baugebiets oben an der Kirchbergstraße- und deutet einen möglichen Kompromiss an. Von Lutz Fröhlich
Lutz Fröhlich

Redakteur und Lokalreporter Zweibrücken

Gefährdet das geplante Neubaugebiet „Wohnen am Kirchberg“ die wichtigste Kaltluft-Zufuhrschneise Ixheims? Davor hatte kurz vor Weihnachten der offizielle Zweibrücker Naturschutzbeirat gewarnt. Anhand von vorgelegten Karten des Deutschen Wetterdienstes ist zu erkennen, dass man das Baugebiet wohl um mindestens die Hälfte verkleinern müsste, wenn die Kaltluft-Zufuhr von der Höhe an der oberen Kirchbergstraße hinunter in die Rote Klamm komplett frei bleiben soll. Schon 1996 habe ein Fachbüro auf die große Bedeutung dieser Kaltluftschneise hingewiesen, daraufhin habe die Stadt ein schon damals an der oberen Kirchbergstraße geplantes Baugebiet ad acta gelegt, erinnerte der Naturschutzbeirats-Vorsitzende Gerhard Herz. Und mahnte, gerade in Zeiten des Klimawandels werde die Kaltluft-Zufuhr für die Bewohner unten in Ixheim wichtiger denn je (wir berichteten).

Auf eine Merkur-Anfrage hierzu hat jetzt (verzögert wegen der Ferien) der Oberbürgermeister geantwortet. Marold Wosnitza (SPD), der seit 1. Januar auch Baudezernent ist, bestätigt: „Die 1996er-Einschätzung liegt uns vor.“ Allerdings gebe es hinsichtlich der Luftzufuhr auch unterschiedliche Einschätzungen unterschiedlicher Stellen. Wosnitza folgert daraus: „Wir brauchen belastbare Daten.“ Deshalb werde ein Umweltgutachten in Auftrag gegeben – ausdrücklich auch wegen der Kaltluftzufuhr, erläutert Wosnitza auf Nachfrage. Wenn belastbare Daten vorliegen, „ist die Frage, wie geht man damit um“. Der OB erinnert in diesem Zusammenhang an seine Rede vom Neujahrsempfang, indem er einerseits eindringlich auf die Notwendigkeit hingewiesen hatte, auf den Klimawandel zu reagieren – andererseits aber auch betont hatte, die Stadt müsse sich auch mit Neubaugebieten weiter entwickeln können, dabei sei aber auf die Ökologie zu achten. Als eine denkbare Möglichkeit, wie ein solcher Kompromiss beim Bebauungsplan „Wohnen am Kirchberg“ aussehen könnte, nennt Wosnitza: „Man könnte zum Beispiel die Baustruktur so aufstellen, dass die Kaltluft zwischendurch kommt.“ Das hänge aber alles von den Ergebnissen des Umweltgutachtens ab. Bislang plant die Stadt an der oberen Kirchbergstraße auf insgesamt 52 000 Quadratmetern etwa 50 Bauplätze für Ein- und Zweifamilienhäuser, viele dürften aufgrund der hohen Lage einen der schönsten Panoramablicke Zweibrückens genießen.

Durch das Gutachten werde sich das Bebauungsplanverfahren „sicher ein bisschen verzögern“, sagte Wosnitza. Der OB schloss aber nicht aus, dass das zuletzt angestrebte Ziel – die Bebauungsplan-Satzung noch dieses Jahr zu beschließen – dennoch erreicht werden könnte.



Der Stadtrat hatte den Bebauungsplan Ende November einstimmig (bei drei Enthaltungen) aufgestellt, das heißt das Verfahren eröffnet. Über das kritische Gutachten von 1996 hatte die Stadtverwaltung weder den Rat noch zuvor den Bauausschuss informiert, obwohl dort der Ixheimer Rolf Franzen (CDU) diesbezüglich sogar Bedenken geäußert hatte.

Hat die Stadt ein Baugebiet an der oberen Kirchbergstraße nicht nur 1996/97 abgelehnt, sondern auch unter Wosnitzas (als OB amtierend 2018 verstorbenen) Vorgängers Kurt Pirmann? Angesprochen auf diese Merkur-Information antwortet Wosnitza: „Ich weiß nicht, ob und was dazu besprochen wurde.“