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After-Work-Party
Groundtown 99 lässt das Outlet tanzen

Zweibrücken. 1800 Menschen feierten gestern Abend lässige Funk- und Soulnummern auf hohem Niveau.

Die Rosenstädter haben offensichtlich auch nach drei Tagen Stadtfest noch lange nicht genug von Feiern. Gestern Abend versammelten sich schon wieder 1800 Feierwütige im Outlet zur After-Work-Party mit der jungen Funk- und Soul-Band Groundtown 99. Was die Feierfreudigen zu sehen und zu hören bekamen, war bemerkenswert.

Es gibt Bands, die hört man, und weiß: Die spielen schon seit 20 oder mehr Jahren zusammen. Und es gibt Bands, die klingen, als würden sie seit 20 oder mehr Jahren zusammen spielen, aber wenn man sie sieht, ist man erstaunt, wie jung sie eigentlich sind. Zu Kategorie zwei gehört Groundtown 99. Die jungen Musiker, Sängerin Julie Townsend ist gerade mal 19 Jahre alt, klingen so abgebrüht und erfahren, dass man fast neidisch werden könnte. Sie verbinden auf herausragende Weise tolles Gespür für Musik und jugendliche Energie. Auch deshalb war der Bereich vor der Bühne gestern eine gut gefüllte Tanzfläche. Drumherum drängten sich die Massen, die einfach nur zuhören wollten.

Dargeboten wurde eine Mischung kreuz und quer durch den Funk- und Soul-Kosmos. Klassiker kamen dabei ebenso zu Gehör aktuellere Nummern, etwa „Happy“ von Pharrell Williams, das sich anschickt, die Funkhymne des Jahrzehnts zu werden. Der Sound war dabei klar und präzise justiert. Das Schlagzeug exakt und staubtrocken, der Bass groovy – wie sich‘s gehört – und Gitarre und Keyboard woben einen ganz feinen Soundteppich. Dazu die tollen Stimmen von Townsend und ihrem Kollegen Telly Siebert, die beide auch optisch ordentlich was hermachten.



Nun ist es bei Funk nun mal so, dass zwei Dinge unmöglich sind: stillstehen und schlecht gelaunt sein. So dauerte es auch keine drei Songs, ehe die 1800 Zuhörer mit wippten, tänzelten und allesamt mindestens ein Lächeln im Gesicht trugen. Das lag einerseits an der Song­auswahl, andererseits auch an der großartigen Musikalität jedes einzelnen da oben auf der Bühne. Würde man das Haar in der Suppe suchen wollen, dann könnte man anmerken, das Soul und Funk ein bisschen mehr Schweiß und Dreck vertragen. Man darf aber auch feststellen, dass Groundtown 99 durch seinen sauberen Klang deutlich moderner daher kommt, als viele andere Coverbands des Genres, die durch zu viel Pressen im Gesang und zu viel zur Schau gestellter Arbeit auf der Bühne oft auch einfach wie Karikaturen der Helden aus den 70er- und 60er-Jahren daherkommen. Nein, das passt schon, was diese blutjunge Truppe da abliefert.­

Natürlich durften auch die Evergreens im Programm nicht fehlen. Etwa „Kiss“ vom viel zu früh verstorbenen Prince ist immer noch ein Song, der direkt in die Lenden geht, bei dem die sexuelle Spannung heraus getanzt werden will, ja muss. Das alles und noch viel mehr hat Groundtown 99 rüber gebracht.

 Einmal mehr zeigt sich, dass die After-Work-Partys im Outlet zu einer guten Adresse für Musikliebhaber geworden sind. Das Programm, das hier – bei freiem Eintritt wohlgemerkt – geboten wird, ist vom allerfeinsten. Vor allem sieht und hört das Publikum hier Bands, die sich in der Region noch nicht tot gespielt haben, eine wohltuende Abwechslung in der manchmal Konzertlandschaft Zweibrückens, wo man gefühlt seit 15 Jahren die sieben immer gleichen Bands hört. Schade, dass mit diesem vierten Konzert die After-Work-Reihe für dieses Jahr schon wieder vorbei ist. Man darf sich schon auf den kommenden Sommer freuen.

 Die Formation Groundtown 99 heizte im Fashion Outlet ordentlich ein.
Die Formation Groundtown 99 heizte im Fashion Outlet ordentlich ein. FOTO: David Oliver Betz