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Zweibrücker Oberbürgermeister ist tot
Große Trauer um Kurt Pirmann

Kurt Pirmann in seinem Element – beim „schaffen“. Sein Markenzeichen war es, die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken.
Kurt Pirmann in seinem Element – beim „schaffen“. Sein Markenzeichen war es, die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken. FOTO: pm
Zweibrücken. Zweibrückens Oberbürgermeister ist gestern mit 63 Jahren seiner schweren Krankheit erlegen. Die Stadtpolitik zeigt sich tief getroffen. Von Mathias Schneck

Kurt Pirmann ist tot. Der Zweibrücker Oberbürgermeister verlor gestern Nachmittag den Kampf gegen den Krebs. Mit 63 Jahren verstarb er im Nardini-Klinikum in Zweibrücken. Das teilte Pirmanns Pressesprecher Heinz Braun mit.

Die Stadtpolitik reagierte bestürzt. Christian Gauf (CDU), Bürgermeister der Rosenstadt und damit rechte Hand Pirmanns, sagte: „Ich bin tief traurig. Im Rathaus herrscht große Bestürzung.“ Gauf sagte, er habe Pirmann noch am vergangenen Samstag besucht. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass dies die letzte Begegnung sein würde. „Trotz allem, trotz der schweren Krankheit, kam diese Nachricht doch sehr plötzlich“, sagte Gauf.

Stéphane Moulin, Vorsitzender der SPD im Stadtrat, sagte: „Ich bin persönlich total betroffen.“ Er sei 1996 in die SPD eingetreten, da sei Pirmann bereits „eine allgegenwärtige politische Gestalt“ gewesen. Er bedauerte, dass er Pirmann „als wichtigen Ratgeber“ verliert.



Christoph Gensch, CDU-Ratsfraktionsvorsitzender, erklärte: „Ich bin schwer erschüttert, das ist ein großer Verlust für die Stadt. Kurt Pirmann hat wichtige Akzente in der Stadtpolitik gesetzt, etwa mit der Sanierung der Fußgängerzone, der Stadt am Wasser und dem Projekt Soziale Stadt.“

Auch Norbert Pohlmann, Ratsfraktionsvorsitzender der Grünen, würdigte die Verdienste des Verstorbenen: „Kurt Pirmann war ein großer Kämpfer für Zweibrücken. Er war sehr herzlich, ein Mensch, der sich nicht verschließt, sondern sich stets bemüht, alle einzubeziehen. Auf diesem Weg ist es ihm immer wieder gelungen, andere für sich einzunehmen.“

Ingrid Kaiser, Fraktionschefin der FDP im Rat, sagte: „Vor vier Wochen habe ich Herrn Pirmann besucht, da ging es ihm schon sehr schlecht. Er war da schon mutlos. Es war schlimm, mit ansehen müssen, dass ein solch kräftiger, anpackender Mensch in einem solchen Zustand ist.“ Pirmann habe „mit dem ganzen Einsatz seiner Persönlichkeit“ für die Stadt gearbeitet.

Matthias Nunold, Vorsitzender der Linken im Stadtrat, lobt die Persönlichkeit des Verstorbenen: „Er war ein Mensch!“ Pirmann sei „ein guter Oberbürgermeister“ gewesen, für die Stadt sei das ein Verlust.

Manfred Weber (PBZ), betont, „die bodenständige Art“ Pirmanns habe der Stadt gut getan. „Er war ein erfahrener Politiker, Zweibrücken verliert einen wichtigen Fürsprecher.“

Der langjährige SPD-Landtagsabgeordnete Fritz Presl, viele Jahre ein enger Wegbegleiter Pirmanns, hob gleichfalls das Menschliche hervor. „Kurt Pirmann war ein Vollblutpolitiker durch und durch. Er war unheimlich fleißig, hat sich nie geschont.“ Nach dem Wechsel Pirmanns von der Verbandsgemeinde zur Stadt Zweibrücken „haben sich viele gefragt: Bekommt er das hin?“ Presls Antwort: „Er hat es hinbekommen! Er ist unheimlich schnell alles angegangen und war sehr erfolgreich. Traurig, dass er vieles von dem, was er begonnen hat, nicht vollenden konnte.“

Auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und die rheinland-pfälzische SPD bekundeten ihre Trauer. Dreyer teilte mit: „Ich bin tief erschüttert und sehr traurig. Kurt Pirmann war ein Macher. Er hat in Zweibrücken in schwierigen Zeiten viel bewegt. Gleichzeitig war er immer nah bei den Menschen.“

Kurt Pirmann, geboren am 16. Juni 1955, trat bereits als Schüler in die SPD ein. Der Dellfelder lernte das Handwerk des Maschinenschlossers bei John Deere und trat in die IG Metall ein. 1980 – im Alter von 25 Jahren – wurde er Unterbezirksgeschäftsführer der SPD, er war damals jüngster Geschäftsführer bei den Genossen. 1984 wurde er in den Rat der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land gewählt, 1992 wurde er deren Bürgermeister. 2012 wechselte er auf den Chefsessel im Rathaus der Rosenstadt.

Kurt Pirmann hinterlässt seine Frau Beate, seine beiden Kinder und drei Enkel.

Die Lücke, die er politisch hinterlässt, muss laut Gemeindeordnung rasch gefüllt werden. Das Gesetz räumt nur drei Monate Zeit für Neuwahlen ein, wobei hier auch Ausnahmen möglich sind.

Trauerflor für Kurt Pirmann gestern am Rathaus.
Trauerflor für Kurt Pirmann gestern am Rathaus. FOTO: maw / Martin Wittenmeier