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Mozartgesellschaft
Gitarre trifft Streichquartett

Gitarrist Friedemann Wuttke trat zusammen mit dem Amalienquartett im Wintergarten auf.
Gitarrist Friedemann Wuttke trat zusammen mit dem Amalienquartett im Wintergarten auf. FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. Friedemann Wuttke und das Amalienquartett überzeugten im Wintergarten. Von Sebastian Dingler

Wie hieß es nur gleich, dieses Stück, das als Zugabe gespielt wurde beim Konzert von Friedemann Wuttke und dem Amalienquartett? Es kam einem doch so bekannt vor, und dennoch wollte es einem nicht einfallen.

Wie gut, dass Gitarrist Wuttke, der seinem Publikum gegenüber vollkommen wortlos blieb, sich hinterher als durchaus gesprächiger Zeitgenosse erwies: „Das war der langsame Satz aus dem Gitarrenkonzert D-Dur von Vivaldi“, klärte er auf, was auch den Organisator des Konzerts, Walther Theisohn, von der „Es liegt mir auf der Zunge“-Qual erlöste.

Zunächst hatten die etwa 90 Besucher im Wintergarten der Festhalle den ersten Teil ganz ohne den Gitarristen erlebt – da führte das Amalienquartett Maurice Ravels Streichquartett F-Dur auf. „Wir hatten hin und her überlegt, wie wir es machen“, meinte Wuttke dazu. „Aber wenn ich mit einem Streichquartett spiele, ist es so, dass die meistens etwas alleine spielen wollen. Und der Ravel, das ist ein so großes und umfangreiches Werk, da macht es keinen Sinn, etwas dazu zu machen.“ Bratschistin Charlotte Kirst freute sich in ihrer Begrüßung darüber, dass doch so viele Leute gekommen waren, statt bei dem schönen Wetter am Grill zu stehen. Die Sonneneinstrahlung war allerdings für die hinteren Reihen im lichtdurchfluteten Raum fast schon zu viel des Guten.



Wie Kirst erklärte, war Ravel neben impressionistischen Malern auch von Picasso beeinflusst worden. Somit weiche seine Komposition immer wieder von der Struktur ab und biete ungewohnte Klänge. Das klang nach schwerer Kost, bestätigte sich jedoch nicht ganz. So war beim ersten Satz Allegro moderato die von Ravel hinzugefügte Beschreibung „très doux“ („sehr süß“) gut nachvollziehbar; im zweiten Satz „Assez vif. Très rythmé“ („Ziemlich lebhaft. Sehr rhythmisch“) gab es viel akzentuiertes Pizzicato, während der dritte Satz „Très lent“ („sehr langsam“) mehr wie ein Schlaflied daherkam. Von Picasso allerdings keine Spur – zum Zeitpunkt der Entstehung des Stücks, 1903, war der Spanier auch noch unbekannt. Der vierte Satz „Vif et agité“ („lebhaft und bewegt“) forderte mit seinen virtuos-schnellen Passagen Kirsts Mitstreiterinnen Kira Kohlmann (erste Geige), Eva-Maria Vischi (zweite Geige) und Hanna Gieron (Cello) heraus. Die Streicherinnen bewältigten den Sturm an Noten aber tadellos.

Zum zweiten und weitaus längeren Teil gesellte sich dann Friedemann Wuttke mit auf die Bühne; seine Gitarre hatte es trotz Mikrofonverstärkung bisweilen schwer, gegen die Streichinstrumente anzukommen. Trotzdem gestaltete sich die Interpretation von Enrique Granados’ spanischen Tänzen als wahrer Ohrenschmaus. Neben den obligatorischen Flamenco-Einflüssen gab es dabei bisweilen auch orientalische Klänge zu hören. Mit dem Gitarrenquintett D-Dur von Luigi Boccherini endete das Konzert offiziell; Boccherini war Italiener und Wahlspanier, der in der Zeit der Wiener Klassik lebte. Dementsprechend ist seine Komposition vom Gegen- und Miteinander des klassischen Streichquartetts und des Flamenco-Instruments Gitarre geprägt. Zwischenzeitlich kamen Kastagnetten zum Einsatz, und nach dem Ende hörte man sogar ein „Olé“ aus dem Publikum. „Es war fantastisch! Es war so gefühlvoll, da ist so viel rübergekommen, das war ganz, ganz große Klasse“, schwärmte hinterher Michaela Rayer aus Zweibrücken. Auch Fritz und Annelore Werner aus Knopp-Labach fanden das Konzert „sehr gut, vor allem den zweiten Teil mit der Gitarre. Da war mehr Leben drin, mit dem Flamenco. Der erste Teil war schon ungewohnt.“ „Vollauf zufrieden“ war hinterher auch Rainer Schanne: „Das war sehr schön, vom Anfang bis zum Ende. Okay, beim Ravel musste man sich erst eingewöhnen, aber der war sehr gut gespielt. Und der Boccherini ist ja hinreißend!“.