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Kritik an Studie der IHK Pfalz
Unverständnis über kritische Studie

Ist das Glas halbvoll oder halbleer? Veranstalten die Händler in Zweibrücken die „Saarländertage“ (Foto links, hier hebt Gemeinsamhandels-Chef Andreas Michel zur Eröffnung symbolisch den Schlagbaum) oder verkaufsoffene Sonntage, findet das Straßentheater-Spektakel oder das Stadtfest statt, dann herrscht Hochbetrieb in der Innenstadt. An ganz gewöhnlichen Werktagen hingegen ist oft schon am frühen Abend nur noch wenig los (Foto rechts).
Ist das Glas halbvoll oder halbleer? Veranstalten die Händler in Zweibrücken die „Saarländertage“ (Foto links, hier hebt Gemeinsamhandels-Chef Andreas Michel zur Eröffnung symbolisch den Schlagbaum) oder verkaufsoffene Sonntage, findet das Straßentheater-Spektakel oder das Stadtfest statt, dann herrscht Hochbetrieb in der Innenstadt. An ganz gewöhnlichen Werktagen hingegen ist oft schon am frühen Abend nur noch wenig los (Foto rechts). FOTO: Stadtmarketing Zweibrücken
Zweibrücken. Andreas Michel, Chef der Händlervereinigung Gemeinsamhandel, hält wenig von der Studie der IHK Pfalz. In der geben hiesige Unternehmer der Stadt schlechte Noten. Die Studie habe kaum Aussagekraft, so Michel. Von Mathias Schneck

Die Zweibrücker Händlervereinigung Gemeinsamhandel kritisiert eine Studie der IHK Pfalz, in der die Rosenstadt vorwiegend schlechte Noten ausgestellt bekommt. Andreas Michel, Vorsitzender von Gemeinsamhandel, sagte dem Pfälzischen Merkur am Freitag auf Anfrage, er sehe die IHK-Studie, die mit dem Titel „Wirtschaftsstandort Pfalz 2018“ überschrieben ist, sehr skeptisch. Vor allem die schlechte Benotung der Attraktivität der Zweibrücker Innenstadt verwundert Michel erheblich.

„Ich sehe das ganz anders. Wir von Gemeinsamhandel sehen das ganz anders. Wir haben eine schöne Innenstadt, wir haben schöne Plätze, bei uns gibt es Lebensqualität – so schlecht, wie uns diese Studie sieht, sind wir wahrlich nicht“, sagte Michel.

In der Untersuchung bat die IHK Pfalz Unternehmer aus insgesamt zwölf Städten beziehungsweise Verbandsgemeinden, eine Einschätzung von Verhältnissen vor Ort abzugeben (wir berichteten).



„Die Studie ist alleine schon wegen der geringen Zahl der Rückläufer überhaupt nicht aussagekräftig“, moniert Michel. Er bezieht sich damit auch auf eine Kritik von Oberbürgermeister Christian Gauf (CDU). Der hatte in einer ersten Reaktion erklärt, es seien 1037 Unternehmen in Zweibrücken von der IHK um eine Einschätzung gebeten worden – und gerade einmal 87 Personen hätten geantwortet, also 8,4 Prozent.

„Viel zu wenig, um daraus etwas seriös ableiten zu können“, ärgert sich Michel und fügt hinzu: „Ich wurde übrigens nicht von der IHK Pfalz angeschrieben. Ich habe selbst ein Unternehmen in der Stadt, aber angesprochen wurde ich nicht. Ich habe auch keinen Anruf von der IHK erhalten.“ Er genieße das alles also mit Vorsicht.

Dass die Unternehmer die Attraktivität der Innenstadt mit einer für die Studie stark unterdurchschnittlichen Note von 3,8 bewerteten, kann er nicht nachvollziehen.

„Wir von Gemeinsamhandel machen in Zweibrücken unsere Hausaufgaben. Gemeinsam mit Frau Stricker vom City-Management stellen wir Aktionen ohne Ende auf die Beine. Man muss sich mal in anderen Städten umschauen, wie dort die Verhältnisse sind. Natürlich haben wir nicht das Angebot wie in Frankfurt oder Berlin – aber dafür können unsere Kinder auf der Straße spielen, ohne dass man sich Sorgen machen muss“, gibt er zu bedenken.

Michel preist die Vorzüge der Rosenstadt: „Wir haben in der Stadt alles, die schöne Fußgängerzone, ein Hallenbad, einen Rosengarten, den Wasserspielplatz, wir haben eine Bibliothek, Sportplätze noch und nöcher. Was sollen wir denn noch alles bieten?“

Tatsächlich war die Frage nach der Lebensqualität besser benotet worden. Hier vergaben die Unternehmer für Zweibrücken immerhin noch eine gute 2,6 – wenn dies auch kein Vergleich ist mit der Nummer eins in der Studie, der Stadt Speyer, die in Sachen Lebensqualität (sowie bezüglich der Attraktivität der Innenstadt) eine hervorragende 1,8 erhielt.

„Man kann immer etwas aussetzen“, findet Michel. „Klar, der eine findet keine Socken bei uns in der Innenstadt, der andere keine Tasche, der dritte keinen Herrenanzug.“ Aber Zweibrücken biete in der Gesamtbetrachtung genug, um lebens- und liebenswert zu sein.

Die Fußgängerzone in Zweibrücken.
Die Fußgängerzone in Zweibrücken. FOTO: Lutz Fröhlich