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Senecio jacobaea
Gelbes Giftkraut verbreitet sich

Die kräftig gelben Blüten des giftigen Jakobskreuzkrautes haben unterschiedlich viele Blätter. In der Regel sind es mehr als fünf.
Die kräftig gelben Blüten des giftigen Jakobskreuzkrautes haben unterschiedlich viele Blätter. In der Regel sind es mehr als fünf. FOTO: Walter Rimbrecht
Zweibrücken. Das giftige Jakobskreuzkraut ist auch rund um Zweibrücken auf dem Vormarsch. SPD-Stadtrat Walter Rimbrecht findet, der Umwelt- und Servicebetrieb muss die Pflanze bekämpfen, bevor sie Samen ausbildet. Von Mirko Reuther

Vorsicht, Naturfreunde! Die harmlos erscheinende gelbe Pflanze, die man in Zweibrücken und Umgebung immer häufiger auf Brachflächen oder Waldlichtungen findet, ist oftmals kein nützliches Johanniskraut – sondern das für Weidetiere äußerst gefährliche Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea). Stadtrat Walter Rimbrecht (SPD) hat das hochgiftige Kraut bereits vorletzte Woche im Hauptausschuss des Stadtrates zum Thema gemacht. Er sagt: „Tiere wie Rehe, Rinder und sogar Pferde, die das Kraut zu sich nehmen, können verenden.“

Gift enthalten alle Pflanzenteile von Senecio jacobaea, besonders gefährlich sind aber die Blüten. Jakobskreuzkraut schädigt die Leber der Tiere. Das Gift wird dort nicht mit der Zeit abgebaut, sondern richtet kumulativ Schaden an. Auch der Verzehr von nur kleinen Mengen über einen längeren Zeitraum ist also schädlich. Menschen sollten das Jakobskreuzkraut nicht mit bloßen Händen berühren, Handschuhe und ein langärmeliges Hemd seien Pflicht, erklärt Rimbrecht.

Indirekt betroffen ist auch die Insektenwelt. Für Bienen selbst ist das Kraut zwar nicht schädlich. Aber über die Blüte und den Nektar der Pflanzen gelangen sogenannte Pyrrolizidinalkaloide in den Honig. Dieser wird dadurch ungenießbar, „je nach Verzehrmenge und Konzentration sogar schädlich“, warnt Rimbrecht. Einen gesetzlich festgelegten Grenzwert für die Konzentration des Giftstoffes im Honig gebe es bisher nicht.



Rimbrechts Vorschlag: Der Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken (UBZ) könne das zwei- bis mehrjährig blühende Jakobskreuzkraut herausreißen, bevor es Samen bildet. Denn im ersten Jahr ist das Gewächs noch zu bekämpfen. Dann wird erst eine grundständige Blattrosette aus Laubblättern gebildet. Die giftigen gelben Blüten folgen erst im zweiten Jahr.

Bei der Pflanze, deren Blütenstände ab dem Hochsommer voll ausgebildet sind, sei aber schnelles Handeln geboten. Denn Jakobskreuzkraut sei extrem robust, durchsetzungsstark und verdränge viele andere Pflanzen, erklärt Rimbrecht. „Sieht man auf einer Waldlichtung ein einziges Jakobskreuzkraut, ist die ganze Lichtung zwei Jahre später komplett gelb.“ In Zweibrücken und Umgebung finde man das Kraut beispielsweise vermehrt an den Bahngleisen. Oder auf den Brachflächen neben der A 8 in Richtung Saarland. „Es ist mit bloßen Auge zu erkennen, dass das in den letzten Jahren immer mehr geworden ist“, sagt der Stadtrat.

Vor allem in Norddeutschland ist das Problem mit dem Kraut akut. Ganze Weideflächen sind wegen Senecio jacobaea unbrauchbar geworden. „In Zweibrücken sind wir davon noch weit entfernt. Aber ich wollte den Stadtrat in der öffentlichen Sitzung dafür sensibilisieren, dass das ein Problem werden kann“, sagt Rimbrecht. Zweibrückens Bürgermeister Christian Gauf hatte versprochen, das Thema an den UBZ weiterzuleiten.

Gefährlich macht die Pflanze zudem, dass sie leicht mit dem seit der Antike als Heilpflanze genutzten Johanniskraut verwechselt werden kann. Der Unterschied: Die Blätter beim Jakobskreuzkraut sind dicker als beim Johanniskreuzkraut. Zudem ist das Jakobskreuzkraut ein Korbblüter mit einer unterschiedlichen Anzahl von Blütenblättern. Das Johanniskraut hingegen hat immer genau fünf breite Blütenblätter.

Dass man dem Jakobskreuzkraut auf den Leib rücken soll, entbehrt laut Rimbrecht nicht eines gewissen Widerspruchs, sei aber unvermeidlich: „Eigentlich ist es ja gut, dass Wildpflanzen wieder auf dem Vormarsch sind, aber gerade dieses Kraut sollte sich nicht weiter verbreiten“, warnt er. Im Hinblick darauf, dass auch Honigbienen mit der Pflanze in Kontakt kommen, sieht der Stadtrat aber ein anderes Problem als ursächlich an: „Die Bienen haben einen Instinkt dafür, welche Blüten sie ansteuern. Zum Jakobskreuzkraut fliegen sie nur, wenn sie nichts anderes mehr finden.“ Daran seien moderne Pflanzenschutzmittel und die „intensive Landwirtschaft“ schuld, die „Wildpflanzen keinen Platz mehr lässt“, klagt Rimbrecht. Zwar töteten Insektizide die Bienen nicht direkt, störten aber ihren Orientierungssinn, erläutert er. „Das ist so, als ob man betrunken Auto fährt.“ Die Folge: Zurückgehende Zahlen bei den Insekten haben mittelfristig auch Auswirkungen auf die Säugetiere, die keine Futterquelle mehr finden.

Im ersten Jahr bildet das Jakobskreuzkraut noch keine giftigen Blüten aus. Dann ist es noch zu bekämpfen. Foto: Rimbrecht
Im ersten Jahr bildet das Jakobskreuzkraut noch keine giftigen Blüten aus. Dann ist es noch zu bekämpfen. Foto: Rimbrecht FOTO: Walter Rimbrecht
Das Jakobskreuzkraut gefährdet insbesondere Weidetiere. Auch in und um Zweibrücken findet man es immer häufiger am Rande von Autobahnen oder Waldlichtungen. Foto: Felix Kästle/dpa
Das Jakobskreuzkraut gefährdet insbesondere Weidetiere. Auch in und um Zweibrücken findet man es immer häufiger am Rande von Autobahnen oder Waldlichtungen. Foto: Felix Kästle/dpa FOTO: picture alliance / dpa / Felix Kästle