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Essen teilen
Gegen die Lebensmittelverschwendung

 Die Initiatoren und Mitwirkenden von Foodsharing in Zweibrücken – und der Ort für die Lebensmittel im Bonni.
Die Initiatoren und Mitwirkenden von Foodsharing in Zweibrücken – und der Ort für die Lebensmittel im Bonni. FOTO: cvw
Zweibrücken. In Zweibrücken gibt es jetzt im Bonhoeffer-Haus einen ersten Foodsharing-Verteiler. Weitere sollen folgen. Von Cordula von Waldow

Noch ist der Kühlschrank im Eingangsbereich des Bonhoeffer-Hauses leer, doch in dem Holzregal daneben warten bereits Nudelpackungen, Olivenöl und ein paar andere Lebensmittel darauf, dass jemand sie abholt und verbraucht. Am Dienstag wurde der erste Foodsharing-Verteiler in Zweibrücken offiziell eröffnet.

Foodsharing – Nahrung teilen – ist eine deutschlandweite Bewegung und Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, gute und genießbare Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu retten und ihrer eigentlichen Bestimmung zuzuführen: dem Verzehr. „Wir wollen den Lebensmitteln wieder die Wertschätzung verschaffen, die sie verdient haben!“, erklärt Anika Weber. Die gelernte Gastronomin ist die Botschafterin von Foodsharing in Zweibrücken. Während ihrer zwei Jahre in Karlsruhe ist dort die Foodsharing-Bewegung von unter 30 auf über 600 Foodsafer (Essensretter) und Freiwillige angewachsen. Aus einer Fair-teilerstelle wurden 16. Ihre Vision für ihre Heimatstadt Zweibrücken: Eine Fair-teilerstelle in jedem Stadtteil. Jetzt, für den ersten Schritt, nahm sie Kontakt zu Peter Butz auf. Der Dekan war sofort begeistert und stellte den Eingangsbereich des Bonhoeffer-Hauses zur Verfügung. „Gegenüber dem Eingang zum Nardinin-Klinikum liegt es zentral. Durch die Verwaltung im Haus ist es tagsüber besetzt.“

Die Zeit für eine solche Initiative in Zweibrücken war reif, denn parallel dazu beschäftigte sich auch die neue Jugenddezernentin im Dekanat, Carmen Weylandt, mit dem Thema. Gemeinsam mit den beiden Betriebsverantwortlichen, Ina  Stenger und Yanna Lorrang, sowie rund fünf weiteren Aktiven konnte das bundesweite Lebensmittel-Rettungs-Projekt nun auch in Zweibrücken starten. Und gemeinsam mit der Jugend im Bonhoeffer Haus, denn die Jungen Menschen übernehmen die Patenschaft über die Fair-teilerstelle. Sie kontrollieren die Lebensmittel auf Genussfähigkeit, führen Buch über die kontrollierte Kühlschranktemperatur und sorgen für Sauberkeit. „Wir müssen nur einen kleinen Aufwand bringen und können für viele Menschen etwas Gutes tun!“, sagte Jacob Kneip stellvertretend für die zehn bis 15 Jugendlichen, die sich ohnehin täglich im „Bonni“ treffen.



Foodsharing funktioniert ähnlich wie die offenen Bücherschränke: Wer zu viel hat, stellt ein, wer Bedarf hat, nimmt mit – so viel er möchte. Aktuell läuft das Foodsharing auf rein privater Basis, denn es fehlen Lebenmittelretter (Foodsaver). Sie müssen sich über die Internetplatform www.foodsharing.de registrieren, ein Einstiegsquiz bestehen und von erfahrenen Foodsavern einarbeiten lassen, um künftig auch in Geschäften, Bäckereien, der Gastronomie und anderen Unternehmen ausgesonderte Lebensmittel abholen zu können. Mit einem Ausweis bürgen sie für die Seriosität.

Auch Überhänge von der Tafel, etwa an Backwaren, verteilt das Foodsharing kostenfrei. Hier jedoch darf jeder zugreifen, quer durch alle Bevölkerungsschichten, denn oberste Prämisse ist es, Lebensmittel vor dem sinnlosen Verfall und der zweckfreien Vernichtung zu bewahren. Auf privater Ebene des eingetragenen Vereins Foodsharing dürfen dabei auch Lebensmittel geteilt werden, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist.

Ein Anliegen, das auch Stadtrat Patrick Lang sofort begeisterte, so dass sich der FWG-Vertreter mit engagiert. Anika Weber betont: „Wir freuen uns über jede Unterstützung. Auch finanziell.“ Jeder nach seinen Fähigkeiten könne netzwerken, die Homepage und die sozialen Netzwerke füttern und pflegen, organisieren. Ein Transportfahrrad, ein Druckereisponsoring für Werbeflyer und Plakate, Benzingutscheine – Möglichkeiten, sich zu beteiligen, gebe es viele. Die Fair-teilerstelle im Bonhoeffer Haus ist während der Verwaltungszeiten von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Sind die Jugendlichen abends noch da, auch länger.

www.foodsharing.de.

Für Montag, 23. März, laden Patrick Lang und das Foodsharing-Team um 16.30 Uhr zu einem Treffen mit anschließendem Foodsharing-Stammtisch ins Mehrgenerationenhaus ein.

 Foodsharing in Zweibrücken
Foodsharing in Zweibrücken FOTO: cvw