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Nazi-Gräuel im Blickpunkt
Gedenken an die Reichspogromnacht vor 80 Jahren

Zweibrücken. In der Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938 trat die Ausgrenzung und Diskriminierung der jüdischen Mitbürger im Deutschen Reich in eine noch gewalttätigere Phase, erinnert die Zweibrücker Stadtmuseumsleiterin Charlotte Glück.

Nationalsozialisten plünderten Wohnungen und Geschäfte, misshandelten Menschen und steckten Synagogen in Brand. Auch in Zweibrücken.

Der Ökumenische Arbeitskreis (Evangelische, katholische und evangelisch-methodistische Kirche), der Historische Verein Zweibrücken, das Bündnis Buntes Zweibrücken, das Pfälzische Oberlandesgericht und die Stadtverwaltung laden daher gemeinsam zu einer Gedenkveranstaltung ein. Geplant sind am 9. November, 17 Uhr, eine 45-minütige Führung durch das „jüdische Zweibrücken“. Dabei geht es unter Leitung von Stadtführerin Gabriele Brasche vom Hallplatz-Brunnen durch die Haupt- und Kaiserstraße bis zum Endpunkt Synagogenplatz (Ecke Ritter-/Wallstraße). Um 18 Uhr ist ein Gedenken an die, in der Pogromnacht verbrannten, Synagoge nebst Ansprache der Veranstalter geplant. Eine Podiumsdiskussion zur Reichspogromnacht im Schloss auf Einladung des Oberlandesgerichtes (OLG) Zweibrücken folgt. Dabei diskutieren Generalstaatsanwalt Martin Graßhoff, OLG-Präsident Bernhard Thurn, der Leiter des Landesarchivs Speyer, Walter Rummel, und Charlotte Glück über die Geschehnisse am 9./10. November 1938 und die rechtliche Aufarbeitung der Ereignisse in den Jahren 1938/1939 und nach dem 2. Weltkrieg. Hintergrund: Das OLG arbeitet zurzeit auf Grundlage der Justizakten von 1938/39 und 1951 die Strafverfolgung der Brandstifter auf. Keiner der Brandstifter wurde verurteilt, weder im Dritten Reich noch in der Nachkriegszeit. Tags drauf ist bei gutem Wetter eine Infoveranstaltung mit Musik am Hallplatzbrunnen geplant. Dieser wurde der Stadt 1914 von dem Juden Fritz Gugenheim gespendet. Er erhielt dafür die Ehrenbürgerschaft der Stadt. Der Brunnen ist ein Symbol für die Integration der jüdischen Bevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts.