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Zweibrücker Oberbürgermeister-Wahl
Gauf würde als OB gern weiter mit SPD regieren

Rosige Zeiten oder dunkle Wolken? Auch der nächste OB wird wohl beides erleben. Einen Wechsel gibt es aber nicht nur auf diesem Posten.
Rosige Zeiten oder dunkle Wolken? Auch der nächste OB wird wohl beides erleben. Einen Wechsel gibt es aber nicht nur auf diesem Posten. FOTO: Jan Althoff
Zweibrücken. Was ein Wahlsieg für die jetzigen Posten der Oberbürgermeister-Kandidaten bedeuten würde. Für Wosnitza käme der Wechsel von seiner Professur zu einem glücklichen Zeitpunkt. Eren übergäbe Gerüstbaufirma seinem Sohn, Schmidt verließe die Frühverrentung. Von Lutz Fröhlich

Die Bürger Zweibrückens wählen am 23.  September (oder Stichwahl 14.  Oktober) den neuen Oberbürgermeister. Das bedeutet aber nicht nur auf dem Rathaus-Chefsessel einen Wechsel. Denn da der verstorbene letzte Amtsinhaber Kurt Pirmann (SPD) nicht mehr kandidieren kann, steht eines jetzt schon fest: Der Wahlsieger muss seine bisherige Tätigkeit aufgeben. Und das überraschend kurzfristig. Wie aber würden diese Lücken gefüllt? Der Merkur hat bei den vier bislang bekannten OB-Kandidaten nachgefragt.

SPD-Bewerber Marold Wosnitza ist zwar Zweibrücker, arbeitet aber als Professor an der „RWTH Aachen University“. Das Wintersemester beginnt am 8.  Oktober. Stehen Wosnitzas Studenten dann plötzlich ohne Professor da, wenn er die Wahl gewinnt? Nein. Schon vor Pirmanns Tod hat Wosnitza sich für 2018/19 ein vorlesungsfreies Forschungssemester genommen, das alle drei Jahre beantragbar ist. Der Aachener Vorlesungsplan muss also nicht je nach Wahlausgang in Zweibrücken umgestrickt werden. „Das ist eine signifikant entspanntere Situation als normal“, freut sich Wosnitza. Zumal auch noch seine vierjährige Prodekan-Amtsperiode im Oktober regulär ende. Forschungsprojekte seien teils schon so fortgeschritten, dass er künftig „nur noch bei Problemen eingreifen“ müsse, andere Projekte gebe er an Kollegen weiter, werde er als OB gewählt. Weitere glückliche Fügung: Der Wahlkampf fällt in die vorlesungsfreien Semesterferien. Vorträge diesen Sommer habe er teils abgesagt, teils nehme er noch Termine wahr. An den ursprünglich geplanten Urlaub sei natürlich nicht zu denken, weiß Wosnitza, dass er sich in Zweibrücken noch bekannter machen muss und sagt mit wohl nur etwas augenzwinkernder Übertreibung: „Ich werde bis zur OB-Wahl 24 Stunden/sieben Tage Wahlkampf machen.“

Im Fall eines Wahlsiegs werde er einen Antrag auf Beurlaubung von seiner Professur stellen, dies sei beamtenrechtlich völlig unproblematisch, hat Wosnitza sich bereits kundig gemacht. Falls er nach Ablauf der OB-Amtszeit wieder als Professor in Aachen lehren wolle, bekäme er ein Rückkehrrecht.



Wenn Christian Gauf (CDU) die OB-Wahl gewinnt, müsste er bei seinem jetzigem Arbeitgeber nur das Zimmer wechseln – denn Gauf ist heute schon hauptberuflicher Bürgermeister und seit Krankheit und Tod Pirmanns kommissarisches Stadtoberhaupt. „Für mich selbst ändert sich nichts, ich gehe weiter ins Rathaus.“ Wer auch immer die Wahl gewinne: Er sei froh, dass der Stadtvorstand bald wieder dreiköpfig sei, erinnert Gauf daran, dass er seit Jahresbeginn zu seinen eigenen Amtsbereichen auch noch die Dezernate von Kurt Pirmann (bis auf das dem Beigeordneten Henno Pirmann übertragene Baudezernat) kommissarisch führt.

Welche Partei aber stellt künftig den Bürgermeister, falls Gauf die OB-Wahl gewinnt? Am 26.  Mai 2019 wird in Zweibrücken ein neuer Stadtrat gewählt. Vor dem Tod Kurt Pirmanns wurde nach Merkur-Informationen bei der CDU schon überlegt, ob man 2019, wenn es das Wahlergebnis erlaubt, eine Mehrheit unter Führung der CDU mit kleinen Fraktionen sucht und Anspruch auf das Bürgermeister-Amt erhebt – oder die jahrzehntelange Koalition mit der SPD fortsetzt. Würde Gauf als OB lieber mit einem Bürgermeister der SPD, der CDU oder einer der kleineren Parteien regieren? Gauf positioniert sich auf diese Merkur-Frage klar: „Meine persönliche Meinung ist: Als OB könnte man mit einer breiten Unterstützung im Stadtrat leichter arbeiten. Deshalb wäre ein Bürgermeister aus der SPD am besten.“ Er sage dies aber „ungesichert, denn wir haben das bisher noch nicht intensiv besprochen, und es ist letztlich die Entscheidung der Fraktion. Aber das ist meine Meinung auch als CDU-Kreisvorsitzender.“ Auch Kurt Pirmann hatte auf eine (rechnerisch knapp mögliche) Mehrheitsbildung mit kleinen Fraktionen verzichtet, um zuverlässiger regieren zu können, erinnert Gauf. Wobei er hervorhebt, als Bürgermeister und kommissarischer OB „mich immer um Konsens auch mit den kleinen Fraktionen bemüht zu haben, das hat man glaube ich auch bemerkt“. So habe man etwa beim Thema Grundsteuer-Erhöhung „eine für die Stadt vernünftige Lösung erreichen können, denn wir brauchen die ADD (Kommunalaufsicht, Anm. d. Red.) als Partner, nicht als Feind“. Gauf fasst zusammen: „Ich bin bemüht, über Parteigrenzen hinweg Lösungen zu finden – aber es ist eine gute Ausgangsposition, wenn man die beiden großen Fraktionen hinter sich hat.“ Gauf ist wichtig zu betonen, dass im Falle eines Wechsel von ihm „dieser Rat über den Bürgermeister entscheidet, nicht der nächste“.

Für den OB-Wahlkampf könnte sich Gauf theoretisch zwar beurlauben lassen – das komme für ihn aber überhaupt nicht in Frage, weiß er um seine Verantwortung im ausgedünnten Stadtvorstand. Er könne sich im Wahlkampf „aber nicht die Hacken ablaufen wie Wosnitza“, auch wenn Gauf seinen geplanten Wohnmobil-Urlaub auf zwei, drei Tage reduzieren wird.

Klaus Peter Schmidt will für die AfD Oberbürgermeister werden. Er ist infolge eines Arbeitsunfalls bei Saarstahl seit diesem Jahr Frührentner. Die Verletzungsfolgen („da sind mir die ganzen Bänder im Arm weggerissen“) verhinderten zwar, dass er manuell arbeiten kann – eine OB-Tätigkeit sei aber gesundheitlich für ihn kein Problem. Die Rente bekäme er mit einem OB-Gehalt natürlich nicht mehr. „Aber es geht mir nicht ums Geld“, weist Schmidt ungefragt mögliche Vermutungen zurück, Finanzielles könnte für ihn ein Motiv zur OB-Kandidatur sein.

Der (seit seinem kürzlichen Linken-Austritt) parteilose Einzelbewerber Atilla Eren führt einen Gerüstbau-Betrieb. Dieser werde aber problemlos weiterlaufen, wenn er die Wahl gewinne, ist sich Eren sicher: „Mein Sohn übernimmt dann die Firma.“ Der 26-Jährige arbeite dort heute schon. Auch ein staatlich geprüfter Kolonnenführer sei im Betrieb.