| 22:15 Uhr

Narren stürmen Zweibrücker Rathaus
Gauf ersetzt Pirmann auch optisch

Ab jetzt haben die Narren den Zweibrücker Rathausschlüssel in der Hand. Bürgermeister Christian Gauf sorgte für Lacher, weil er nicht nur in gelber Regenjacke als Angler verkleidet war, sondern mit angeklebtem Schnauzbart auch als Kurt Pirmann, den er beim Rathaus-Sturm vertreten musste.
Ab jetzt haben die Narren den Zweibrücker Rathausschlüssel in der Hand. Bürgermeister Christian Gauf sorgte für Lacher, weil er nicht nur in gelber Regenjacke als Angler verkleidet war, sondern mit angeklebtem Schnauzbart auch als Kurt Pirmann, den er beim Rathaus-Sturm vertreten musste. FOTO: Norbert Rech
Zweibrücken. Mit angeklebtem Schnauzbart den OB beim Rathaus-Sturm vertreten. Narren erklären Zweibrücken zur „ehemals kreis(el)freien Stadt“. Von Norbert Rech

Die alles entscheidende Frage am Samstag war, wo sich denn der Hausherr befindet. Von Oberbürgermeister Kurt Pirmann jedenfalls war weit und breit nichts zu sehen. Überhaupt war die Zahl der Verteidiger beim diesjährigen Rathaussturm der Zweibrücker Narren eher bescheiden. Kein Wunder, dass diese auch nur wenige Minuten benötigten, um mit Hilfe von Raketen, Krachern und den Kleinsteinhauser Böllerschützen die Absperrung aus Stroh zu nehmen. „Dem OB ging es heute Morgen nicht gut. Deshalb hat er mich gebeten, zu übernehmen“, erklärte Bürgermeister Christian Gauf auf Merkur-Nachfrage. Gauf hatte sich mit den Bundeswehr-Reservisten zwar fachmännische Hilfe geholt, doch auch die ehemaligen Soldaten mussten die Aussichtslosigkeit der Lage einsehen.

Im Ratssaal ging das närrische Treiben dann so richtig los. Bürgermeister Gauf hatte Pirmanns Rede im Gepäck und klebte sich einen Schnauzer unter die Nase, so dass auch optisch kaum noch jemand den eigentlichen Rathauschef vermisste. Als Angler verkleidet gab Gauf dann auch brillante Witze zum Besten, die allerdings aus der Feder des Erkranken stammten. So sei er beim Angeln ins Wasser gefallen und habe sich allein umziehen müssen. Danach habe er nicht mehr gerade laufen können, worauf sein Arzt meinte: „Das ist auch kein Wunder, wenn Sie den Hosenknopf an der Jacke befestigen.“

Heike Hofer vom KVZ (Karnevalverein Zweibrücken), die das Kommando über die Fastnachter hatte, stellte nach der obligatorischen Schlüsselübergabe klar, dass ab jetzt die Narren das letzte Wort haben und die Regentschaft über die Stadt übernommen hätten: „317 Tage im Jahr sind für manchen eine Plage.“ Doch jetzt könne der Oberbürgermeister bis Aschermittwoch beobachten, wie die Narren mit den „liebe Leit“ in Zweibrücken zurechtkommen. Sie seien ehrlich, treu und manchmal auch hart – aber lieb wären die Einwohner immer.



Neben dem KVZ halfen auch die CGH (Clubgemeinschaft Hasensteig), die FZG (Freizeitgemeinschaft Wolfsloch), der HFZ (Humoristischer Fastnachtsverein Zweibrücken) und die ZFF (Zweibrücker-Fasenachts-Freunde) wieder alle beim Rathaussturm mit. Sie verteilten diesmal nicht nur ihre Orden, sondern hatten für die Stadtspitze auch einen Jahreskalender mitgebracht, auf dem es nur den Monat November gibt – den Beginn der sogenannten fünften Jahreszeit.

Zum Ort passend spielten die Narren dann eine Ratssitzung, in der es einzig um die Vergabe von Terminen ging. Ob Lichterfest oder Schwimmbadfest: Alles findet jetzt am närrischen 11.11. statt. Mit viel Glück könnte bei Letzterem dann der Eishockeyclub sein Heimspiel auf dem zugefrorenen Wasser des Bades austragen. Auch das Oktoberfest werde in den November verlegt. Statt ein Bierfass werde Pirmann dann ein Glühweinfass anzapfen. Selbst die Tour de France wollen die Fastnacher in die Rosenstadt holen. Die Etappe könnte dann Tour de Kreisel heißen, schlugen sie vor. Man müsste nur noch einen Brauerei- und einen Hilgardkreisel bauen – dann wäre Zweibrücken eine „ehemals kreisfreie Stadt“. „Wem es nicht gefällt, der kann ja fortziehen“, so Hofer, die damit an eine Bemerkung des Oberbürgermeisters 2014 gegenüber Grünen-Ratsmitglied Achim Ruf zitierte.

Volker Siener sorgte im Anschluss noch mit Fastnachtsliedern für Stimmung.

Mit Heike Hofer an der Spitze gab es schon nach wenigen Minuten kein Halten mehr: Die Narren stürmten vom Herzogplatz kommend das Rathaus.
Mit Heike Hofer an der Spitze gab es schon nach wenigen Minuten kein Halten mehr: Die Narren stürmten vom Herzogplatz kommend das Rathaus. FOTO: Norbert Rech
Bürgermeister Christian Gauf konnte nur wenige Verteidiger rekrutieren. Von links: Stéphane Moulin, Walter Rimbrecht, Thorsten Gries, Volker Neubert, Gauf und Berni Düker.
Bürgermeister Christian Gauf konnte nur wenige Verteidiger rekrutieren. Von links: Stéphane Moulin, Walter Rimbrecht, Thorsten Gries, Volker Neubert, Gauf und Berni Düker. FOTO: Norbert Rech