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Ganz neue Welt, ganz bekannte Helden

Zweibrücken. Eine ausgefallene neue Welt, spannende Handlung, gewohnt blutige Kämpfe und nach zu bekanntem Muster gestrickte Helden – Markus Heitz‘ Werk „Wédora – Staub und Blut“ hat manche Stärke, doch auch noch einiges Steigerungspotential. Eric Kolling

Neue Reisen ins Geborgene Land nebst Wiedersehen mit Zwergen, Orks und Albae gibt's für die Fans von Markus Heitz derzeit nicht. Dafür hat er ein ganz neues Fantasyuniversum ersonnen, rund um die befestigte Millionenstadt Wédôra mit ihren neun Vierteln, die mitten in einer gigantischen Wüste liegt. Sämtliche Handelswege rings um das "Sandmeer" kreuzen sich hier, Karawanen und Kaufleute finden hier Schutz. Wédôra, vormals größtes Heiligtum der Wüstenvölker, ist durch seine Grotte mit einer Art Wunderwasser zum mächtigen Handelszentrum aufgestiegen. Doch so viel Ruhm und Reichtum ruft Neider auf den Plan. Die geheimnisvollen Wüstenstämme rufen zum Sturm auf Wédôra auf. Hatten die Kaufleute sich die alleinige Verfügungsgewalt über das Wasser doch auch mit einer List verschafft. Heitz reichert diese gewohnt anschaulich, detail- und fantasiereich erdachte Kulisse mit Aspekten wie Sklavenhaltung oder der Todesstrafe für Wasservergeudung an. "Die besondere Herausforderung war, nicht in gängige Wüstenklischees zu verfallen, wie man sie aus 1001 Nacht kennt. Es sollte mehr sein, anders sein, wobei es durchaus bekannte Anleihen geben darf, was durch das Setting vorgegeben ist", schildert Heitz. "Eine Düne ist eine Düne - aber was gibt es noch, welche Farben kann Sand haben, welche Tiere leben in einer phantastischen Wüstenwelt und vieles mehr", so der Einöder Fantasyexperte. Er habe sich erst einmal in die verschiedenen Sorten von Wüsten einlesen müssen. Aber: "Eine neue Welt zu entwerfen, ohne Zwerge , ist wiederum die leichteste Übung. Als alter Rollenspieler weiß ich, auf was es in erdachten Universen ankommt. Sie müssen in sich stimmig sein, das ist die oberste Regel." Im Mittelpunkt der Handlung stehen zunächst in der Waldwelt Telonia der Halunke Liothan und seine frühere Freundin Tomeija, die jetzt als Gesetzeshüterin arbeitet und hierbei ein wachsames Auge auf Liothan wirft. So zu Beginn, als sie ihn beim Einbruch im Hause eines mächtigen Händlers ertappt. Doch der Geschäftsmann erweist sich seinerseits als gar nicht zimperlicher Magier - sein missglückter Mordzauber bringt die beiden in die Wüste nahe Wédôra. Dort müssen sie sich zusammenraufen, teils getrennt voneinander durchschlagen und einen Weg zurück in ihre Heimat finden.

Sie stoßen in der Wüste auf Riesenechsen als Quasitaxis der Reichen, auf Sandmenschen, hören in der Stadt vom ominösen Herrscher, geraten in ein Netz aus Lügen und Verschwörungen und erlangen (magische) Spezialkräfte. Sie erweisen sich auch als ausgesprochen clever, finden Verbündete und zeigen sich ungemein kampfstark, was sie in den zahlreichen, gewohnt anschaulich-detailreich beschriebenen Auseinandersetzungen und Kämpfen unter Beweis stellen.

Während Heitz einmal mehr demonstriert, dass er die Mechanismen des Spannungsaufbaus aus dem Effeff beherrscht, erweisen sich gerade die beiden Hauptfiguren als Schwachpunkte der Geschichte. Sie sind als typische Heitz-Helden zu austauschbar geraten und könnten genauso etwa im "Zwerge "-Universum angesiedelt sein.

Auch das Ende des (von Uve Teschner glänzend vorgelesenen) Romans kommt dünn daher und lässt viele Fragen offen. In der hier getesteten, verkürzten Hörbuchfassung von Audio-Media bleiben auch im Verlauf manche Nebenhandlungen offen und Hintergründe unklar. Es gibt also noch einiges, was der zweite Wédôra-Band aufklären und besser machen kann. Dass dieser kommt, ist klar. Heitz arbeite daran, im Sommer 2017 wird er erscheinen. Der Autor: "Ich freue mich sehr, dass die Abenteuer weitergehen."

Markus Heitz: Wédôra - Staub und Blut, Audio Media, gekürzte Lesung, Vorleser: Uve Teschner, 674 Minuten, ISBN: 978-3-95639-133-0