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Mitglied im Zweibrücker Rechtsausschuss
Ärger über weit rechte Beiträge einer FWG-Frau

 Der AfD-Bundestagsabgeordnete Gottfried Curio ist für – migrationskritische/flüchtlingsfeindliche Reden bekannt. Das Zweibrücken Rechtsausschussmitglied Karin Beck (FWG) empfahl im Telefonat mit dem Merkur-Reporter die Reden Curios – nicht nur, weil Beck diese gut findet, sondern auch, weil sie sich ärgert, weil auf die Positionen Curios „nur weil es ein AfD’ler ist gleich mit dem Hammer draufgehauen wird“.
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Gottfried Curio ist für – migrationskritische/flüchtlingsfeindliche Reden bekannt. Das Zweibrücken Rechtsausschussmitglied Karin Beck (FWG) empfahl im Telefonat mit dem Merkur-Reporter die Reden Curios – nicht nur, weil Beck diese gut findet, sondern auch, weil sie sich ärgert, weil auf die Positionen Curios „nur weil es ein AfD’ler ist gleich mit dem Hammer draufgehauen wird“. FOTO: dpa / Wolfgang Kumm
Zweibrücken. FWG-Ratsfraktionschef Kurt Dettweiler hat sich auf Merkur-Anfrage klar von rechtsradikalen Facebook-Beiträgen eines langjährigen Zweibrücker FWG-Mitglieds distanziert.
Lutz Fröhlich

Redakteur und Lokalreporter Zweibrücken

Erst Ende Juni hatte die FWG Karin Beck als Mitglied für den Stadtrechtsausschuss benannt. Doch wer sich Becks öffentliche Facebook-Seite ansieht, kann kaum glauben, dass hier jemand von der in Zweibrücken als unideologisch und gemäßigt-konservativ bekannten FWG agiert. Dutzende von Beck geteilte Links zu anderen Seiten und einige eigene Kommentar erwecken den Eindruck, dass hier jemand vom rechten Flügel der AfD schreibt.

Am gestrigen Mittwoch etwa teilte die 72-Jährige Slogans wie: „Vier Jahre Willkommenskultur hat mehr Menschenopfer gefordert als 28 Jahre Mauer“ und „Wir tolerieren uns zu Tode!“, am 5. August „Jeder der CDU SPD Grüne Linke FDP wählt ist gegen die Demokratie denn Facebook sperrt wenn sie es wollen“, am 4. August „Warum rufen alle zum Kampf gegen ,rechts’ auf, warum nicht zum Kampf gegen Mörder, Vergewaltiger und Messerstecher?“, am 3. August verlinkte sie ein Youtube-Video „Tausende Migranten bereiten Bürgerkrieg in Deutschland vor“, am gleichen Tag kommentierte sie selbst einen Artikel über eine angebliche gezielte „Flüchtlingswelle“ von „Verbrechern und Psycho-Kranken“ aus Nordafrika wie folgt (Orthographie korrigiert): „Alles rein, alle jungen Männer, ohne Bildung, ohne Beruf. Die Guten-Willen-Parteien werden euch mit Fähnchen empfangen. Unsere Mädels werden wir einsperren, damit sie euch nichs tun können. Die Züge mit Gummiummantelung auf die Schienen schicken und bei euren Messern werden wir die Klinge entfernen. Diese Vorsichtsmaßnahmen dienen zu eurem Schutz. Ihr lieben total verstörten und wohlgebauten Zugeströmten.“

Auf Karin Becks „Gefällt mir“-Seite ist weit oben die AfD, aber auch der NPD-Bundesvorsitzende Frank Franz zu finden.



Beck betonte auf Merkur-Anfrage, sie sei nicht rassistisch: „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, aber gegen die Verbrecher unter den Flüchtlingen.“ Sie sei „seit 1983 zahlendes und aktives FWG-Mitglied“ und wolle das auch bleiben. „Wobei man auch sagen muss: So schlechte Ideen hat die AfD nicht.“ Mehrfach kritisierte Beck, man dürfe heute in Deutschland „nicht mehr seine Meinung sagen“, sie nehme sich diese Freiheit. Eine Bekannte habe sie auch mal gefragt, warum sie etwas von der NPD teile – Beck findet: „Es ist doch egal, wer etwas geschrieben hat, sondern ob etwas gut ist.“

Auf Becks Facebook-Seite hatten gestern zunächst der Bürger Freddy Tomaka und „Die Partei“-Stadtrat Aaron Schmidt aufmerksam gemacht – und deuteten den Verdacht an, die AfD habe Kurt Dettweiler auch deshalb als ehrenamtlichen Beigeordneten vorgeschlagen, weil es in der Zweibrücker FWG Sympathien für die AfD gibt.

Dettweiler – der auch schon an „Unsere Stadt ist bunt statt braun“-Aktionen teilnahm – räumte gestern Abend im Telefonat mit dem Merkur zwar offen ein: „Ich selbst habe Karin Beck in den Rechtsausschuss geschickt, weil sie mal Schöffin war.“ Er sei „aber auch negativ verwundert über einige Stellungnahmen“ von ihr. Dettweiler kündigte an, er werde „spätestens morgen Kontakt mit ihr aufnehmen – wenn das ihr Weltbild ist, werde ich ihr sagen: Du bist bei uns nicht am rechten Platz! Wir werden dann intern sofort reagieren.“