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Flughafen-Verkauf ist jetzt perfekt

Zweibrücken. Die Gläubigerversammlung des insolventen Flughafens Zweibrücken hatte am Dienstag keine Wahl: Es gab nur ein verbindliches Angebot, das die Vorgaben der EU-Kommission erfüllte. Jetzt steht dem Gewerbepark von Triwo nichts im Weg. Lutz Fröhlich

Der Verkauf des Flughafens Zweibrücken an die Trierer Immobilienentwicklungsgesellschaft Triwo hat die letzte Hürde genommen: Die Gläubigerversammlung stimmte am Dienstag beim Bericht- und Prüfungstermin am Amtsgericht Zweibrücken mit breiter Mehrheit zu.

Es habe "einige Fragen, aber keine großen Diskussionen gegeben", berichtete der Sprecher von Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner, Sebastian Brunner, nach dem nichtöffentlichen Termin auf Anfrage. Plathner habe "deutlich gemacht, dass wir eine schnelle Lösung brauchten, da ein Insolvenzverwalter keine Verluste im fortfahrenden Betrieb machen darf, und der Flughafen Zweibrücken ja nie ohne die von der EU gestoppten öffentlichen Beihilfen betrieben werden konnte". Zudem habe Plathner an die Vorgaben der EU-Kommission für das Bieterverfahren nach dem Insolvenzantrag erinnert, aufgrund derer der bisherige Flughafen für alle Nutzungsmöglichkeiten offen ausgeschrieben werden musste - und bei Fortsetzung des bisherigen kommerziellen Flugbetriebs zweistellige Millionen-Beihilferückforderungen auf einen neuen Betreiber zugekommen wären. Brunner: "Am Ende dieses Prozesses lag nur ein verbindliches Angebot vor, das heißt in notarieller Form und mit Finanzierungsnachweis, wie das von der EU gefordert war - das andere waren nur Interessenbekundungen." (Bei Zweibrücker Flughafenfreunden hatte es zuvor Kritik gegeben, dass insbesondere ein höheres Kaufangebot eines slowakischen Investors, der den Flugbetrieb sogar ausbauen wollte, nicht den Zuschlag erhielt, wir berichteten).

Auch Plathner hätte sich gefreut, den Gläubigern eine größere Bieter-Auswahl vorlegen zu können, sagte Brunner.

Die Entscheidung der Gläubigerversammlung sei "ein positives Signal" für die Triwo, die den Flughafen in einen Gewerbepark umwandeln möchte. Fliegerisch plant Triwo nur noch eine Nutzung als "Sonderlandeplatz". Das bedeutet im Wesentlichen, es dürfen regelmäßig nur noch ansässige Unternehmen und Dritte nach vorheriger Anfrage fliegen (wir berichteten).

Nach Merkur-Informationen aus Versammlungsteilnehmerkreisen wurden bislang von 163 Gläubigern insgesamt Forderungen von über 63 Millionen Euro angemeldet. Brunner äußerte sich nicht zu diesen Zahlen, betonte aber, die meisten Forderungen seien noch nicht abschließend geprüft. Der Insolvenzverwalter prüfe auch noch mögliche Ansprüche gegen Dritte, um die Insolvenzmasse im Interesse der Gläubiger zu mehren. Noch keine Tendenz sei bei der Frage erkennbar, ob der Insolvenzverwalter gegen den EU-Beihilfebescheid klagt, der den Flughafen in die Insolvenz getrieben hat. Laut Mainzer Infrastrukturministerium summieren sich die Beihilfe-Rückforderungen, die Land und Anliegerkommunen an den Flughafen Zweibrücken aufgrund des EU-Bescheids stellen mussten, auf 58 Millionen Euro - davon sind fast zwölf Millionen Zinsen.

Über die Kaufsumme haben der Insolvenzverwalter und Triwo Vertraulichkeit vereinbart. Nach SWR-Informationen sind es 4,5 Millionen Euro. Aus der Kaufsumme müssen aber unter anderem die Kosten des Insolvenzverfahrens bestritten werden, sodass am Ende für die Gläubiger nicht mehr viel übrig bleiben dürfte.