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Triwo-Flugplatz Zweibrücken und Flughafen Saarbrücken
Keine Chance trotz Ensheim-Schließung

Das Terminal des Flughafens in  Ensheim.
Das Terminal des Flughafens in Ensheim. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Zweibrücken. Theoretisch könnten Flugzeuge während der dreiwöchigen Landebahn-Arbeiten in Ensheim im März 2019 nach Zweibrücken ausweichen. Das würde aber wohl zu teuer. Von Marc Kleinert und Lutz Fröhlich

Warum wird der Flugplatz Zweibrücken nicht als Ausweich-Airport genutzt, wenn der Flughafen Saarbrücken im März 2019 für drei Wochen wegen Landebahn-Arbeiten den Flugbetrieb einstellt? Die Antwort auf diese Frage scheint auf den ersten Blick klar: Seit der Herabstufung Zweibrücken zum Sonderlandeplatz in Zweibrücken dürfen dort nur noch Maschinen mit weniger als 14 Tonnen Startmasse starten – die Maschinen von Tuifly und den anderen Airlines in Saarbrücken wiegen deutlich mehr. Damit sind Ausweichlandungen, wie sie vor der Insolvenz des Flughafens Zweibrücken 2014 aus Saarbrücken-Ensheim häufig vorkamen, nun nicht mehr möglich, hieß es bislang immer.

Das aber ist nur die halbe Wahrheit, ergaben Merkur-Recherchen. Anlass für diese waren Beobachtungen, dass es in Zweibrücken durchaus weiter Flüge mit deutlich schweren Maschinen gibt – Transalls der Bundeswehr. Das heißt: Es gibt also  Ausnahmen von der 14-Tonnen-Regel. Wie werden diese gehandhabt? Und könnte man, statt im März die Flüge in Saarbrücken drei Wochen ausfallen zu lassen, im Interesse der Passagiere nicht Flüge nach Zweibrücken verlegen?

Das Fallschirmjägerregiment 26 nutzt den Sonderlandplatz Zweibrücken mehrmals im Jahr für Sprungübungen. Und hatte vor einigen Jahren, als die Kasernen-Schließung drohte, den Flugplatz als wichtigen Standortfaktor genannt. Die erforderlichen Ausnahmegenehmigung erhält die Bundeswehr über das Luftfahrtamt der Bundeswehr, erläutert der Landesbetrieb Mobilität (LBM) auf Merkur-Anfrage.



„Bei zivilen Flugbewegungen über 14 Tonnen ist hingegen der Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz als Landesluftfahrtbehörde zuständig“ für Ausnahmegenehmigungen, schreibt LBM-Sprecherin Birgit Küppers: „Die entsprechenden Genehmigungen können erteilt werden, wenn eine sichere Abwicklung der Flugbewegungen möglich ist, der Schutz der Anwohner vor unzumutbarem Fluglärm berücksichtigt wird und diese Flugbewegungen eine Ausnahme bleiben.“

Küppers geht dann auf Ensheim ein: „Die Verlagerung von Linien- oder Pauschalverkehr von einem benachbarten Flughafen, wenn dieser zum Beispiel im März 2019 für zwei Wochen ein Engineered Materials Arresting System installiert, ist in betrieblicher Hinsicht zwar denkbar, da die Infrastruktur in Zweibrücken eine sichere Abwicklung ermöglicht und auch das Feuerlösch- und Rettungswesen grundsätzlich für diesen Zeitraum angepasst werden könnte. Die hierfür aber auch erforderlichen Luftsicherheitsmaßnahmen nach dem Luftsicherheitsgesetz wären allerdings so komplex und aufwendig, so dass eine entsprechende Vorlaufzeit nötig wäre und sich das Vorhaben vermutlich auch finanziell nicht lohnen würde.“

Hat es einen Antrag oder Gespräche mit dem LBM über die Frage gegeben, ob während der dreiwöchigen Betriebspause in Saarbrücken die Flüge nach Zweibrücken verlagert werden könnten? „Anfragen oder Gespräche bezüglich der Betriebspause in Saarbrücken gab es nicht“, antwortet Küppers.

Haben die Flugplätze Saarbrücken und Zweibrücken überhaupt versucht, in den drei März-Wochen zu einer Zusammenarbeit zu kommen? Der Sprecher des Flughafens Saarbrücken (SCN) -Sprecher Ludwin Vogel schreibt auf Merkur-Anfrage, dazu sei „grundsätzlich zu sagen, dass Flughäfen einen geordneten Start- und Landebetrieb gewährleisten, die dafür notwendigen Einrichtungen bereitzuhalten und die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen haben. Das ist auch am SCN so. Für Flugpläne und die Durchführung der Flüge selbst sind die jeweiligen Airlines zuständig. Auch das ist am SCN so. Zu der Frage, inwiefern es bei den betroffenen Airlines diesbezüglich Gespräche oder Überlegungen gab, können auch ausschließlich diese Auskünfte erteilen.“

Die Tuifly-Pressestelle antwortet auf Merkur-Anfrage: „Wir fliegen erst ab Mai wieder ab Saarbrücken (also immer zum Sommerflugplan). Der Zeitraum im März ist also kein Problem für uns.“ Vergangenen Winter hatte Tuifly ab Saarbrücken noch Mallorca angeflogen. Luxair und flybmi haben ein Ausweichen auf den Zweibrücker Flughafen ebenfalls nicht in Erwägung gezogen.

Der Zweibrücker Flugplatz-Betreiber Triwo hat auf Merkur-Anfragen klar gemacht, dass er sich hierzu nicht äußern will. Das wirtschaftlich Interesse der Triwo an Ausweichlandungen dürfte nach Merkur-Informationen jedoch begrenzt sein: Denn neben Flügen mit kleineren Maschinen erfreut sich die Landebahn als Kfz-Teststrecke zunehmender Beliebtheit bei namhaften Unternehmen der Automobilindustrie. Die Tests sind meist streng geheim, weshalb die Triwo Sichtschutz installiert hat, der Einblicke von außen auf die Landebahn verhindert. Linienflugverkehr könnte da womöglich stören und für nur drei Wochen finanziell zudem wenig lukrativ sein. Die Kfz-Teststrecke dagegen ist so lukrativ, dass die Triwo das frühere Schulungszentrum der Deutschen Vermögensberatung gekauft hat, auch damit Kunden der Kfz-Teststrecke es für Besprechungen und Konferenzen nutzen können.