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Flucht in eine bessere Zukunft

Trhas Teklab und Merhawit Bahane aus Eritrea sind in Zweibrücken angekommen. Foto: Reimertshofer
Trhas Teklab und Merhawit Bahane aus Eritrea sind in Zweibrücken angekommen. Foto: Reimertshofer FOTO: Reimertshofer
Zweibrücken. Zweibrücken ist für zahlreiche Bürger mit Migrationshintergrund eine neue Heimat geworden. In unserer Serie „Angekommen in der Fremde“ stellen wir einige dieser Menschen vor. Heute Trhas Teklab und Merhawit Bahane aus Eritrea. Ruth Reimertshofer

Die beiden 18-jährigen Mädchen aus Eritrea nennen sich Schwestern , obwohl sie lediglich Cousinen ihrer weitverzweigten Familie sind. "In Eritrea nennen wir Frauen uns alle Schwestern und die Männer sind unsere Brüder." Trhas Teklab und Merhawit Bahane haben beide ihren weiten und schwierigen Weg zu uns zu Fuß begonnen. Das erste Etappenziel war der Sudan. Von dort ging es mit dem Auto bis nach Libyen, wo sie mehrere Monate in einer Lagerhalle zusammengepfercht waren. "Wir hatten nichts zu essen und zu trinken, es gab kein Wasser um uns waschen zu können und wir wurden immer wieder von den lybischen Wächtern geschlagen". Bis nach Libyen mussten sie pro Kopf 1600 US-Dollar bezahlen, alles Ersparte ihrer Familien. Die lebensgefährliche Überfahrt nach Europa kostete noch einmal 2000 Dollar. In Eritrea zurück gelassen hat Trhas ihre Mutter und sieben und Merhawit die Mutter und fünf Geschwister. "Meine Mutter ist Hausfrau und mein Vater ist tot. Er war Soldat", sagt Trhas traurig und Merhawit: "Mein Vater wurde im Krieg erschossen". Eritrea ist das Land, in dem seit Jahren schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen, willkürliche Tötungen und Verhaftungen, Folter von Seiten der Regierung sowie fehlende Meinungs-, Religions- und Versammlungsfreiheit von den Vereinigten Nationen festgestellt werden. Die knappe Hälfte der Bevölkerung gehört christlichen Kirchen an, die anderen sind Muslime. "Zwischen uns gibt es keine Probleme", sagen Trhas und Merhawit, die beide selbst Christinnen sind.

Trhas Teklab ist seit August letzten Jahres in Deutschland angekommen. Über Dortmund, Hilden, Essen kam sie nach Ingelheim, von wo sie der Rosenstadt im Oktober zugewiesen wurde. Ihre "Schwester" Merhawit kam über Trier nach Zweibrücken und beide wohnen zusammen mit weiteren zwei Frauen in einer Wohnung. Die beiden jungen Frauen haben in Eritrea zehn Jahre die Schule besucht und Trhas hat noch ein Jahr eine Ausbildung zur Köchin gemacht und in diesem Beruf auch gearbeitet. Gerne wollen beide bald auch in Deutschland arbeiten. Merhawits Traum ist es Boutiqueverkäuferin für Damenmode zu werden. Derzeit besuchen die beiden einen Sprachkurs und bemühen sich eifrig die deutsche Sprache zu erlernen. "Es fehlt uns oft der Kontakt zu anderen, um auch Deutsch zu sprechen, denn unter uns sprechen wir natürlich unsere Sprache Tigrina".

Der Zusammenhang in einer Kirchengemeinde ist beiden wichtig und so fahren sie manchmal nach Saarbrücken, wo eine größere christlich-eritreische Gemeinde Gottesdienste abhält und wo sie Landsleute treffen und gemeinsame Feste feiern. "Derzeit ist Fastenzeit und in der Woche vor Christi Himmelfahrt essen und trinken wir tagsüber nichts, erst abends ab 19 Uhr können wir wieder essen". Dies halten sie streng ein und gehen trotzdem zum täglichen Unterricht und lachen auch gern. Ihre Augen werden dann traurig, wenn sie an ihre Familien denken, die in Eritrea und im Sudan leben und an ihre Freunde, die irgendwo in Libyen sind und von deren Schicksal sie nichts wissen.