| 20:44 Uhr

Fledermauswanderung des Nabu
Den arg gebeutelten Fledermäusen auf der Spur

Fasziniert drängten sich Kinder und Erwachsene um den Fledermausexperten Franz Kinkopf und die kleine Zwergfledermaus in seiner Hand.
Fasziniert drängten sich Kinder und Erwachsene um den Fledermausexperten Franz Kinkopf und die kleine Zwergfledermaus in seiner Hand. FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. Fast 100 Menschen, darunter mehr als 30 Kinder, waren am Freitagabend der Einladung des Zweibrücker Naturschutzbunds gefolgt, um die nachtaktiven Flugakrobaten zu erleben. Von Cordula von Waldow

Fledermäuse sind beliebt und viele Menschen interessieren sich dafür. Das bewies der große Zulauf, den der Nabu-Zweibrücken am Freitagabend bei seiner Fledermaus-Nachtwanderung hatte. Fast 100 Menschen, darunter mehr als 30 Kinder, versammelten sich in den frühen Abendstunden an der Fischtreppe an der Schließ, um die nachtaktiven Flugakrobaten zu erleben und mehr über sie zu erfahren. „Wir wünschten uns, wir hätten auch so viele Fledermäuse“, sagte Organisatorin Miriam Krumbach bei der Begrüßung.

Fledermäuse sind extrem gefährdet und vom Aussterben bedroht. Auch in Zweibrücken ist die Population stark rückläufig. „Dafür gibt es verschiedene Gründe“, erläuterte Franz Kinkopf. Der Zweibrücker Fledermausexperte zählte sie auf: Die extreme Hitze hatte den Tieren zu schaffen gemacht. Auf einer kurz geschorenen Wiese gab es keine Insekten mehr. Dabei braucht selbst eine kleine Fledermaus pro Nacht mindestens 3000 Insekten, um sich für den Winter zu stärken. Der moderne Hausbau verschließt mit seiner Dämmung Luftschächte und Mauerritzen. Bei Temperaturen von 60 bis 80 Grad auf Dachböden verenden die Tiere dort elendiglich, weil sie dehydrieren, also austrocknen. Die Holzernte und die Verjüngung des Waldes verjagen die Spechte und rauben den Fledermäusen den Nistplatz in deren Höhlen.

Interessiert betrachteten nicht nur die Kinder die ausgestopften Fledermäuse, die die Veranstalter mitgebracht hatten. Das große Mausohr etwa, das zu den Hausfledermäusen zählt, hat eine Flügelspannweite von über 60 Zentimetern. Wer abends auf der Terrasse oder im Garten sitzt und Glück hat, kann die eine oder andere Fledermaus auf der Suche nach Nahrung fliegen sehen.



So wie Christine Gottert. Die Zweibrückerin war mit ihrer neunjährigen Tochter Lena, Ehemann und ebenfalls naturinteressierten Freunden gekommen, weil sie im eigenen Garten im Ernstweilertal nicht nur Fledermäuse beobachtet, sondern auch einen Nistkasten aufgehängt hat. „Der ist allerdings noch nicht angenommen“, bedauert sie. „Das kann Jahre dauern“, bestätigte Franz Kinkopf. Auch in den 40 Kästen, die der Nabu bereits vor mehreren Jahren verteilt aufgehängt hat, nistet in diesem Jahr zum allerersten Mal ein einziges Mausohr.

Als Höhepunkt hatte der Fledermausexperte, der sich im weiten Umkreis um verletzte Fledermäuse kümmert, eine kleine Zwergfledermaus mitgebracht. Nacheinander und ganz vorsichtig, durften die Kinder das winzige Tier streicheln. In seinen Händen schön aufgewärmt, wurde die kleine Fledermaus mächtig aktiv und Franz Kinkopf hatte alle Hände voll zu tun, um seinen aufgeregten Schützling zu bändigen. „Sie kann nicht fliegen“, erklärte er den Umstehenden, versuche es jedoch. „Das Fell fühlt sich ganz weich an“, beschrieben Johnny (8) und Penelope (6) Lamotte begeistert und mit strahlenden Augen.

Mit zunehmender Dämmerung ab 20.30 Uhr wurden die ersten Fledermäuse gesichtet. Die Gruppe wanderte mit Echomikrofon den Bleicherbach entlang und durch die Ehrensberger Allee zum Wildrosenweg gegenüber des Biergartens. Dabei hörte sie, wie Fledermäuse mit ihren ansonsten für den Menschen unhörbaren Signalen orten, sich zurechtfinden und auch miteinander kommunizieren.

Für Kinder und Erwachsene war diese Fledermaus-Nachtwanderung ein ganz besonderes Erlebnis und eine bleibende Erinnerung.

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