| 23:46 Uhr

Hauptausschuss des Stadtrats
Feuerwehr kommt meist später als erlaubt

Beim Nardini-Brand 2017 waren zunächst zu wenig Wehrleute vor Ort. Zum Glück ohne größere Auswirkungen.
Beim Nardini-Brand 2017 waren zunächst zu wenig Wehrleute vor Ort. Zum Glück ohne größere Auswirkungen. FOTO: Volker Baumann
Zweibrücken. Ein Problem gab es auch beim Klinik-Brand. Hauptamtliches Personal soll vervierfacht werden, aber das dauert noch. Von Lutz Fröhlich

Im Streit um mehr Personal für die Zweibrücker Feuerewehr deutet sich eine drastische Wende an. Bereits vor einem Jahr hatte die Feuerwehr-Führung in einem Merkur-Redaktionsgespräch Alarm geschlagen: Nur in etwa der Hälfte der Fälle schaffe es die Feuerwehr, in der gesetzlich vorgegebenen Zeit von acht Minuten wirksame Hilfe am Einsatzort einleiten zu können, man brauche deshalb elf statt fünf hauptamtliche Kräfte. Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD) wies diese Forderung kurz darauf im Stadtrat klar zurück: Alle Feuerwehren wollten mehr Personal, in Zweibrücken sei noch kein einziger Einsatz an Personalmangel gescheitert, der neue Feuerwehrchef Frank Theisinger kenne sich wohl noch nicht gut genug aus.

Gestern Abend im Rats-Hauptausschuss stellte Theisinger den Entwurf des Feuerwehrbedarfsplans 2018 vor. Wie von der Stadtspitze in Person von Ordnungsdezernent Henno Pirmann (SPD) vorgeschlagen, empfahl der Ausschuss einstimmig dem Stadtrat, diesen Plan zu beschließen. Dabei geht dieser noch weit über die Forderung der Feuerwehr 2017 hinaus: Die Hauptamtlichen-Personalstärke soll nun sogar mehr als vervierfacht werden, und zwar in drei Phasen auf am Ende 21 Personen. Davon sind acht Neueinstellungen für die erste Phase geplant.

Laut Feuerwehr-Auswertung sind im Stadtgebiet in durchschnittlich 42 Prozent und in den Vororten 26 Prozent der Einsätze die Wehrleute zu spät am Einsatzort. Als rechtlich zulässig gelte eine Erfolgsquote von 80 Prozent. Und nicht in allen Fällen sei auch genug ausreichendes Personal als Ersthelfer vor Ort. Das war auch ein Problem bei dem Großbrand im Nardini-Klinikum im Mai 2017, enthüllten gestern Henno Pirmann und Theisinger: Zwar sei die Feuerwehr schnell vor Ort gewesen, entgegen der Dienstvorschrift zunächst aber nur mit vier Mann, denen es zum Glück aber gelungen sei, schon vor dem Eintreffen weiterer Kräfte Patienten zu retten. „Das hätte auch anders ausgehen können“, warnte Theisinger. Auch die großen Industriebetriebe in Zweibrücken stellten die Feuerwehr vor Herausforderungen.



Man wolle und müsse zwar eine Freiwillige Feuerwehr bleiben. Derzeit habe Zweibrücken 131 ehrenamtliche Wehrleute. Doch die Rekrutierung werde schwieriger, und Arbeitgeber hätten immer weniger Verständnis für Bagatelleinsätze (wir berichteten). Besonders tagsüber und in den Vororten könne die Feuerwehr deshalb derzeit „die in der Feuerwehr-Verordnung aufgeführten Vorgaben größtenteils nicht erfüllen“, heißt es in der Bedarfsplanung. Deshalb sollen Ehrenamtliche nicht mehr für Bagatellangelegenheiten ausrücken, dies sollen künftig allein die Hauptamtlichen tun. Diese sollen auch bei Großbränden den „ersten Abmarsch“ stellen. Dafür müsse die Hauptwache aufgestockt werden, und zwar von derzeit täglich vier Einsatzkräften auf sieben. Diese sollen in der ersten Phase wie bisher montags bis freitags von 7 bis 17 Uhr arbeiten, in der zweiten Phase bis sonntags (16 Kräfte erforderlich), in der dritten Phase montags bis sonntags von 6 bis 22 Uhr (25 Kräfte erforderlich). Pro Hauptamtlichen-Stelle rechnet die Stadt mit jährlich 50- bis 60 000 Euro.

Außerdem enthält der neue Bedarfsplan die Modernisierung der 23 Jahre alten Feuerwache, unter anderem mit mehr Digitalisierung und dem Bau einer neuen Mehrzweckhalle für Fahrzeuge für 750 000 Euro. Sowohl neue Stellen als auch neue Investitionen muss der Stadtrat aber später noch einzeln beschließen.

Redner sämtlicher Fraktionen sicherten den Feuerwehr-Forderungen uneingeschränkte Unterstützung zu. Dezernent Henno Pirmann lehnte aber Forderungen ab, die erste Phase der Personalaufstockung sofort zu starten: Dafür brauche man erst den Haushalt 2019.