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Keine Investoren gefunden
LVIM will Klinik-Gebäude abreißen

Ein Käufer hat sich nicht gefunden, jetzt soll das Evangelische Krankenhaus in Zweibrücken weichen.
Ein Käufer hat sich nicht gefunden, jetzt soll das Evangelische Krankenhaus in Zweibrücken weichen. FOTO: Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Der diakonische Träger, dessen Fusion mit den Diakonissen Speyer-Mannheim zum 1.1. 2019 seit dieser Woche besiegelt ist, hat keine Käufer gefunden. Von Eric Kolling

Es sind die letzten Aktivitäten des Landesvereins für Innere Mission in der Pfalz (LVIM): Am Mittwoch hat seine Mitgliederversammlung einstimmig seine Auflösung zum Beginn 2019 beschlossen. Damit wurde nach 114 Jahren das Ende des 1904 gegründeten diakonischen Trägers besiegelt. Hintergrund ist die Fusion mit den Diakonissen Speyer-Mannheim, unter deren Namen und in deren Trägerschaft die LVIM-Aktivitäten weitergeführt werden. Dies trifft auch für das Zweibrücker Seniorenzentrum Johann-Hinrich-Wichern-Haus und den Ambulanten Palliativ- und Hospizberatungsdienst Südwestpfalz zu, die mit gleichem Personal weiterbetrieben werden, erläutert LVIM-Sprecherin Susanne Liebold auf Anfrage. Für das Medizinische Versorgungszentrum Zweibrücken erarbeiteten Träger und Ärzte unabhängig von der Vereinigung gerade „eine tragfähige Zukunftslösung“. Betriebsbedingte Kündigungen gingen mit der Fusion nicht einher. Liebold: Sämtliche Beschäftigungsverhältnisse werden fortgeführt.“ Die Dienste des Ende 2015 nach der Trennung von Rainer Wettreck eingesetzten Vorstands Rainer Doll werden indes künftig nicht mehr benötigt. Er werde seine Arbeitskraft nach der Vereinigung „schwerpunktmäßig wieder in andere Projekte der Beratungsgruppe WTS/FAS in München“ einbringen. Für diese laut Website „global agierende Steuerberatungsgesellschaft mit angrenzender Rechtsberatung“ war Doll auch bisher tätig.

Die beiden übrigen Vorstandsmitglieder, die „Besonderen Vertreter“ Karlheinz Burger und Bianca Pfeuffer gehen wieder ausschließlich ihren Aufgaben bei den Diakonissen nach. Burger ist dort Kaufmännischer Vorstand, Pfeuffer leitet das Controlling.

Ein sichtbares Zeichen wird das Ende des LVIM in Zweibrücken haben: Das Gebäude des Evangelischen Krankenhauses in der Himmelsbergstraße soll „mittelfristig“ dem Erdboden gleich gemacht werden. Zwar habe der LVIM seit Mitte 2016 mit zahlreichen Interessenten über eine Nutzung oder einen Verkauf des Grundstücks und Gebäudes des Ex-EvK gesprochen. „In diesem Zusammenhang wurden auch zahlreiche Besichtigungen, technische und baufachliche Prüfungen des Gebäudes durchgeführt“, informiert LVIM-Vorstand Rainer Doll in einer Pressemitteilung. „Dennoch konnte bedauerlicherweise keine finanzierbare Lösung gefunden werden. Letztlich konnten wir keinen Interessenten für den Erwerb und die Weiternutzung des Gebäudes gewinnen.“



Nach Merkur-Informationen liefen die Gespräche bis kurz vor der LVIM-Mitgliederversammlung. Ein Streitpunkt dürfte dabei weniger der früher umstrittene Brandschutz sondern die Kosten für eine Gebäudeertüchtigung nach einem Betreiberwechsel gewesen sein. Laut Stadtsprecher Heinz Braun hätte ein Interessent bei einer Umnutzung des Jahrzehnte alten Gebäudes etwa in Sachen Brandschutz oder Wärmedämmung die aktuell geltenden Regelungen erfüllen müssen: „Genehmigungen laufen auf Grundlage der aktuell geltenden Vorgaben. Ausnahmen sind keine möglich.“

Für die vereinbarte übergangsweise Nutzung durch die Nardini Klinikum GmbH stehe das Gebäude weiter in vollem Umfang zur Verfügung, so der LVIM. Der Vertrag des Katholischen Krankenhauses läuft bis 2020 – dann soll in der Kaiserstraße ein Neubau mit zusätzlichen Betten stehen. Mit der Stadt Zweibrücken sollen laut Liebold „zeitnah Gespräche aufgenommen werden mit der Bitte zu prüfen, ob das Grundstück mittelfristig für eine positive Stadtentwicklung übertragen werden kann“. Wann ein Abriss erfolgen könnte, ist unklar. Der Mietvertrag mit der Radiologischen Praxis am Himmelsberg beispielsweise läuft noch bis 2022.

Laut früheren LVIM-Angaben könnte der Abriss mit 3,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. So viel wert ist nach LVIM auch das Grundstück selbst. Der Rückbau ist grundsätzlich ohne behördliche Genehmigung möglich, bekräftigt Stadtsprecher Heinz Braun. Für den Bereich gebe es keinen Bebauungsplan, im Flächennutzungsplan sei das Gelände als „Krankenhaus“ ausgewiesen. Drumherum befindet sich die brachliegende Fläche des alten Krankenhauses, die Bundeswehr, die Weiße Kaserne und Wohngebäude. Dass die Stadt das Gebäude kauft, erscheint sehr fraglich. Zumal der LVIM laut Liebold wohl nicht nur den symbolischen Preis von etwa einem Euro erzielen will. „Punkte wie die finanziellen Konditionen einer möglichen Übertragung des geräumten Grundstücks an die Stadt müssten bei städtischem Interesse im gemeinsamen Gespräch geklärt werden“, so Liebold.

Problematisch könnte im Falle eines Abrisses das Problem der Regenableitung werden. Sollte auch ein Pumpenhäuschen des Krankenhauses abgerissen werden, droht nach Merkur-Informationen der Hang oberhalb des Bahneinschnitts durch Regen instabil zu werden. Das Stadtbauamt wusste laut Stadtsprecher Heinz Braun gestern allerdings nichts von dieser Problematik.

Auch die ans Hauptgebäude baulich und technisch angeschlossene Kapelle soll weichen, sobald das Nardini-Klinikum das Gebäude nicht mehr nutzt. Aktuell finden dort kulturelle Veranstaltungen statt. Liebold erinnert daran, dass der LVIM und der „Verein Kapelle am Himmelsberg“ sich im Herbst 2017 bewusst nur auf eine vorübergehende Nutzung geeinigt hätten.