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„Europäischen Polenkönig-Stanislaus-Route“
Eine Straße durch Europa ehrt König Stanislaus

 Vor dem Zweibrücker Schloss verlässt Kutscher Werner Euskirchen, Hauptinitiator der „Europäischen König-Stanislaus-Route“, mit einer historischen Kutsche die Stadt in Richtung Wissembourg im Elsass. König Stanislaus musste Zweibrücken 1719 nach fünfjährigem Exil mit seinem Gefolge verlassen.
Vor dem Zweibrücker Schloss verlässt Kutscher Werner Euskirchen, Hauptinitiator der „Europäischen König-Stanislaus-Route“, mit einer historischen Kutsche die Stadt in Richtung Wissembourg im Elsass. König Stanislaus musste Zweibrücken 1719 nach fünfjährigem Exil mit seinem Gefolge verlassen. FOTO: Manfred Voltmer
Zweibrücken/Lunéville. Stanislaus Leszczynski hinterließ in der Region große Spuren – etwa die Fasanerie in Zweibrücken. Am Samstag geben der Zweibrücker Oberbürgermeister und Politiker aus Frankreich und Polen den Startschuss für eine touristische Stanislaus-Route. Von Manfred Voltmer

In der Kapelle des Schlosses der französischen Gemeinde Lunéville wird am kommenden Wochenende feierlich eine neue Europa-Straße proklamiert. Mit dabei sein werden der Zweibrücker Oberbürgermeister Marold Wosnitza, der Bürgermeister von Lúneville und ein Vertreter aus Leszno. Die Route verbindet alle europäischen Städte, in denen der legendäre Polen-König Stanislaus Leszczynski gelebt und gewirkt hat: Von Stockholm über Zweibrücken, Homburg, Blieskastel, Wissembourg, Nancy und Lunéville bis ins polnische Leszno und seine heute zur Ukraine gehörende Geburtsstadt Lemberg. Und diese neue Route soll natürlich Touristen locken.

Vor genau 300 Jahren musste Stanislaus bekanntlich seine Exilheimat Zweibrücken verlassen, um danach eine weitere steile politische Karriere zu starten. Zweimal war er König von Polen, zweimal musste er August dem Starken von Sachsen auf dem Thron weichen. Durch die Heirat des französischen Königs Ludwig XV. mit Stanislaus’ Tochter Maria wurde diese auch Königin von Frankreich, und der Pole Schwiegervater des Herrschers in Versailles. Der polnische Ex-König wurde fürstlich belohnt: Er stieg nach seinem politischen Exil in Zweibrücken zum Herzog von Lothringen auf, wo er in Nancy die zum Weltkulturerbe gehörende „Place Stanislas“ bauen ließ. Bei der Bevölkerung war er mit seinen sozialen und kulturellen Taten sowie durch den wirtschaftlichen Aufschwung in der Region beliebt.

Aber der Reihe nach: Stanislaus wurde 1677 in Lemberg, dem heutigen Lwiew, geboren. Seine polnische Adelsfamilie war eng mit dem schwedischen König Karl XII. verbunden. Durch dessen politischen Einfluss wurde er mit 27 Jahren zum König von Polen ernannt. Sein von Russland unterstützter Konkurrent August der Starke von Sachsen, der ebenfalls auf den Thron spekulierte, hatte 1704 das Nachsehen. Aber nur fünf Jahre später kam der Sachse dann doch zum Zug. In der Schlacht von Poltawa siegte Zar Peter I. über die polnisch-schwedischen Truppen. Der Schwedenkönig floh mit seinem Freund, dem abgesetzten Polenkönig Stanislaus, nach Bender am Schwarzen Meer.



Erst fünf Jahre später kam wieder Bewegung in das politische Leben von Stanislaus. Der Schweden-König bot dem Polen Asyl in Zweibrücken an. Dazu muss man wissen, dass der Herrscher aus Skandinavien auch gleichzeitig Herzog der pfälzischen Region war, zu der damals auch Teile des heutigen Saarlandes, Elsass und Lothringen gehörten.

Die polnische Königs-Familie verlebte in der Saar-Pfalz-Region fünf überwiegend unbeschwerte Jahre. Stanislaus durfte sich in Zweibrücken sogar ein kleines Schloss bauen: Die Sommer-Residenz Tschifflik, heute bekannt als „Fasanerie“.

Allerdings musste Stanislaus mit seiner Familie während seines Asyl-Exils auch einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Mit erst 18 Jahren starb unerwartet seine Tochter Anna. Spekuliert wurde über ein Gift-Attentat, das eigentlich ihrem Vater gegolten haben soll – in Auftrag gegeben von Widersacher August dem Starken von Sachsen. Stanislaus ließ Anna bekanntlich im Kloster Gräfinthal im Bliesgau beisetzen. Ihre seit der französischen Revolution verschollenen Gebeine wurden vor wenigen Jahren wiederentdeckt und 2017 dort feierlich erneut bestattet.

August der Starke soll auch für einen weiteren schweren Zwischenfall verantwortlich gewesen sein: In einem Waldstück bei Kirkel versuchten getarnte Räuber, den polnischen Ex-König zu entführen, als dieser mit seiner Kutsche auf dem Weg nach Blieskastel war. Aber Stanislaus war wohl vorgewarnt und konnte mit seinem bewaffneten Gefolge den Angriff abwehren.

1719, genau vor 300 Jahren, heißt es erneut umziehen für den Ex-König Stanislaus und seine Familie: Er flieht von Zweibrücken ins elsässische Wissembourg, in sein neues Exil, diesmal vermittelt durch einen weiteren treuen Protektor, den französischen König Ludwig XV.

Der Grund: Sein längjähriger Freund, der schwedische König Karl XII. und Herzog von Zweibrücken, ist in einer Schlacht an der Ostsee kurz zuvor tödlich verwundet worden. Die politischen Machtverhältnisse begannen sich erneut zu verschieben. Nach der Heirat mit der attraktiven Stanislaus-Tochter Maria ernennt ihn Ludwig XV. zum Herzog von Lothringen, wo er bis zu seinem Tod 1766 in Nancy und im Schloss von Lunéville – dort ist er mit 89 Jahren an den Folgen einer Brandverletzung gestorben – erfolgreich gewirkt hatte.

Zuvor aber hatte Stanislaus zum zweiten Mal königliche Karriere gemacht, wenn auch nicht für sehr lange Zeit: Durch den politischen Einfluss von Ludwig XV. konnte Stanislaus 1733 erneut den polnischen Thron besteigen. Doch drei Jahre später wurde er schon wieder von seinem Erzrivalen August dem Starken von Sachsen besiegt, und Stanislaus musste erneut abdanken. Aber die Aussicht auf eine Rückkehr in sein ruhiges und friedliches Leben als Herzog in der lothringischen „Provinz“ dürfte ihm seine Demission nicht allzu schwer gemacht haben.

An dieses ereignisreiche Fürstenleben und die Spuren, die es in ganz Europa hinterlassen hat, soll die neue touristische Stanislaus-Route erinnern. Mit der Proklamation in Lúneville wird am Samstag der Plan offiziell, für den der Zweibrücker Kurier des Herzogs (Werner Euskirchen) und seine Deutsch-Polnische Gesellschaft seit Jahren, mindestens seit Anfang 2017, von Zweibrücken aus werben.