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200 Jahre Kirchenunion in der Pfalz
Ernstweiler waren sich schon früher einig

447 Protestanten stimmten in Ernstweiler am 14. November 1817 für die Vereinigung.
447 Protestanten stimmten in Ernstweiler am 14. November 1817 für die Vereinigung. FOTO: Zentralarchiv der Protestantischen Kirche
Ernstweiler. Regionale Kirchengeschichte: Insgesamt gab es vor dem Zusammenschluss der Protestanten in der Pfalz 81 Lokalunionen. Von Norbert Rech

Vor 200 Jahren haben sich die Protestanten in der Pfalz zur Kirchenunion vereinigt. Das Jubiläum wurde kürzlich in Kaiserslautern gefeiert. Doch die ersten Zusammenschlüsse gab es bereits ab 1817, als sich rund 80 Gemeinden zu „Lokalunionen“ im damals bayerischen Rheinkreis vereinten. „Darunter war auch Ernstweiler“, informiert Rheinhard Scheller, der dort heute als Pfarrer tätig ist.

Am 14. November 1817 haben 338 reformierte und 109 lutherische Familien hier für die Vereinigung gestimmt, so die Recherche von Christine Lauer, der stellvertretenden Leiterin des landeskirchlichen Zentralarchivs in Speyer. Es sei lediglich eine Handvoll Ernstweiler gewesen, die aus nichtigen Gründen nicht oder erst später unterzeichneten.

Natürlich gab es auch schon früher protestantische Christen in der Pfalz. Es gab sogar zwei Gruppen davon, nämlich Reformierte und Lutheraner, die wie in den meisten anderen Gebieten Deutschlands mal mehr und mal weniger friedlich nebeneinander existierten. Die Einigung in der Abendmahlsfrage bildet den Kern der Union. Aus der lutherischen Hostie und dem reformierten Kranzkuchen wird das Unionsbrot.



Anstoß war wohl die gemeinsame 300-Jahr-Feier der Reformation 1817. Danach haben dann die Pfälzer Protestanten die Weichen für die Kirchen-Vereinigung gestellt, die für den gesamten Bereich der bayerischen Rheinpfalz 1818 erfolgte. Vorher verfügte der bayerische König eine Abstimmung in allen evangelischen Gemeinden, ob eine Synode eine Union der bisher getrennten protestantischen „Religionsparteien” auf den Weg bringen sollte. Nachdem die Befragten mit überwältigender Mehrheit für eine Vereinigung gestimmt hatten, fand im August 1818 in Kaiserslautern die Unionssynode statt. Es war die Geburtsstunde der protestantischen Kirche der Pfalz.

Bisher gingen Historiker statt 81 von insgesamt nur 25 bis 30 pfälzischen Gemeinden aus, die die Vereinigung schon vor der offiziellen Abstimmung auf lokaler Ebene vollzogen hatten. Diese Lokalunionen seien nicht immer nur von den Pfarrern ausgegangen, sondern oft auch von den Gemeinden und Presbyterien.

„Die hohe Zahl unterstreicht – neben der vom König verfügten und im Februar-März durchgeführten Volksabstimmung –, dass die Pfälzer Kirchenunion in der Tat eine an der Basis, in den Gemeinden, fest verankerte Bewegung war“, erklärt Kirchenpräsident Christian Schad in einem Brief zu dem Jubiläum. Nach Unterlagen des Archivs gab es vor der ersten Union in der Pfalz 123 lutherische und 127 reformierte Gemeinden. Zu den ersten Lokalunionen gehören aus der Region unter anderem auch Zweibrücken, Contwig, Battweiler, Hornbach (mit Brenschelbach, Mauschbach, Dietrichingen, Althornbach, Rimschweiler), Rieschweiler, Winterbach, Käshofen, Wiesbach, Mimbach und Mittelbach (mit Ixheim).