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"Entweder rücksichtlos oder planlos"

Zweibrücken. Die Stellenstreichungen in der JVA Zweibrücken werden deutlich härtere Folgen haben als vom rheinland-pfälzischen Justizministerium und Anstaltsleiter Albert Stürmer in der Merkur-Osterausgabe dargestellt. Davon ist Robert Grünnagel, Zweibrücker Ortsvorsitzender der Gewerkschaft Strafvollzug (BSBD), überzeugt Von Merkur-Redakteur Lutz Fröhlich

Zweibrücken. Die Stellenstreichungen in der JVA Zweibrücken werden deutlich härtere Folgen haben als vom rheinland-pfälzischen Justizministerium und Anstaltsleiter Albert Stürmer in der Merkur-Osterausgabe dargestellt. Davon ist Robert Grünnagel, Zweibrücker Ortsvorsitzender der Gewerkschaft Strafvollzug (BSBD), überzeugt. Grünnagel erinnert daran, dass nach einem spektakulären gewaltsamen Ausbruch im Jahr 2000 aus der JVA Trier endlich 150 neue Stellen in den rheinland-pfälzischen Justizvollzugsanstalten geschaffen worden seien. "Wenn diese Stellen nun wieder abgebaut werden sollen, so verkennt man, dass es immer noch Anstalten mit Überbelegung gibt wie die JVA Zweibrücken", schreibt Grünnagel. Die Zweibrücker Bediensteten trügen die Überbelegung "mit all den damit verbundenen Belastungen und Gefahren seit Jahrzehnten klaglos und werden nun dafür ,belohnt', indem man im Verhältnis zu den übrigen Anstalten in Zweibrücken die meisten Stellen des Landes kürzt, ohne Rücksicht auf die besonderen Begebenheiten und Aufgaben der JVA Zweibrücken. So etwas kann man entweder rücksichtslos oder planlos nennen", kritisiert der Gewerkschafter. Und fragt: "Wenn nun diese Bediensteten aus dem Bereich der Sicherheit wieder eingespart werden, wie soll es dann bei dem gleichen Sicherheitsstandard bleiben?" Jahrzehntelange Erfahrung zeige, dass nicht teure und fehlerträchtige Technik die Sicherheit für die Bevölkerung bringe, sondern der Grad des Personaleinsatzes mit dem direkten Kontakt zu den Insassen: "Alle Praktiker wissen das. Aber die vollzuglich Unerfahrenen entscheiden!"Bei dem nächsten großen Vorkommnis in einer JVA des Landes werde die Gewerkschaft das Justizministerium "an seiner Aussage messen, dass die Personalkürzungen wegen der technischen Verbesserungen keine Auswirkungen auf einen ,reibungslosen Arbeitsablauf' haben werden". Zudem werde es aufgrund des geplanten neuen Landesstrafvollzugsgesetzes "zu einer deutlichen Mehrbelastung kommen", erwartet Grünnagel. "Es wäre daher notwendig, das Personal zu verstärken. Das Gegenteil ist der Fall. Wer soll das verstehen?" Schon heute führe die Belastung der Strafvollzugsbediensteten zu einer sehr hohen Krankheitsquote. Grünnagel: "Wir fordern die Politik auf, für die Gesunderhaltung der Bediensteten des Strafvollzuges im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht zu sorgen, indem man die jetzt schon massiv belasteten Bediensteten entlastet und nicht noch zusätzlich belastet."

Grünnagel schließt mit einem Appell: "Vielleicht sollte man ja einmal die Bevölkerung befragen, ob sie diesen personellen Sparmaßnahmen zustimmt und ob sie dieses Sparen mit einem höheren Risiko für sich selbst überhaupt will?"



"Vielleicht sollte man ja einmal die Bevölkerung fragen."

Robert Grünnagel, Gewerkschafter