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Serie Die Zweibrücker Oberbürgermeister-Kandidaten (Teil 3 von 6)
„Ich vertrete die kleinen Leute“

Atilla Eren ist Bürgernähe wichtig, weshalb er sich als Wunschort für das Merkur-Kandidatenporträt den Hobbit-Biergarten ausgesucht hat.
Atilla Eren ist Bürgernähe wichtig, weshalb er sich als Wunschort für das Merkur-Kandidatenporträt den Hobbit-Biergarten ausgesucht hat. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Amtsleiter, die nicht gut genug arbeiten, „können nur hoffen, dass ich die Wahl nicht gewinne“, sagt OB-Kandidat Atilla Eren: „Die müssen schon Panik haben!“ Von Lutz Fröhlich

Er tritt ohne Unterstützung irgendeiner Partei an, saß noch nie im Stadtrat, hat in keiner Verwaltung gearbeitet und ist ein Gerüstbauer und Ex-Türsteher ohne akademische Ausbildung. Nicht gerade die klassische deutsche Vita, um eine Stadtverwaltung zu führen. Doch Atilla Eren ist überzeugt: „Ich werde Oberbürgermeister von Zweibrücken.“

„Ich vertrete die kleinen Leute. Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker, bei mir sind alle gleich“, erklärt Eren, warum er in Gesprächen und öffentlich auf Facebook Unterstützung von vielen Leuten bekommt, die selbst kaum miteinander reden würden, weil ihr Herz politisch sonst eher für Die Linke oder für die AfD schlägt. Aber „gefällt mir“-Klicks erhält Eren oft auch aus klassisch bürgerlichen Kreisen, darunter Ex-Oberbürgermeister Helmut Reichling. CDU-Politiker Christoph Gensch wünschte Eren auf Facebook viel Erfolg für seine OB-Kandidatur, als er diese 2016 erstmals in Aussicht stellte. Und in einer – natürlich nicht repräsentativen – Wahl-Umfrage in der Facebook-Gruppe „Zweibrücken“ liegt Eren bei einer satten Zweidrittel-Mehrheit. „Ich kriege alles erzählt: Rechte, Linke, die kommen alle mit mir klar, die akzeptieren auch meine Meinung“, sagt Eren dazu.

Die „kleinen Leute“ sind dem 50-Jährigen auch im Rathaus wichtig. „Am Personal würde ich nie sparen. Denn die kleinen Leute machen die Arbeit.“ Mitte Juli hatte Eren für Aufsehen gesorgt, nachdem er im Merkur gesagt hatte, im Rathaus gebe es viele Defizite, die er auch mit harter Hand angehen würde: „Ein Amtsleiter, der seine Arbeit nicht richtig macht, kann nicht auf seinem Platz bleiben. Der muss eine Etage weiter runter.“ War es klug, derart Menschen Angst zu machen, die doch einem Oberbürgermeister ohne Verwaltungserfahrung den Amtsantritt erleichtern könnten? Eren antwortet: „Sie müssen schon Panik haben! Die können nur hoffen, dass ich nicht gewählt werde.“ Um Rat würde er im Rathaus als OB ohnehin lieber „ein kleines Licht“ fragen, „die können mir auch helfen und brauchen andererseits mehr Unterstützung von oben“. Zudem habe er in Verwaltungsdingen „einen Riesen-Beraterstab, viele davon sind sehr erfahren“. Namen dürfe er nicht verraten.



Der letzte parteiunabhänige Zweibrücker OB, Professor Helmut Reichling, hatte 2004 bis 2012 viele Probleme im Stadtrat und in der Verwaltung. „Er ist gescheitert“, sagt Eren. Das sehe er aber nicht als schlechtes Omen für sich, denn: „Er war zu gut, er ist ein guter Mensch. Der hat nicht die Ader wie ich. Wenn mich jemand in die Pfanne haut, lasse ich nicht locker.“

„Ich will nicht ,herrschen’, sondern Leute einbinden“, verdeutlicht Eren seinen angestrebten Stil im Umgang auch mit Bürgern. Anliegerversammlungen wie kürzlich wegen der Sanierung der Niederauerbacher Hofenfelsstraße würde er als OB nicht erst ansetzen, wenn alles schon beschlossen ist: „Man muss die Leute vorher fragen und dann die Planung machen, dann erreicht man meist ein besseres Ergebnis.“

Schreckt potenzielle Wähler nicht das Risiko, einen derart unkonventionellen Kandidaten wie Eren mit der Leitung einer 670 Mitarbeiter großen Verwaltung zu betrauen? Eren antwortet: „Ein Risiko ist immer dabei. Aber wenn Zweibrücken ganz kaputtgehen soll, muss man alles so weiterlaufen lassen. Ich kriege oft gesagt, es kann ja nicht mehr schlechter werden. Wenn man sich um nichts kümmert, kann auch nichts laufen.“ Viele hätten ihm auch nicht zugetraut, eine Gerüstbau-Firma zu leiten: „Mir wurde prophezeit, die sei in einem Jahr zu. Und jetzt läuft sie seit 2005!“

Wenig hält Eren vom Bahnhofsgebäude-Kauf: „Das ist Populismus, um gut dazustehen vor der OB-Wahl. Ich hoffe, dass die Leute da nicht drauf anspringen!“ Denn in dem Gebäude müsse viel saniert werden, das koste mindestens so viel wie der Kauf, „am Ende ist man bei einer Million Euro“. Die Stadt-Tochter Gewobau damit zu belasten, könne sich die hoch verschuldete Stadt nicht leisten.

Wo er als OB sparen würde, könne er noch nicht sagen, er werde aber in den ersten 100 Tagen einen Kassensturz machen.

Erens Wahlkampfmotto ist „Geht nicht gibt’s nicht“. Obwohl die Schließung des Evangelischen Krankenhauses ein Entscheidung des Trägers LVIM (unterstützt von der Landesregierung) war, gab es damals in Zweibrücken viel Kritik an OB Pirmann, er habe nicht genug für das Krankenhaus getan. Mehr gehe leider nicht, sagten damals Pirmann und die SPD. Was wäre mit Eren als OB gegangen? „Da würde ich den Kurt schlechtmachen, das sollte man nicht, wenn die Leute tot sind“, antwortet Eren. „Was ich gemacht hätte, wüsste ich aber.“

Mehr tun in Zweibrücken wolle er unter anderem für Kindergarten-Plätze (die Wartezeiten seien zu lang) und für die Sicherheit: „Das ist für mich wie im Gerüstbau: Sicherheit geht vor!“ Weil sie zu wenig Personal hätten, zeigten Polizei und Ordnungsamt „zu wenig Präsenz“.