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Gewalt gegen Helfer
Einmütige Forderung nach höhere Strafen

 Im Bereich der Polizeidirektion Pirmasens wurden innerhalb nur eines Jahres 88 Fälle von Gewalt gegen Polizisten. Bei der Feuerwehr (Symbolbild) gab es solche Fälle zumindest in Zweibrücken zum Glück nicht.
Im Bereich der Polizeidirektion Pirmasens wurden innerhalb nur eines Jahres 88 Fälle von Gewalt gegen Polizisten. Bei der Feuerwehr (Symbolbild) gab es solche Fälle zumindest in Zweibrücken zum Glück nicht. FOTO: picture-alliance / dpa/dpaweb / Timo_Jann
Zweibrücken/Mainz. Wer Notfallhelfer behindert oder sogar attackiert, soll schärfer belangt werden. Das fordern auch ASB, DRK und Feuerwehr in Zweibrücken. 2016 wurden hier 23 Polizisten durch Attacken verletzt. Von Eric Kolling

Wer Notfallhelfer anpöbelt oder attackiert, wird zu selten zur Rechenschaft gezogen. Das hat aktuell der Rettungsdienst für Mainz und Rheinhessen im Südwestrundfunk kritisiert, Angriffe gegen Notfallhelfer würden zu selten strafrechtlich verfolgt. Ein leitender Notarzt berichtete, dass nur ein Bruchteil der Anzeigen zu einer Bestrafung der Täter geführt. Fast 100 Rettungssanitäter sind laut Mainzer Innenministerium 2017 im Einsatz bedroht worden, landesweit wurden 1620 Übergriffe auf Einsatzkräfte registriert, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) im Interview mit dem SWR-Politikmagazin „Zur Sache Rheinland-Pfalz“. Davon seien 1517 auf Polizisten, 13 auf Feuerwehrleute und die übrigen auf Sanitäter verübt worden. Bei der Hälfte der Attacken sei Alkohol im Spiel gewesen.

Ein langjähriger Notfallsanitäter in Mainz hatte berichtet, dass die Attacken von Respektlosigkeiten, über Beschimpfungen, Beleidigungen und Bedrohungen bis zu körperlicher Gewalt reichten. Innenminister Roger Lewentz (SPD) appellierte an die Justiz, die mögliche Höchststrafe auch zu verhängen: „Nach meiner Einschätzung sind die Rahmenbedingungen gut. Die müssen dann auch ausgeschöpft werden. Wenn jemand für eine Straftat mit einem Höchstmaß von fünf Jahren Haft belegt wird, dann dient das der Abschreckung. Und da würde ich mir wünschen, dass die besondere Situation von Menschen, die anderen helfen, gewürdigt wird.“

Auch in Zweibrücken ist das Thema aktuell. Zahlen für 2017 würden zwar erst im März vorgestellt. Aber wie das Polizeipräsidium Westpfalz auf Merkur-Anfrage weiter mitteilte, gab es 2016 im Bereich der Polizeidirektion Pirmasens 88 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte. Dabei seien 42 Beamte verletzt worden, die an insgesamt 25 Arbeitstage ausfielen. 23 Beamte in Zweibrücken seien betroffen gewesen. Eine Stellungnahme zu den betroffenen Zweibrücker Kollegen und den Attacken wollte Sprecher Jürgen Seel nicht abgeben.



Vertreter der hiesigen Rettungsdienste äußerten sich indes zum Thema. DRK-Kreisgeschäftsführer Mario Sauder erklärte: „Ich habe kein Verständnis für solche Ausschreitungen, auch wenn man meint, dass das Rettungsfahrzeug zu spät vor Ort war, sollte man eher helfen, statt zu kritisieren.“ Auch verbale Gewalt sei gegenüber den Helfern unangebracht, findet Sauder. Entsprechende Vorfälle sollten definitiv stärker verfolgt werden, da man jährlich damit zu kämpfen haben. Damit liegt er auf einer Wellenlänge mit Tassilo Wilhelm, dem Geschäftsführer des ASB Zweibrücken: „Es ist absolut tabu, Retter, deren Intention zu helfen ist, sowohl verbal als auch tätlich anzugreifen!“ Glücklicherweise habe es gegenüber seinen Leuten in Zweibrücken wenigstens keine körperlichen Angriffe gegeben, doch von verbalen Ausfällen weiß er zu berichten: „Es kann natürlich einmal vorkommen, dass die Menschen etwas aggressiver sind, wenn wir beispielsweise zu einer Schlägerei gerufen werden.“

Das ist bei den Floriansjüngern ähnlich. Stadtfeuerwehrinspekteur Frank Theisinger sagt aber: „Glücklicherweise gab es in den letzten 15 Jahren keine derartigen Vorfälle bei der Zweibrücker Feuerwehr.“ Bei Einsätzen konzentrierten er und seine Männer sich auf die Hilfe – man wolle da nicht von pöbelnden Menschen empfangen werden. Daher spricht er auch er sich für höhere Strafen aus.

Notfallsanitäter indes sollen künftig landesweit verstärkt geschult werden. Mainzer Kollegen, die Vorreiter waren, sollen im Rahmen der Kampagne „Helfer sind tabu“ auf solche Situationen vorbereitet werden. Der Rettungsdienst für Mainz und Rheinhessen will Schulungen im Land anbieten. Zu diesem Zweck sei die Kampagne „Helfer sind tabu“ in einen Verein überführt worden. Bis zu 50 Helfer sollen in diesem Jahr geschult werden. So soll auch einem anderen Effekt begegnet werden: dem schwindenden Interesse junger Menschen, Notfallsanitäter zu werden.