| 23:28 Uhr

Streit um Windenenergie
Eine Windradzone mit vielen Fragezeichen

Die Windräder bei Hengstbach sind passé, auf der Weißen Trisch sollen sie offenbar unbedingt kommen – trotz Bedenken.
Die Windräder bei Hengstbach sind passé, auf der Weißen Trisch sollen sie offenbar unbedingt kommen – trotz Bedenken. FOTO: dpa / Jens Büttner
Zweibrücken. Während die Stadt das Projekt Buchwald abschreibt, will sie Windräder auf der Weißen Trisch trotz großer Einwände der Fachbehörden erlauben. Steht im Hintergrund schon EnBW in den Startlöchern? Heute entscheidet der Bauausschuss des Stadtrats. Von Eric Kolling

Auch wenn Windräder bei Mittelbach-Hengstbach nicht kommen sollen, bleiben im Vorfeld der heutigen Bauausschusssitzung (Ratssaal, 17 Uhr) viele Fragen offen. Denn übrig bleibt die kaum minder umstrittene Konzentrationszone „Auf der Weißen Trisch“ bei Ernstweiler. An der will die Stadt laut Beschlussvorlage festhalten. Der Beigeordnete Henno Pirmann (SPD) hatte darauf verwiesen, dass sich hier, anders als bei der Zone „Buchwald“ kaum Bürger im Anhörungsverfahren gemeldet hatten.

Doch die Fachbehörden meldeten sich. Etwa die Bundeswehr, die nicht zuletzt um die Flugsicherheit bangt. Oder das saarländische Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz, das auf erhöhte Lärmbelastung im Kontext mit den dort schon bestehenden Rädern hinweist. Oder der Zweibrücker Naturschutzbund (Nabu), der schon im Januar auf vielfältige Probleme bei der Begutachtung durch das Büro Argus Concept hingewiesen hatte (wir berichteten). Seine Kritik unter anderem: Dort wo die Räder hin sollen, verläuft ein Flugkorridor für Rotmilane. Auch das saarländische Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz greift den Punkt auf. Und selbst die Untere Naturschutzbehörde, der UBZ, meldet (nicht nur in dem Punkt) Bedenken an.

Als zwischen 2011 und 2013 schon einmal Windräder auf der Weißen Trisch geplant waren, hatte das Büro Argus Concept sie noch wegen der Tötungsgefahr für Rotmilane abgelehnt. Jetzt klingt das etwas anders. Argus erklärt unter Verweis auf die Erkenntnisse aus dem Bundesimmissionsschutz-Verfahren zu dem auf Homburger Seite errichteten Windpark zwar wieder, dass Windräder negative Folge für Feldlerchen, Wachteln, Rot- und Schwarzmilane haben dürften. Es fordert auch „detaillierte avifaunistische Untersuchungen sowie ggf. Aktionsraumanalysen“ etwa für die Milane. Allerdings erst später, auf der Ebene der Genehmigungsplanung. Wenn also ein Investor da ist und einen konkreten Bau beantragt hat.



Die Stadt übernimmt die Argumentation. Tenor: Hauptsache, die Windräder sind im Flächennutzungsplan erst einmal ausgewiesen. Alles weitere ergibt sich dann. Der UBZ weist auf einen „Planungsschaden“ hin, der entstehen könnte, wenn ein Investor in einer ausgewiesenen Zone in einem selbst zu erstellenden Artenschutzgutachten keine Standortgenehmigung bekäme. Daher hält der UBZ eine sofortige Aktionsraumanalyse für nötig. Auch Gerhard Herz vom Zweibrücker Nabu findet die Stadt-Sichtweise fatal, hätte doch in seinen Augen nach einer Ausweisung ein Investor sofort einen gewissen Zugriff auf das Gelände: „Das ist dann schwieriger zu stoppen oder umzubiegen, als wenn von vorneherein gesagt wird, das Gelände ist ungeeignet.“ So wie 2013 nach der von Argus bestätigten Raumnutzungsanalyse geschehen.

Laut Stadt ist diese allerdings schon 2011/12 erstellt worden und damit zu alt, um sie für den aktuellen Fall noch heranzuziehen. Sie würde nur bis zu fünf Jahre gerichtlich anerkannt. Außerdem fliege der Rotmilan, salopp ausgedrückt, vielleicht jetzt gar nicht mehr so oft dort entlang. Horststandorte veränderten sich. Laut Herz fliegen dort heute allerdings eher sogar mehr Milane und andere Vögel vorbei, sie landen nach seiner Beobachtung auf der Deponie in der Halle, in der seit Jahresbeginn die Grünschnittabfälle lagern. Er kündigte eigene Untersuchungen und Zählungen auf der Weißen Trisch an.

Insgesamt sieht die Stadt eine „realistische Genehmigungsperspektive“ für Windräder. Man müsse eine Flächenvorsorge für die kommenden zehn bis 15 Jahre betreiben. „Ob eine oder mehrere Anlagen auf dieser Fläche genehmigungsfähig sein können, muss daher einer konkreten Einzelfallprüfung im Zuge einer Genehmigungsplanung vorbehalten bleiben“, heißt es in der Verwaltungsstellungnahme.

Derweil hat Stromriese Energie Baden-Württemberg (EnBW) offenbar schon seine Fühler nach dem Standort ausgestreckt. Das Unternehmen betreibt bereits die Windräder auf Homburger Seite der Weißen Trisch. Nabu-Verantwortliche hatten vor zwei Monaten mutmaßliche Gutachterinnen mit Spezialausrüstung auf dem Gebiet beobachtet. Eine Nachfrage bei der Stadt habe inzwischen ergeben, dass EnBW eine Begutachtung des Geländes bezüglich Tier- und Pflanzenwelt durchgeführt habe. Bürgermeister Christian Gauf (CDU) hatte Nabu-Chef Gerhard Herz mitgeteilt, dass die Gutachterinnen wohl in EnBW-Auftrag unterwegs waren. Gauf selbst war gestern Nachmittag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.