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Biker-Fest
Eine standesgemäße Biker-Hochzeit

Kindergartenkinder gratulierten dem Brautpaar Peter und Sonja Winter (vorne), gefolgt von Pfarrer Tilo Brach.
Kindergartenkinder gratulierten dem Brautpaar Peter und Sonja Winter (vorne), gefolgt von Pfarrer Tilo Brach. FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. 5000 Motorradbegeisterte feierten im Niederauerbacher Gewerbegebiet ein ganz spezielles Fest – mit einem außergewöhnlichen Höhepunkt. Von Cordula von Waldow

Das Zweibrücker Bikerfest an der Route 66 gibt es so lange, wie die Bikerkneipe im Niederauerbacher Gewerbegebiet besteht. In diesem Jahr feierten rund 5000 Motorradbegeisterte von nah und fern gleich zwei Premieren. Zum ersten Mal fand eine Biker-Hochzeit an der Route 66 statt. Route-Stammgast Peter Winter und seine Ehefrau Sonja hatten sich diesen Rahmen für ihre kirchliche Trauung ausgesucht. „Hier haben wir uns im Januar wieder getroffen“, erzählte das Ehepaar. Beide gehörten 1985 zu den Gründungsmitgliedern des Clubs Moto-Tramps in Reifenberg. Nachdem der Club 1995 aufgelöst wurde, hatten sich die Leiterin der evangelischen Kita Röntgenstraße und der Heilerzieher an der Klinik in Lautzkirchen aus den Augen verloren.

Peter Winters handgeschriebene Beileidskarte zum Tod von Sonjas Mann, eines Kollegen, führte nach über 20 Jahren zu dem Treffen und der neuen Liebe. Die Trauung nahm Pfarrer Tilo Brach aus Winterbach vor, selbst Motorradfahrer und auch über seine jährlichen Biker-Gottesdienste in der Szene bekannt. „Auch für mich ist dies eine Premiere“, berichtete er. Der Altar auf einem Biertisch wurde mit Motorradreifen, Bibel, Sonnenblumen und Brachs Motorrad-Kreuz gestaltet. Es ist gefertigt aus einer halben Bremsscheibe, Motorradketten und einem Zahnrad.

In einem großen Corso geleiteten Biker-Freunde und Angehörige das Brautpaar auf seiner Indian-Maschine von der Feuerwache zur Route 66, stilecht angeführt von dem Pfarrehepaar Tilo und Elisabeth Brach im Trike.



Während das Brautpaar durch das Spalier der Kindergartenkinder mit selbst gebastelten Herzen schritt, tauschte der Pfarrer die Motorradjacke gegen den Talar. „So würde ich auch heiraten. Allerdings würde ich ein Kleid anziehen“, kommentierte Monika Freyler. Die Zweibrückerin ist Stammgast in der Route 66 und gehörte zu den zahlreichen Festgästen, die die Trauzeremonie verfolgten. Das Brautfahrzeug reihte sich bei den Bewerbern für die große Bike- und US-Car-Premierung ein.

Für Gerald Kaufmann aus Merzig, der seinen langjährigen Biker-Kollegen Peter Winter im Corso begleitet hatte, kommt als Sieger allerdings nur eine Harley in Frage. Deshalb gab er seine erste Stimme an das Modell Fat Boy. Überall wurde gefachsimpelt, Neuigkeiten geteilt, Fahrzeugteile und Zubehör getauscht, Freunde und Bekannte begrüßt.

Das Zweibrücker Bikerfest, vorwiegend für Harley Davidson und Shopper, ist im Laufe der Jahre gewachsen. „Das hat sich unter den vielen Clubs rumgesprochen. Die Besucher kommen auch aus Ludwigshafen oder Luxemburg. Es ist wie ein großes Familientreffen“, skizzierte Route-Wirt Manfred Behrend den Volksfest-Charakter. Um seinen Gästen regelmäßig etwas Neues zu bieten, hat er erstmals den Händler Günter Stass für Indian-Maschinen eingeladen, da sie im Portfolio zu Harley Davidson passe. Der Saarbrücker Händler präsentierte eine kleine Auswahl seiner Modelle und freute sich über das rege Interesse. „Passt, das ist ein guter Anfang“, fand er bereits am Nachmittag. „Eine alte moderne Marke mit neuem Design“, beschreibt er die Maschinen mit Indianerkopf und Flügel.

Werner Schramm kommt aus Bexbach, allerdings mit Bekannten im Auto und ohne seine italienische Moto-Guzzi. Er war vor ein paar Jahren schon einmal da und hatte in der Zeitung von dem Biker-Treff gelesen. „Das ist wie eine große Ausstellung wunderschöner Motorräder“, sagte er begeistert. Rund um die Route 66 war die Straße gesperrt. Hier reihten sich beiderseits Maschine an Maschine. Am Abend dann standen die Geselligkeit und die Livemusik von „The Last Gunslingers“ mit ihrem Deutschrock und der Rock-Blues-Band „Gnadenlos“ im Mittelpunkt.

Der 14. MOGO Winterbach (Motorrad-Gottesdienst) mit Pfarrer Tilo Brach findet statt am Sonntag, 19. August, um 11 Uhr am Dorfplatz in Winterbach. Es gibt Live-Musik und gutes Essen.