| 20:20 Uhr

Konzert im Wintergarten
Eine elektrisierende Kombination

 Oli Bott (Vibraphon) und Anna Carewe (Cello) begeisterten ihr Publikum mit Virtuosität und einem Programm von Bach bis zu den Beatles.
Oli Bott (Vibraphon) und Anna Carewe (Cello) begeisterten ihr Publikum mit Virtuosität und einem Programm von Bach bis zu den Beatles. FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. Mit Vibraphon und Cello bewegten sich Olli Bott Anna Carewe zwischen Klassik und Pop. Von Sebastian Dingler

(sedi) Auf die Kombination muss man erstmal kommen: ein Duo aus Vibraphon und Cello! Das hatte sich vor elf Jahren noch nicht mal einer der beiden Protagonisten Oli Bott und Anna Carewe ausgedacht, sondern ein gemeinsamer Musikagent. Der kannte beide recht gut und dachte, so erzählte es Bott nach dem Konzert, dass es bestimmt gut werde, was auch immer diese beiden spielen würden.

Dass er damit richtig lag, davon konnten sich etwa 70 Zuhörer im Wintergarten der Festhalle am Sonntagabend überzeugen. Als sich Bott, der Vibraphonist, zum ersten Mal mit Carewe, der englischen Cellistin, traf, habe man schon nach den ersten Tönen festgestellt, wie gut diese beiden Instrumente miteinander harmonieren. So ging es einem auch als Konzertbesucher: Die Wärme des Cellos und die schwebenden Vibraphonklänge verbanden sich auf wundersame Weise miteinander. Beide Instrumente eignen sich sowohl zum Begleiten als auch zum Solieren, und so konnten sich Bott und Carewe immer wieder gegenseitig die Bälle zuspielen.

Und welcher Komponist könnte sich dazu besser eignen als Johann Sebastian Bach? Vom Barockmeister („unser Lieblingskomponist“) hatten die beiden Musiker mehrere Stücke im Programm, da flogen die Melodielinien hin und her zwischen Metallplatten und Saiten, zwischen Klöppeln und dem Streichbogen.



Das Programm bestach auch durch Vielseitigkeit: Von Bach ging es da bis zu den Beatles, von mittelalterlichen Weisen bis zu Duke Ellington und Georges Bizet. Bekannte Melodien (Etwa Bachs „Air“ oder Piazzollas „Libertango“) wechselten sich dabei mit unbekannten Stücken ab, auch das hielt sich wunderbar die Waage.

Eine Spezialität des Duos war die Vermischung verschiedener Stücke miteinander: Ein Duetto von Bach ging da in die Jazznummer „Nothing Personal“ von Don Grolnick über und wieder zurück. Ein besonderer Moment entstand im Wintergarten, als von draußen offenbar noch eine gewisse Sabine mitspielen wollte: Die Windgeräusche des Sturmtiefs fügten sich während des modernen Stücks „God Music“ von George Crumb so gut in die Darbietung, dass sich das Publikum ein Lachen nicht verkneifen konnte. Anna Carewe machte dazu spaßeshalber ein völlig entgeistertes Gesicht.

Ansonsten war es eher Bott, der mit ausgiebiger Mimik und viel Bewegung sein Instrument bediente, Carewe am Cello bildete da eher den Ruhepol. Fast nicht nötig zu erwähnen, dass die beiden in Berlin wohnenden Musiker großartige Virtuosen am jeweiligen Instrument sind. Zwischen den „Blöcken“, die Stücke gingen ja wie gesagt häufig ineinander über, gaben beide Musiker interessante Erklärungen zu der jeweiligen Stilistik ab. Oder erzählten etwas über ihre Art und Weise des Zusammenspiels: „Es ist jedes Mal komplett anders, deswegen gefällt es mir so gut mit Oli zu spielen“, sagte da Carewe nach dem mit viel Improvisation gefüllten Jazz-Standard „Caravan“.

Diese Kombination der beiden Instrumente gebe es nach seinen Recherchen übrigens kein zweites Mal auf der Welt, meinte Bott hinterher. Da hat der Musikagent der beiden also ein feines Händchen bewiesen, ebenso die Mozartgesellschaft bei der Verpflichtung der beiden fürs Konzert in Zweibrücken. Das Publikum zeigte sich durchweg begeistert vom Facettenreichtum, der Virtuosität und dem abwechslungsreichen Repertoire.