| 22:09 Uhr

„Kultur in der Himmelsbergkapelle“
Eine beeindruckende Klangvielfalt

Die Himmelsbergkapelle bot einen schönen Rahmen für die Mitglieder des Pfälzer Drehorgel-Stammtischs.
Die Himmelsbergkapelle bot einen schönen Rahmen für die Mitglieder des Pfälzer Drehorgel-Stammtischs. FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. Das Drehorgelkonzert beim Verein „Kultur in der Himmelsbergkapelle“ überrascht und begeistert die Zuhörer.

Der Verein „Kultur in der Himmelsbergkapelle“ erhält mit seinen regelmäßigen Veranstaltungen nicht nur die ehemalige Krankenhauskapelle am Leben. Mit seinen vielfältigen Programmen ist der Verein eine große Bereicherung für das kulturelle Leben in Zweibrücken, weil dort auch ganz Außergewöhnliches dargeboten wird. Fast niemand der gut 100 Gäste in der nahezu voll besetzten Himmelsbergkapelle hatte schon einmal ein Drehorgelkonzert erlebt – und schon gar keines mit gleich vier Drehorgelspielern. Fasziniert lauschten sie am Freitagabend der beeindruckenden Klangvielfalt der einzelnen Instrumente.

Die beiden größten 20/78-Konzertorgeln von Herbert Göttel aus Landstuhl und Gudrun Busch aus Rodalben vermochten es, Dank ihrer sechs Register mit 20 verschiedenen Tönen, 78 unterschiedliche Klänge zu erzeugen. „Eine Kirchen-Orgel hat mit 13 Registern auch nur gut doppelt so viele wie die Drehorgeln“, informierte Moderator Martin Junger aus Frankenthal. Einfühlsam und humorvoll führte der Obmann des Pfälzer Drehorgel-Stammtischs durch das Konzert.

Dabei brachte er dem staunenden Publikum nicht nur die Musikstücke, sondern auch die außergewöhnlichen Instrumente näher. Diese können, wie die beiden großen Konzertorgeln mit ihren herrlichen Holzintarsien oder der Rosenbemalung, 20 000 Euro kosten. In der Pause drängten sich viele Zuhörer um die wertvollen musikalischen Schmuckstücke, durften in sie hineinschauen und sich dabei die Funktionsweise erklären lassen. Mit der Kurbel wird ein Blasebalg bedient, dessen Luft den Ton erzeugt. Staunend betrachteten die interessierten Zuhörer die Lochrollen und die Melodien in mehreren Stimmlagen darauf.



Herbert Göttel arbeitet vorwiegend mit elektronisch hinterlegten Musikstücken, die er selbst arrangiert. Die Musik kam sehr gut an. Mit einer Mischung aus beliebten klassischen Werken und bekannten Liedern hatte das Quintett der Pfälzer Drehorgelspieler genau den Geschmack seines Publikums getroffen. Zu den Höhepunkten gehörten Duette zwischen Herbert Göttel und Gudrun Busch mit ihren beiden wunderschönen Konzertorgeln. Verteilt, wie beim Partiturspiel, musizierten die beiden die unterschiedlichen Stimmen der Invention Nr. 8 von Johann Sebastian Bach, eine Mozart-Sonate in C-Dur und einen Ausschnitt aus seiner Kindersymphonie.

Wer eher Kirmesklänge erwartet hatte, fand sich am ehesten in der Jäger&Brommer-Orgel mit drei Registern des Landstuhlers Rainer Heist bestätigt. Er intonierte auf sehr liebenswerte Weise musikalische Leckerbissen wie Mozarts Kleine Nachtmusik ebenso wie den bekannten Chanson „Non, je ne regrette rien“.

„Deleika“ heißt das Instrument von Gerhard Gerach und erinnert damit an die Bezeichnung Deutscher Leierkasten. Er erfreute unter anderem mit bombastischen Stücken von Giuseppe Verdi, wie dem Triumpfmarsch aus Aida oder dem Gefangenenchor aus der Oper Nabucco.

Die Niederauerbacherin Annelore Peterseim hatte sich nichts unter einem Drehorgelkonzert vorstellen können. Am Schluss war der Stammgast bei den Konzerten in der Himmelsbergkapelle restlos begeistert: „Es war absolut stimmig, die Moderation, die wunderschönen Drehorgeln mit der herrlichen Musik und auch, dass die Besucher einbezogen wurden und mitsingen durften.“ Wie meist bei ihren Auftritten, waren die Drehorgelspieler auch in Zweibrücken rein ehrenamtlich unterwegs und verzichteten auf jede Aufwandsentschädigung, damit mehr Geld in die Kasse des gemeinnützigen Vereins „Kultur in der Himmelsbergkapelle“ fließen konnte und dieses Schmuckstück für die Öffentlichkeit erhalten bleibt.

Die nächsten Termine in der Himmelsbergkapelle, jeweils freitags: 25. Mai, 20 Uhr, Maria im Rosengarten – Gedichte, Choräle, Orgelmusik mit Bezirkskantor Helge Schulz und Anita Bischoff zu dem Gemälde von Martin Schongauer. 15. Juni, 17 Uhr, Kinderbuchvorstellung „Wer hat Angst vor dem Schnabel der Gans“ mit Autor Wolfgang Ohler.