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Zweibrücker Landgestüt
Ein Züchter schlägt Alarm

 Fehlt dem Landgestüt ein klares Konzept? Das moniert Züchter Sven Bischoff.
 Fehlt dem Landgestüt ein klares Konzept? Das moniert Züchter Sven Bischoff. FOTO: dpa / Landgestüt
Zweibrücken. Weil am Landgestüt Pferdezucht kaum mehr eine Rolle spiele, fordert Sven Bischoff vom Zuchtverband Rheinland-Pfalz Konsequenzen. Von Mirko Reuther

„Alexander Kölsch verlässt das Landgestüt – und wenn wir schlau sind, machen wir Züchter das auch.“ Dieser brisante Satz stammt von Sven Bischoff, einem Delegierten des Pferdezuchtverbandes Rheinland-Pfalz/Saar. Dieser ist – noch – Mehrheitsgesellschafter der Zweibrücker Landgestüt GmbH. Weitere Anteile halten die Stadt selbst sowie der Reit- und Fahrverein. Dass Landgestüt-Geschäftsführer Kölsch zum 1. April 2019 aufhört und eine Stelle in Pirmasens antritt, hält Bischoff für den angemessenen Zeitpunkt, auch über den Austritt des Zuchtverbandes aus der GmbH nachzudenken. Denn: Laut Bischoff habe das Landgestüt mit Pferdezucht heute kaum mehr etwas zu tun: „Das war einmal so, heute handelt es sich im Grunde um eine reine Besamungsstation.“ Davon zeuge unter anderem, dass es am Landgestüt nur noch einen Hengst gebe, erläuterte Bischoff gestern im Gespräch mit dem Merkur. Auch im Veranstaltungskalender des Gestüts finde sich abgesehen von der Landeshengstparade kein Termin mehr, der noch auf eine Zucht schließen lasse.

Laut eigener Darstellung vertritt Bischoff mit seinem Anliegen im Zuchtverband keine Minderheit. „Das ist meine persönliche Meinung, die ich aber auch in meiner Funktion als Delegierter vertrete. Und ich habe die Rückendeckung von Mitgliedern in den Bezirksverbänden.“ Sein brisantes Schreiben mit den Gedanken zum Austritt hatte Bischoff am vergangenen Freitag im Netzwerk Facebook veröffentlicht.

Der Züchter beklagt ein „fehlendes Konzept“ für das Landgestüt: „Das ist eine tolle Anlage mit tollen Veranstaltungen, die das Gestüt vielleicht wieder in die schwarzen Zahlen bringen. Aber was machen wir als Pferdezuchtverband in einer Event-GmbH?" Angesichts des Umstandes, dass das Landgestüt nach wie vor defizitär sei und die Stadt Zweibrücken in ihrem Haushalt 35 000 Euro für das Gestüt bereitgestellt hat, müsse man zudem „kein allzu heller Kopf sein, um vorauszusagen, dass demnächst finanzielle Forderungen an die Pferdezuchtverbände gestellt werden“, heißt es in Bischoffs Schreiben in dem sozialen Netzwerk. Im Gespräch mit dem Merkur ergänzt er: „Das ist ein finanzielles Risiko.“ Da das Landgestüt keine Verbindungen zu den satzungsgemäßen Zielen der Pferdezuchtverbände mehr aufweise, seien Zahlungen seiner Auffassung nach sogar satzungswidrig. Und weil die Anlage des Landgestüts für die überschaubare Zahl der Veranstaltungen der Zuchtverbände auch gemietet werden könne, entstünden diesen keine Nachteile.



Dass sich in der Ausschreibung für einen potenziellen Nachfolger des scheidenden Kölsch keine Forderungen nach Kenntnissen im Umgang mit Pferden oder der Zucht finden lassen, bestärkt Bischoff in seinem Anliegen: „Für ein Eventmanagement ist das in Ordnung. Wenn es aber wirklich noch Anknüpfpunkte zur Zucht gäbe, wäre ein Geschäftsführer, der gerade so einen Hengst von einer Stute unterscheiden kann, sehr unglücklich.“

Bei der Stadt Zweibrücken verwies Sprecher Heinz Braun gestern darauf, dass auch Diplomökonom Kölsch keinen Hintergrund in Sachen Pferdezucht aufweisen könne: „Ein Geschäftsführer muss organisieren können und einen Betrieb bewirtschaften können“, argumentiert Braun. Zu anderen Fragen wolle man keinen Kommentar abgeben. Diese müssten von der Landgestüt GmbH selbst geklärt werden, in der die Stadt nur Minderheitsgesellschafter sei. Die Ausschreibung für einen Nachfolger habe im übrigen Kölsch selbst verfasst, sagte Braun.