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Ein Zeitzeuge nationalsozialistischer Verbrechen

Zweibrücken. Gut 40 Besucher waren zum Vortragsabend des Historischen Vereins in den Kapellenraum der Karlskirche gekommen. Heinz Weinkauf vom Vorstand sprach über Victor Klemperer: „Der Professor mit dem gelben Stern“. fro

Victor Klemperers Tagebücher aus der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) standen diese Woche im Mittelpunkt eines Vortrags beim Historischen Verein Zweibrücken . "Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten" lautet der Titel. Eine ungekürzte und umfangreich kommentierte Fassung der Tagebücher aus dieser Zeit erschien auch 2007 auf CD.

Victor Klemperer war jüdischer Herkunft, konvertierte aber 1912 zum Protestantismus. Er studierte Philosophie und Romanistik , promovierte und habilitierte und wurde 1920 als Professor für Romanistik an die TH Dresden berufen. Schon 1935 wurde er wegen seiner jüdischen Herkunft aus dem Dienst entlassen. Auf Grund der nationalsozialistischen Rassengesetze wurden ihm der Zugang zur Bibliothek und der Kauf von Zeitungen und Zeitschriften untersagt. Wissenschaftliches Arbeiten war für ihn damit unmöglich geworden. So widmete er sich nun intensiv seinen Tagebüchern, natürlich in größter Heimlichkeit. Denn eine Entdeckung durch die Gestapo hätte schlimmste Folgen nach sich gezogen.

Die Tagebuchaufzeichnungen belegen, wie der Alltag für die Juden immer restriktiver verlief, Todesangst war der ständige Begleiter, Familie Klemperer musste in ein Judenhaus ziehen, sein eigenes Haus wurde beschlagnahmt. Die Demütigungen nahmen zu, er durfte keine Haustiere mehr halten, Einkaufszeiten wurden reglementiert, er musste den "gelben Stern" an seiner Kleidung tragen, Lebensmittel wurden knapp. Einige Freunde und Bekannte wählten den Freitod, um dem Konzentrationslager zu entgehen. Schließlich konnte Klemperer unter falschem Namen bei Freunden untertauchen.

Nach Kriegsende blieb die Familie in Dresden, Klemperer konnte seine Professur wieder aufnehmen, wurde Abgeordneter der Volkskammer der DDR und ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften.