| 21:17 Uhr

Aktion der Grünen
Ein Zeichen gegen zu viel Verpackungsmüll

Nirgends fällt in der EU pro Kopf mehr Verpackungsmüll an als in Deutschland. Darauf machen die Grünen heute mit einer Einkaufsaktion aufmerksam.
Nirgends fällt in der EU pro Kopf mehr Verpackungsmüll an als in Deutschland. Darauf machen die Grünen heute mit einer Einkaufsaktion aufmerksam. FOTO: dpa / Stefan Sauer
Zweibrücken. Die Grünen wollen heute demonstrieren, wie viel Müll beim Kauf von Lebensmitteln im Supermarkt entsteht. Von Eric Kolling

Wer kennt das nicht: Einmal im Supermarkt eingekauft und abends schön gekocht, schon ist wieder ein gelber Sack mit Plastik- und Verpackungsmüll voll. Selbst Karotten gibt’s manchmal nur noch eingeschweißt, Salat ist in Plastikschalen gefüllt und trotzdem nochmal in Klarsichtfolie verpackt, Äpfel sind eingeschweißt. Ganz zu schweigen von Pralinen oder Bonbons, um die Papierchen gewickelt und die dennoch extra verpackt werden. Und wer hat sich nicht schonmal gefragt, ob die doppelte Plastikumhüllung bei Schokocroissants oder auch bei Spülmaschinentabs wirklich nötig ist?

Was aus all dem statistisch folgt, fassen die Zweibrücker Grünen unter Berufung  auf das Umweltbundesamt zusammen: In keinem europäischen Land werde so viel Verpackungsmüll produziert wie in Deutschland. 2016 seien 18,16 Millionen Tonnen angefallen, 220,5 Kilo pro Kopf. Das waren mehr als 2015 und deutlich mehr als der europäische Durchschnitt von 167,3 Kilo. Knapp die Hälfte des Abfallaufkommens (47 Prozent) produzierten Privatleute.

Ein Verpackungs- und Müllwahn in großen Zahlen. Ein Zeichen dagegen wollen daher die Grünen heute, 3. August, setzen. Die Schatzmeisterin des Grünen Kreisverbands Dagmar Pohlmann rechnet um 17.30 Uhr im Rewe-Markt am Etzelweg mit einem Dutzend Parteimitglieder und –unterstützer. Diese werden ihre Einkäufe erledigen und eine halbe Stunde später, nach dem Bezahlen, auf dem Parkplatz gemeinsam unnötige Verpackungen von den gekauften Produkten entfernen. „Wir gehen davon aus, dass wir ohne Mühe einen ganzen Einkaufswagen mit Folien, Trays und Banderolen füllen können“, so Pohlmann. Die Verpackungen würden anschließend im Supermarkt im Sammelbehälter zurückgelassen.



Sie betont, dass sich die Aktion explizit nicht gegen Rewe richtet. Man brauche für die Aktion aber einen Vollsortimenter, gibt sie Einblicke in die Überlegungen der Grünen. Daher seien etwa Discounter wie Aldi, Lidl oder Penny ausgeschieden. Dass sie viel Plastikmüll produzierten, liege an ihren Konzept, stark auf Großverpackungen zu setzen. Vollsortimenter indes böten verstärkt auch Waren ohne Verpackungen an und könnten sich so leichter für weniger Verpackungsmüll einsetzen. Also etwa ermöglichen, dass lose Äpfel in umweltfreundlichen Papiertüten transportiert werden könnten. Dass hier offenbar ein Umdenken eingesetzt habe, stellen die Grünen nicht in Abrede: „In Zweibrücker Supermarkt-Regalen gibt es schon Obst und Gemüse, das nicht mehr per Folienverpackung als Bio-Produkt gekennzeichnet ist, sondern per Laser-Eindruck in der Schale. Aber da muss viel mehr passieren. An der Wursttheke kann man wiederverwendbare Plastikdosen anstelle von Einwegtüten verwenden. Edeka testet das in Büsum.“

Doch selbst wenn in Deutschland im Privatgebrauch mit 24,9 Kilo pro Kopf etwas weniger Plastik-Verpackungsmüll anfalle als 2017, und wenn etwa 70 Prozent des Verpackungsmülls recycelt würden, sei das noch kein Beleg für große Fortschritte, so Pohlmann. Denn zum Teil werde Kunststoff durch Aluminium oder Glas ersetzt, dessen Herstellung viel Energie erfordere. Rohstoffverschwendung und hoher Energieverbrauch bildeten ein großes Problem. Da stimme es wenig positiv, so relativiert Pohlmann, dass deutscher Müll selten in der Natur oder im Meer lande.

Ein weltweites Problem, vermutlich eines der größten des 21. Jahrhunderts, ist dies dennoch längst. Mitten im Pazifik gibt es einen Plastikstrudel viermal so groß wie Deutschland; im Meer tauchen tote Fische und Vögel mit Plastik im Bauch auf. Selbst im Bier wurde Mikroplastik, also was nach etwa 50 Jahren Zersetzung vom Plastik übrigbleibt, schon nachgewiesen. „Bürger können das Problem nicht allein lösen. Hier können die lokalen Supermärkte etwas tun. Bei den Plastiktüten hat das schon gut geklappt“, so Pohlmann.