| 21:12 Uhr

Tafeln Zweibrücken
Ein Seismograf der Bevölkerung

Auf der Treppe zum Pfarrheim Heilig-Kreuz von links: Nina Bender, Christa Huber, Annette Peetz sowie die beiden Zweibrücker Spender Christian und Ulrike Hitschler.  
Auf der Treppe zum Pfarrheim Heilig-Kreuz von links: Nina Bender, Christa Huber, Annette Peetz sowie die beiden Zweibrücker Spender Christian und Ulrike Hitschler.   FOTO: Lehmann
Zweibrücken. Tafel-Chef beobachtet immer häufiger „Armut trotz Arbeit“. Ein Zweibrücker Ehepaar spendet seine Geburtstagsgeschenke.

() Es war das Bild, das sich dem Ehepaar Hitschler jeden Tag in Zweibrücken bot - deshalb haben die beiden der Zweibrücker Tafel nun Geld gespendet. Gesammelt haben die beiden mit einem Freund bei einem erfreulichen Anlass: „Meine Frau, ich und einer unserer Freunde, Hans-Jürgen Theobald, wir verabredeten uns zu einer gemeinsamen Geburtstagsfeier: Jeder wurde nämlich 50 Jahre alt“, erzählt Christian Hitschler, wie die Idee entstanden war. „Und da wir in der Stadt täglich immer mehr arme Leute auf den Straßen sehen, beschlossen wir, eine Zweibrücker Institution finanziell zu unterstützen, indem wir unsere Gäste statt um Geschenke um eine Spende baten. So kamen wir auf die Unterstützung der Tafel.“

Jetzt übergab das Ehepaar Ulrike und Christian Hitschler 1890 Euro an Geburtstags-Spendengeldern an die Tafel. Ansprechpartnerin Annette Peetz bedankte sich und erklärte, wofür sie das Geld verwenden wird: „Bargeld brauchen wir für die Kosten von Auto, Miete, Putzfrau und manchmal auch für den Einkauf von Grundnahrungsmitteln.“

Die Zweibrücker Tafel in Trägerschaft der Pfarrei Heilig Kreuz wird ehrenamtlich, parteiübergreifend, überkonfessionell und generationenübergreifend geführt. „Wir haben ein Mal die Woche geöffnet, donnerstags ab 14.45 Uhr, in der Canadastraße 32“, berichtet Peetz. Wöchentlich kommen 190 Inhaber von Berechtigungsscheinen, die für einen oder mehrere Personen Lebensmittel brauchen. „Unser Klientel weist seine Bedürftigkeit durch diese schriftlichen Dokumente nach.“ Die Mehrheit der Kunden verhalte sich normal, ist freundlich und dankbar, andere wieder seien geradezu raffgierig. Ganz selten mal gebe jemand seinen Berechtigungsschein zurück.



Jochen Brühl, der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Tafel, beobachtet, dass die Zahl der Armen in Deutschland von Jahr zu Jahr steigt. „Arm trotz Arbeit, das ist ein immer häufigeres Phänomen“; so Brühl. „Wir sind ein Seismograf der Bevölkerung“, beschreibt er das Netzwerk der mehr als 900 Tafeln in Deutschland. „Die prekären Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeit und Minijobs machen sich vermehrt bei den Tafeln bemerkbar. In der Statistik werden diese Jobs zwar als Erfolg gefeiert, aber die Tafeln zeigen eine Parallelwelt im reichen Deutschland.“ Wobei arm nicht gleichzusetzen sei mit hungrig, betont der Tafeln-Chef. Vielmehr sei damit ausgegrenzt gemeint, sozial isoliert. Pastoralreferentin Nina Bender sagt: „Die Armut nimmt tatsächlich zu, das kann ich nur bestätigen. Die Tafeln sind inzwischen aus dem Alltag vieler nicht mehr hinwegzudenken.“