| 23:13 Uhr

Festival Euroclassic
Ein pfiffiger Auftritt von Max Raabe

Zwei distinguierte Herren, die die Zweibrücker Festhalle bei Euroclassic in Wallung brachten: Max Raabe (rechts) und sein Pianist Christoph Israel.
Zwei distinguierte Herren, die die Zweibrücker Festhalle bei Euroclassic in Wallung brachten: Max Raabe (rechts) und sein Pianist Christoph Israel. FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. Der distinguierte Historische-Schlager-Star Max Raabe begeisterte beim Euroclassic-Konzert in der ausverkauften Zweibrücker Festhalle. Frivole Passagen überließ er der Phantasie des Publikums. Von Sebastian Dingler

Mit dem Konzert von Max Raabe in der Zweibrücker Festhalle hatte das Euroclassic-Festival einen ersten Höhepunkt. Der in Lünen geborene Wahlberliner füllt weltweit locker größere Hallen, und so war es kein Wunder, dass das Zweibrücker Gastspiel am Samstagabend ausverkauft war. Und das, obwohl der Entertainer nicht sein Palastorchester dabei hatte, sondern „nur“ von Pianist Christoph Israel begleitet wurde.

So konzentrierte sich die Wahrnehmung noch stärker auf die Nuancen im oft spöttisch-reservierten Gesichtsausdruck Raabes. Dieser zog mal hier eine Augenbraue hoch und warf dort mal den Kopf in den Nacken. Selten ging er so aus sich heraus wie im zweiten Set, als er doch tatsächlich ganz untypisch einen Heldentenor auf Russisch gab und dabei die Arme verschränkte.

Ansonsten blieb der Sänger gerne in seiner Paraderolle als distinguierter feiner Herr, der eine Zeitreise aus der Weimarer Republik ins Heute angetreten sein musste. Die wunderbaren Lieder dieser Zeit galten damals als Schlager, wiewohl sie musikalisch und textlich weitaus anspruchsvoller sind als das, was heute unter diesem Begriff veröffentlicht wird. Immer wieder war man erstaunt, wie frivol die Texte damals daherkamen – mit der Herrschaft der Nazis war dann Schluss damit, allein deshalb, weil viele Komponisten und Texter Juden waren. Auch die etwas lockeren moralischen Vorstellungen entsprachen nicht der nationalsozialistischen Ideologie.



Häufiges Motiv bei den Liebesliedern war der Umstand, dass sie gar nicht auf die eigene Frau gemünzt waren. Das kam meist erst am Schluss als Pointe heraus. Von vornherein klar waren die Verhältnisse bei „Sag nicht ‚Du zu mir, wenn meine Frau dabei ist“. Bei „Weißt du was, du kannst? Mich am Nachmittag besuchen!“ wurden die höchstwahrscheinlich frivolen Passagen der Phantasie des Publikums überlassen, denn Raabe pfiff sie einfach. Wie er überhaupt gerne mal ein kleines Duett mit seinem phantastischen Begleiter am Flügel pfiff.

An anderer Stelle imitierte der Sänger eine Posaune stilgerecht. Und dieser Tonumfang! Raabe kann ja hohe Töne unglaublich leise und vollkommen gerade singen, bald darauf in den Bass wechseln oder wie schon erwähnt den Heldentenor geben. Sagenhaft!

Außerdem steckte viel Humor in seinem Auftritt, sowohl in den Songs als auch in den Ansagen. „Was ist der Unterschied zwischen einem Gigolo und einem Eintänzer? Der Eintänzer tanzt nur und der Gigolo auch“, hieß es da beispielsweise. Wichtig war dem Sänger auch die löbliche Eigenschaft, zu jedem Lied Komponist und Texter zu nennen. Es ist ein nahezu vergessenes Stück deutscher Kultur, die der 55-Jährige den Zuhörern ins Bewusstsein ruft. Diese dankten es mit stehendem Applaus, der drei Zugaben zur Folge hatte. Karin Dahlke aus Homburg meinte hinterher: „Es hat mir sehr gut gefallen, vor allem die Stimmlage. Bei den Liedern von 1928 bis 1932 waren auch viel unbekannte dabei, ich kannte nur zwei. Es war ein ganz toller Abend!“.

„Voll gelohnt“ hatte sich der Konzertbesuch auch für Gerhard Sprau aus Thaleischweiler: „Es war super, einfach genial. Wir kannten ihn aus dem Fernsehen, aber was er hier auf der Bühne geboten hat, war phänomenal. Wir würden jederzeit wiederkommen.“ Und auch jemand wie Hannelore Neu aus Waldfischbach konnte von Raabe überzeugt werden, obwohl sie eigentlich eher aktuelle Schlager mag. Ihre Begleiterin hatte zuvor deswegen Zweifel, ob es Neu gefallen würde, aber weit gefehlt: „Ich bin ganz begeistert. Ich kannte die Lieder nicht, bin total hin und weg.“