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Ein Pädagoge mit dickem Fell

Spielen ist für „Dr. Watson“ toll, manchmal darf es aber gerne eine Streicheleinheit sein. Diesem Wunsch kommen die Schüler gerne nach.
Spielen ist für „Dr. Watson“ toll, manchmal darf es aber gerne eine Streicheleinheit sein. Diesem Wunsch kommen die Schüler gerne nach. FOTO: Bröcker
Zweibrücken. Der Hund soll bei den Schülern des Hofenfels-Gymnasium in Zweibrücken das Selbstbewusstsein stärken und auch die Aufmerksamkeit und Konzentration fördern. Nadine Bröcker

Dr. Watson ist ganz schön verfressen, ziemlich neugierig und er schnüffelt gerne. Und weil Besitzerin Tanja Hettrich auch eine Vorliebe für Sherlock Holmes hat, lag der Name für ihren treuen Begleiter klar auf der Hand. Dr. Watson ist auch wie sein Namensgeber bestens ausgebildet.

Natürlich ist er nicht Arzt, dafür aber ausgebildeter Besuchs- und Begleithund bei den Maltesern. Mit Tanja Hettrich besuchte er daher häufig die Senioren im Pflegeheim. Da sein Frauchen aber Lehrerin ist, hatte diese vor einiger Zeit eine ganz andere Idee: Dr. Watson könnte doch auch ein toller Begleiter für die Schule sein. "Es ist total schön, wenn man weiß, er ist mit dabei", findet sie. Nachdem sich das Hofenfels-Gymnasium positiv dafür ausgesprochen und sogar Equipment wie Hütchen und den langen Tunnel zum Durchflitzen gesponsert hatte, absolvierte Dr. Watson auch seine zweite Ausbildung zum Schulhund. Dort lernte er all das, was er als echter Schulhund benötigt: Geduld mit Kindern und eine gewisse Lärmtoleranz zu haben, sich anfassen zu lassen und auch ein paar kleine Kunststückchen.

Als echter Gelehrter mit einer Engelsgeduld begleitet der Dreijährige nun etwa zwei Mal in der Woche Tanja Hettrich stundenweise in den Unterricht. Dort dauert es jedes Mal eine ganze Weile, bis die beiden vom Sekretariat in den Klassenraum gelangen, denn nicht nur Dr. Watson möchte am liebsten alle begrüßen, sondern auch alle Kinder und Erwachsenen, die ihm auf dem Weg dorthin begegnen. Normalerweise wird Dr. Watson dann in den Unterricht mit involviert, stärkt durch seine Unvoreingenommenheit das Selbstbewusstsein der Kinder, fördert die Aufmerksamkeit und Konzentration, sorgt für mehr Verantwortungsbewusstsein, tröstet und baut Ängste ab.

"Es ist eine ganz andere Atmosphäre, wenn der Hund da ist", erklärt Tanja Hettrich. Ab und an ist Dr. Watson aber auch zu Besuch bei anderen Klassen, so wie an diesem Morgen in der 5c. Da darf der reguläre Unterricht dann auch gerne mal ruhen, stattdessen gibt es ein Spiel mit Fragen zu Dr. Watson, etwa welcher Rasse er angehört, wie alt er ist oder wofür diese Hunderasse ursprünglich gezüchtet wurde. Für jede richtige Antwort gibt es für den Schüler eine Belohnung: ein Kunststück mit Dr. Watson, der sich darüber mindestens genauso freut, wie über das Stückchen Möhre, das es für ihn für jedes Kunststückchen gibt. Anschließend geht es mit der ganzen Klasse und Dr. Watson raus in den Hof. Dort wird schnell ein Parcours aufgebaut, in den gleich mehrere Schüler auf einmal involviert sind. Nur wenn die sich wirklich auf ihn konzentrieren, absolviert Dr. Watson auch seinen eigenen Parcours richtig: durch Reifen hüpfen, durch den Tunnel flitzen und um Hütchen herum laufen. Wer dabei mehr Spaß hat, ist schwer auszumachen.

Dennoch ist es für Tanja Hettrich wichtig, dass die Kinder nicht nur den Spaßfaktor sehen, sondern den Hund auch ernsthaft wahrnehmen. "Er soll nicht nur das Zirkustier sein", erklärt sie, sondern auch für Ruhe und Konzentration sorgen. Während der Zeit im Parcours steht der Spaßfaktor allerdings dann doch im Mittelpunkt. Gemeinsam mit den Kindern tollt Dr. Watson herum und auch die Kinder sind begeistert. "Ich fand es schön, weil ich selber keinen Hund habe", erklärt Elif, nachdem sie den Parcours absolviert hat. "Er dürfte ruhig öfters in den Unterricht kommen", findet auch Luisa. "Er ist so verspielt und will immer Leckerlis", fügt Alina lachend hinzu.

Irgendwann ist aber auch Dr. Watson ein wenig erschöpft. Um sich ordentlich auszuruhen, soll er vermutlich im nächsten Schuljahr einen eigenen kleinen Raum bekommen, in dem sich der junge Labrador zurückziehen kann, damit sein Frauchen ihn nicht ständig holen und wieder nach Hause bringen muss. Denn bei aller Niedlichkeit lässt Tanja Hettrich das Thema Tierschutz für ihren verspielten Schützling nie aus den Augen.