| 23:24 Uhr

Ungeschnitten im Kino
Ein Meisterwerk der alten Horror-Schule

Da haben die Maskenbildner mal wieder ganze Arbeit geleistet: Kenneth Cranham als Dr. Channard.
Da haben die Maskenbildner mal wieder ganze Arbeit geleistet: Kenneth Cranham als Dr. Channard. FOTO: Verleiher / Diverse
Zweibrücken. „Hellbound — Hellraiser 2“ von Clive Barker kommt jetzt ungeschnitten in die Kinos.

Es gibt wieder alte Filme im Kino zu sehen; und nicht nur mit Oscars und anderen Preisen behängte Schwergewichte, sondern auch Produktionen, deren Reputation erst später auf dem VHS-Sektor des Home-Entertainment-Markts Fahrt aufnahm. Und so dürfen sich nach Don Coscarellis ersten zwei „Phantasm“-Schockern (hierzulande „Das Böse“ betitelt) nun auch Clive Barkers Höllenfilme ungeschnitten und aufgefrischt in 4K-Digitalauflösung zur Wiederentdeckung stellen.

Die Reise geht damit geradewegs zurück in die zweite Hälfte der 80er Jahre, wo Stephen King das Maß der Gänsehaut definierte, bis Clive Barker kam. Der smarte Engländer war fieser und härter; er fing da an, wo King und davor Lovecraft aufhörten, und das war für ein knappes halbes Jahrzehnt eine wilde Sache. Barker traute sich was, intermedial. 1987 verfilmte er nach eigenem Drehbuch seine Kurzgeschichte „Hellraiser“.

Der Film um einen mystischen Würfel, mit dem sich das Tor zur Hölle und eine Welt voller Schmerzen öffnen lässt, entfesselte eine Mordgeschichte, in der Gier und Gelüste sich in bis dahin kaum erschlossenem Sadismus und zynischen Dialogen entfalten durften. Zahlreiche Schock- und Ekelszenen fielen in Deutschland der Zensur zum Opfer und blieben es ein Vierteljahrhundert lang. Im Folgejahr produzierte Clive Barker eine Fortsetzung, für die er in den zentralen Kreativabteilungen anderen Leuten den Vortritt ließ. „Hellbound“ zelebriert eine Stunde lang die Wiederkehr der Mörderin Julia (die sagenhaft lüsterne Clare Higgins) aus der Hölle, wofür der ruchlose Neurochirurg Channard (Kenneth Cranham) manch bizarre Weiche stellt. Dann geht es für eine halbe Stunde hinein in die Hölle, was im Rahmen einer komplett analogen Preiswert-Produktion zu sehr schönen Gruselimpressionen führt. Einmal mehr verstört auch eine ungebremst sadistische Freude am Spiel mit der Verletzlichkeit des menschlichen Körpers. Und es gibt zwei junge, unschuldige Frauen, die sich im Chaos zu behaupten suchen.



Aus dem Blickwinkel von 2018 ist das sehr unterhaltsam und bei allem Sinn für Greuel nicht annähernd so nihilistisch und verkommen wie die „Saw“-Reihe. „Hellraiser“ ist hier noch filmschöpferische Old School mit handgemachten Spezial- und Maskeneffekten. Dieser Look ist vielleicht ein wenig aus der Zeit gefallen. Aber der Thrill packt immer noch feste zu.

GB 1988; Regie: Tony Randel; Buch: Peter Atkins; Kamera: Robin Vidgeon; Musik: Christopher Young; Darsteller: Ashley Laurence, Clare Higgins, Kenneth Cranham, Imogen Boorman.