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Klassikkonzert
Ein Klavierrezital mit besonderer Note

Die begabte Pianistin Miao Huang war Schülerin der Herzog-Christian Musikschule.
Die begabte Pianistin Miao Huang war Schülerin der Herzog-Christian Musikschule. FOTO: Maria Schabert
Zweibrücken. Die Pianistin Miao Huang, früher Musikschülerin in Zweibrücken, bestach mit ihrem Spiel im Herzogsaal. Ein Programm gab es mit Absicht nicht. Von Maria Schabert

Die gebürtige Chinesin Miao Huang gewann 2011 bereits den Hauptpreis beim Deutschen Musikwettbewerb und ist eine international anerkannte Künstlerin. Derzeit pendelt sie sowohl beruflich als auch privat zwischen Berlin und Stuttgart. Was bewegt eine gefragte Pianistin wie Miao Huang also zu einem Klavierrezital in Zweibrücken?
Anlass dazu gab die Aufrüstung der Herzog-Christian-Musikschule in Zweibrücken, die alle alten Klaviere der Vergangenheit übergab und Neuanschaffungen veranlasste. Um die Sache zu unterstützen, erklärte sich deren ehemalige Schülerin Miao Huang kurzerhand dazu bereit, ein Benefizkonzert zu Gunsten des Fachbereichs Klavier zu geben. Das Konzert bestand aus insgesamt fünf Werken und einer Zugabe, angefangen mit der Ballade Nr. 4 von Frédéric Chopin. Über das Programm wurde das Publikum aus rund 20 Zuhörern jedoch im Dunkeln gelassen. Es gab ein frohes Hin- und Her-Raten. In der Pause wurde getuschelt, es könne vielleicht Brahms dabei sein oder auch doch nicht? Danach jedenfalls brachte Walter Theisohn, Leiter der Musikschule und Moderator des Abends, Licht ins Dunkel und räumte mit sämtlichen Spekulationen auf. Alle Stücke vor der Pause, derer es insgesamt vier waren, waren ausschließlich Werke von Chopin. Zur Frage, weshalb es kein Programm gab, äußerte sich Theisohn scherzend: „Man hört intensiver… und liegt am Ende dann doch falsch!“ Damit hatte er wohl recht; das Publikum konnte sein Ohr nicht der meisterhaft gespielten Melodien entziehen. Während des gesamten Konzerts wurde aufmerksam zugehört, was die Pianistin mit vollem Körpereinsatz und überragender Spannung darbot. Es war förmlich zu spüren, dass das Gespielte ein Leben erzählt. Das gesamte Spektrum an transportierten Gefühlen reichte von süßem Schmerz bis hin zu traumhafter Leichtigkeit. Gab man sich diesem hin, so rückte das Interesse, die Stücke beim Namen zu kennen, schnell in den Hintergrund. Die Finger der jungen Frau flogen gekonnt über die Klaviatur. Momente voller Energie und Dynamik meisterte sie mit Bravour und brachte den Boden des Herzogsaals während der Klaviersonate in h-moll von Franz Liszt zum Vibrieren. Nach starkem Beifall belohnte die Künstlerin das überschaubare Publikum mit einer kraftvollen Zugabe (Prélude cis-moll op. 3 Nr. 2 von Sergej Rachmaninow). Begeistert waren sämtliche Zuhörer, wenn diese vereinzelt auch nur zufällig von dem Abend erfahren hatten. Schließlich bleibt nur noch zu hoffen, dass zukünftig für ein weiteres Konzert dieser Größe mehr geworben wird – Interesse bestand in jedem Fall.