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Rund 100 000 Besucher
Ein ganz besonders heißes Stadtfest

Die Stadtfest-Glocke „Hells Bells“ beim Konzert der Band Sin City, die mit dem bestens besuchten Konzert am Samstagabend an der Alten Feuerwache gleichzeitig ihr 25-jähriges Bestehen feierte.
Die Stadtfest-Glocke „Hells Bells“ beim Konzert der Band Sin City, die mit dem bestens besuchten Konzert am Samstagabend an der Alten Feuerwache gleichzeitig ihr 25-jähriges Bestehen feierte. FOTO: Volker Baumann
Zweibrücken. Die Sommerhitze hat dem Stadtfest-Besuch keineswegs geschadet: Es war so voll wie selten. Trotzdem hatten DRK und Polizei nur wenig zu tun. Von Volker Baumann

„Wie kommen wir denn am schnellsten von hier an die Bühne Alte Feuerwache?“, fragte sich am Samstagabend eine Gruppe junger Leute , die unbedingt noch „Hells Bells“ von „Sin City“ an der Alten Feuerwache erleben wollten. „Am besten mit der U-Bahn“, war die scherzhafte, aber nicht unbedingt hilfreiche Antwort ihres Gegenübers.

Es war aber tatsächlich am späten Samstagabend so, dass der Begriff „drangvolle Enge“ beim Zweibrücker Stadtfest schon leicht untertrieben wirkte. Die Fußgängerzone, einschließlich Seitengassen und Plätzen, hätte fast zur Einbahnstraße erklärt werden müssen, denn im „Gegenverkehr“ waren leichte Rempler fast unvermeidbar. Und so schlängelten sich zwei „Vergnügungsschlangen“ durch die City, von Bühne zu Bühne, nicht ohne zwischendurch den unvermeidbaren Hunger und Durst zu stillen.

Leute, Leute, soweit das Auge reichte, Musik an allen Ecken und Enden, Düfte in allen Aromen, Kulinarisches in allen Varianten und eine Stimmung, die, wie viele behaupten, es nur auf dem Zweibrücker Stadtfest gibt. Aus St. Ingbert war eine Gruppe junger Männer angereist, die einmal die Feiertauglichkeit ihres Kumpels testen wollten. „Bevor er sich ins Verderben stürzt, muss er mal zeigen was er kann“, so ihr Kommentar zur bevorstehenden Trauung und dem jetzigen Junggesellenabschied. Dazu sei das Zweibrücker Stadtfest die beste Gelegenheit, ließen die Saarländer den Pfälzern ein etwas zweideutiges Lob zurück. Allerdings untermauerten sie dann eindeutig, dass die „Party-Meile“ jährlich ihre Anlaufstelle sei.



Neun Bühnen, 50 Bands und 200 Stunden Musik – wer schafft das noch? Bei dieser Frage kommen viele ins Grübeln und zollen der Organisation Respekt. Sommerhitze und Stadtfest!? „Mittags frisch halten und abends loslegen“, war die Devise von Peter und Andrea Djalali, die in der Poststraße, bei rockigen Klängen, die Nähe zu einer Cocktail- und Bowle-Bar bevorzugten und sich mit Freunden trafen, die sie lange nicht gesehen hatten.

Dieses „Stadtfest-Argument“ blitzte in vielen Antworten bei der Befragung zur Motivation durch: „Mol widder uff die Gass gehn und sich mit Leit treffe, die ma ewich net gesiehn hat. Nadierlich a Mussik heere unn enner druffmache!“ Der Argumentation ist nichts entgegenzuhalten. Uwe Anstätt aus Oberauerbach glaubte auf dem Herzogplatz gar Wladimir Klitschko vor sich zu sehen, wollte ihn ansprechen und bemerkte dann, dass es sich um einen alten Freund handelte. „Der Rücken war etwas breiter geworden“, lacht er über die eigentlich willkommene Verwechslung.

Henry Griffin aus Landau ging als einer der Glückspilze beim Kofferspiel hervor: Mit der Nummer 44 auf seinem gezogenen Preis, bescherte ihm die geratene Kartbahn Einkaufs- und Verzehrgutscheine in Höhe von fast 100 Euro und ein strahlendes Gesicht.

Und dann gab‘s da noch das „Riesenradphänomen“: „Steht das Riesenrad diesmal vielleicht hinter dem Schloss?“ fragten sich verhinderte In-die-Höhen-Dreher und am Freitagabend: „Da könnte man so gut die Mondfinsternis und den Blutmond von oben fotografieren“. Leider glänzte das angekündigte Riesenrad mit Abwesenheit – ebenso wie der Mond. Es war der einzige kleine Wermutstropfen im sonst perfekt organisierten Stadtfestprogramm. Des Rätsels Lösung: Das Fahrgeschäft sollte als Neuheit in Zweibrücken die alte Version ablösen und konnte leider nicht rechtzeitig fertiggestellt werden. Dafür soll es nächstes Jahr, so Kulturamtsleiter Thilo Huble, in neuem Glanz die Attraktion auf dem Schlossplatz werden. Alle sind schon gespannt, ob das Stadtfest im 40. Jubiläumsjahr tatsächlich noch einen draufsetzen kann. Thilo Huble war bereits am Sonntagnachmittag überzeugt, dass die magische 100 000er Besuchermarke geknackt würde.

Im Vergleich zu vergangenen Jahren außergewöhnlich ruhig und ohne dramatische Einsätze sei das Stadtfestwochenende für die eingesetzten Rettungskräfte verlaufen, kommentiert Hans Prager vom DRK die vergangenen drei Tage auf der Party-Meile. „Am Freitag hatten wir nur einen Transport und Samstagnacht mussten 13 Personen transportiert werden. Meist seien es die typischen Auseinandersetzungen unter Alkoholeinfluss gewesen, bei denen sich die Kontrahenten verletzten. Einer davon sei von einer Frau mit einem Bierkrug attackiert worden und habe sich eine Schnittverletzung im Gesicht zugezogen. Einsätze ausschließlich wegen betrunkener Personen oder  Kreislaufproblemen aufgrund der Sommerhitze seien erstaunlicherweise gar nicht notwendig gewesen. Die Rettungsmannschaft sei am Samstag mit stärkster Besetzung von 34 Kräften, zwei Rettungswagen, zwei Krankenwagen und einem Notarzt vor Ort gewesen. Laut Polizei mussten sieben Personen alkoholisiert in Gewahrsam genommen werden. Drei Personen wurde wegen ihres Benehmens ein Platzverweis erteilt. Das Ordnungsamt hatte vor allem mit dem Abschleppen behindernd geparkter Fahrzeuge zu tun. „Unzählige“ seien es gewesen, die Rettungswege zugestellt hatten.

Am Sonntag gegen 18 Uhr dann noch ein Vorfall in der Hauptstraße: Beim Brillen-Fielmann stürzte ein alkoholisierter Straßenmusiker in die Scheibe der Eingangstür, verletzte sich zum Glück aber nur leicht, da die Scheibe in tausende kleine Teile zerbarst.

Mehr Berichte und Fotos auf den beiden nächsten Seiten, Bildergalerien auf www.pfaelzischer-merkur.de

Allein am Samstag waren beim Stadtfest in Zweibrücken wohl mehr Menschen, als die Stadt Einwohner hat.
Allein am Samstag waren beim Stadtfest in Zweibrücken wohl mehr Menschen, als die Stadt Einwohner hat. FOTO: Volker Baumann
Die Mainzer Comedy-Band „Se Bummtschacks“ um Sven Hieronymus (links) sorgte am Sonntag für einen Heidenspaß auf der Bühne in der Poststraße.
Die Mainzer Comedy-Band „Se Bummtschacks“ um Sven Hieronymus (links) sorgte am Sonntag für einen Heidenspaß auf der Bühne in der Poststraße. FOTO: Volker Baumann
Was wäre ein Stadtfest ohne die Stadtkapelle? Am Sonntagnachmittag musizierte sie auf dem Alexanderplatz.
Was wäre ein Stadtfest ohne die Stadtkapelle? Am Sonntagnachmittag musizierte sie auf dem Alexanderplatz. FOTO: Sebastian Dingler
Schlagerstar Stefan Mross trat gestern Abend zum Stadtfest-Finale mit Anna-Carina Woitschack auf dem Alexanderplatz auf.
Schlagerstar Stefan Mross trat gestern Abend zum Stadtfest-Finale mit Anna-Carina Woitschack auf dem Alexanderplatz auf. FOTO: Volker Baumann